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Poetik
Untertitel: Griechisch-Deutsch
[1994] [3150078288]

Autor: Aristoteles

Herausgeber: Fuhrmann, Manfred

Erscheinungsort: Stuttgart

Verlag: Reclam

Disziplin: Philosophie

Schlagworte: philosophie,poetik

Beschreibung:
Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Poetik
OT Peri PoietikesEZ nach 335 v. Chr. EA 1481 DE 1753 Form Schrift Epoche griech. Antike
Ursprünglich als Schrift für die Hörer der Athener Akademie verfasst, begründet die fragmentarische Poetik des Aristoteles die Tradition der Dichtungstheorie. In der Auseinandersetzung mit dem Drama, primär mit der Tragödie, stellt das Werk gleichsam eine Theorie der Gattung dar.
Aufbau: Die Schrift gliedert sich in drei Abschnitte: Ein allgemeiner Teil hebt hervor, dass das Wesen der Dichtung, die Nachahmung (Mimesis), der Natur des Menschen entspringt und deren oberstes Prinzip ist. Der folgende Teil behandelt die Tragödientheorie, die letzten Kapitel beschäftigen sich mit dem Epos. Im abschließenden Vergleich der beiden Gattungen entscheidet sich der Verfasser für die Tragödie, da sie »das Ziel der Nachahmung bei einem geringeren Umfang [erreicht]« und über szenische Mittel verfügt.
Inhalt: Die Tragödie besteht nach Aristoteles aus den sechs qualitativen Elementen Handlung (Mythos), Charakter (Ethe), Sprache (Lexis), Schau (Opsis), Gedanke / Absicht (Diánoia) und Gesang (Melopoiia). Die Handlung besteht aus einer Verknüpfung von Begebenheiten zu einem einheitlichen Ganzen. Innerhalb des Handlungsverlaufs des Dramas muss ein Wendepunkt, die Peripetie, eintreten. Dieser Umschlag vom Glück ins Unglück wird durch das Handeln des Protagonisten erzeugt, der ein tüchtiger, aber fehlbarer Charakter sein sollte und durch seinen Fehler, sei es Unwissenheit oder Hybris, dem Zuschauer ähnelt. Die fehlerhafte Handlungsweise des tragischen Helden zwingt diesen, schweres Leid zu ertragen und führt, oft verbunden mit einem Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis, zur Katastrophe. Die Wirkung der Tragödie auf den Zuschauer gründet sich auf die Erregung der physischen Affekte Jammer (eleos) und Schauder (phobos) mit dem Ziel der Katharsis, die als Erleichterung und Befreiung erlebt werden soll.
Rezeptionsgeschichte: Die Poetik des Aristoteles begründete neben der Schrift Über die Dichtkunst (Ars Poetika, um 18 v. Chr.) von R Horaz (65 v. Chr. – 8 v. Chr.) sowie einige Beispiele antiker griechisch-römischer Dramen das Dramenverständnis der Antike und der Neuzeit. In der Renaissance ergänzten vor allem französische Kommentatoren das vorhandene Wissen zu einem Regelsystem. Aufgrund des aristotelischen Verweises, die Tragödie suche bessere Menschen nachzuahmen, als sie in der Wirklichkeit vorkommen und die Komödie schlechtere, wurde seit dem 16. Jahrhundert die sog. Ständeklausel begründet, nach der die Tragödie hoch gestellte Personen behandelt, die Komödie niedrig gestellte. Die Poetik hatte ihre Blütezeit im europäischen Klassizismus, dem die Kunst und Literatur der Antike zum Leitbild wurde.
In der Hamburgischen Dramaturgie (1769) von Gotthold Ephraim Lessing (1729–81) dient der Vergleich mit der Poetik dem Versuch, dem bürgerlichen Trauerspiel ein theoretisches Fundament zu bereiten. Das Werk enthält Lessings falsche Deutung des Begriffspaars eleos und phobos zur Wirkung der Tragödie, die er mit »Mitleid« und »Furcht« als sittlich-moralische Wirkung im Sinne des philanthropischen Aufklärungsgedankens übersetzt. Das antiaristotelische Drama von Bertolt R Brecht zeugt von dem beträchtlichen

Kurzbeschreibung
Die Tragödie besteht nach Aristoteles aus den sechs qualitativen Elementen Handlung (Mythos), Charakter (Ethe), Sprache (Lexis), Schau (Opsis), Gedanke / Absicht (Diánoia) und Gesang (Melopoiia). Die Handlung besteht aus einer Verknüpfung von Begebenheiten zu einem einheitlichen Ganzen. Innerhalb des Handlungsverlaufs des Dramas muss ein Wendepunkt, die Peripetie, eintreten. Dieser Umschlag vom Glück ins Unglück wird durch das Handeln des Protagonisten erzeugt, der ein tüchtiger, aber fehlbarer Charakter sein sollte und durch seinen Fehler, sei es Unwissenheit oder Hybris, dem Zuschauer ähnelt. Die fehlerhafte Handlungsweise des tragischen Helden zwingt diesen, schweres Leid zu ertragen und führt, oft verbunden mit einem Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis, zur Katastrophe. Die Wirkung der Tragödie auf den Zuschauer gründet sich auf die Erregung der physischen Affekte Jammer (eleos) und Schauder (phobos) mit dem Ziel der Katharsis, die als Erleichterung und Befreiung erlebt werden soll.

eingetragen von: Sylvia Meyer