Affekt und Wahrnehmung

Aus GIB - Glossar der Bildphilosophie
Version vom 11. März 2011, 15:58 Uhr von Ulrike Hanstein (Diskussion | Beiträge) (Darstellung des gr. Zusammenhangs)
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Unterpunkt zu: Bildwahrnehmung


Darstellung des gr. Zusammenhangs

In der philosophischen Affektdiskussion wird Bildwerken neben Rhetorik, Musik und Dichtung (bzw. Theater) ein wichtiger Platz zugewiesen. Seit der griechischen Antike bezieht sich das Nachdenken über Affekte mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen auf die Gegenstände der Darstellung, die Struktur des Werks und die sinnlich-affektauslösende Wirkungskraft ästhetischer Formen. Im Zentrum der Diskussion stehen die menschliche Affektnatur und die Möglichkeiten einer ästhetischen Transformation starker Regungen mittels künstlerischer Repräsentationen. Kunstwerken wird zugesprochen durch ihre würdige Form der Affektdarstellung und ¬¬-auslösung dem Individuum eine Anleitung zum Umgang mit starken, unvernünftigen Regungen zu geben. Als affektregulierend werden in der Nachfolge von Aristoteles’ Poetik die Erlebnisqualitäten eines Kunstwerks verstanden, das starke Affektregungen ermöglicht, zu ihrer Mäßigung anleitet und somit den Einzelnen zu vernunftgemäßem tugendhaften Handeln hinführt [. Vgl. auch die maßgebliche Deutung der aristotelischen Katharsis von Jacob Bernay: Grundzüge der verlorenen Abhandlung des Aristoteles über Wirkung der Tragödie. [1858], hg. von Karlfried Gründer, Hildesheim/New York 1970.