Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon': Unterschied zwischen den Versionen

Aus GIB - Glossar der Bildphilosophie
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‘''Typos''’ (τύπος) leitet sich von den Verben für Schlagen und Prägen ab, und die dort impli&shy;zierte Dialek&shy;tik von Erstem und Zweitem, Bewir&shy;kendem und Bewirk&shy;tem findet sich in der Spannwei&shy;te der Bedeu&shy;tung auf vielfa&shy;che Weise wieder.<ref>Vgl. zum Fol&shy;gen&shy;den <bib id='Strenge 1998a'>Stren&shy;ge 1998a</bib>: S. 1587.</ref> Auf der konkre&shy;ten Ebe&shy;ne, im handwerk&shy;lich-&#8203;künstle&shy;rischen Bereich, bedeu&shy;tet ‘typos’ sowohl ›prägen&shy;de Form‹ (Hohl&shy;form, Skizze) als auch ›Gepräg&shy;tes‹ (Relief, Statue, Gravur) und ›Abdruck‹ (etwa eines Siegel&shy;rings oder Münz&shy;stempels).<ref>Nimmt man diesen Ur&shy;sprung ernst, ent&shy;spricht ''typos'' in der semio&shy;tischen Zeichen&shy;Differenzierung vor allem, aber nicht aus&shy;schließlich, dem [[Symbol, Index, Ikon|Index]].</ref> Teilwei&shy;se ge&shy;lockert oder sogar gelöst wird der Bezug zur Drei&shy;dimen&shy;siona&shy;lität bei den tenden&shy;ziell abstrak&shy;teren Bedeu&shy;tungen wie ›Umriss‹, ›Gestalt‹, ›Form‹ und ›Art‹. Die genann&shy;te Dialek&shy;tik ist auch inso&shy;fern deutlich erkenn&shy;bar, als ‘typos’ in nachklas&shy;sischer Zeit, dabei oft zu ‘arche&shy;typos’ (ἀρχέ&shy;τυπος) oder ‘proto&shy;typos’ (πρωτό-&#8203;τυπος) verein&shy;deutigt, sowohl ein Wort für das Muster oder Vorbild als auch ein Wort für das Abbild, dann oft ‘ekty&shy;pos’ (ἔκτυ&shy;πος), ist. Im Lauf der Zeit kann sich ‘typos’ sehr weit von der handgreif&shy;lichen und -werkli&shy;chen Wurzel entfer&shy;nen und wird beispiels&shy;weise in ethi&shy;schen, erkennt&shy;nisthe&shy;oreti&shy;schen, meta&shy;physi&shy;schen und theolo&shy;gischen Zusam&shy;menhän&shy;gen verwen&shy;det. Ein ''Typos'' ist ein mora&shy;lisches Vorbild; Platon und Aris&shy;tote&shy;les verglei&shy;chen die erin&shy;nerte Wahrneh&shy;mung mit dem Abdruck (also ''typos'') im Wachs; der Neupla&shy;tonis&shy;mus Philons von Ale&shy;xandri&shy;en begreift die sinnli&shy;che Welt als ''typos'', Abbild eines Urbil&shy;des (nämlich der intel&shy;ligib&shy;len Welt); und auch der Adam des «Alten Testa&shy;ments» gilt in einer an Paulus anschlie&shy;ßenden Bibel&shy;herme&shy;neutik als ''typos'', und zwar weil er das Neue Testa&shy;ment und insbe&shy;sonde&shy;re das Kommen Christi ankün&shy;digen soll. Dass der Bezug auf das Prägen keines&shy;wegs verschwin&shy;den muss, lässt sich noch anhand einer jünge&shy;ren Bedeu&shy;tungsnu&shy;ance bele&shy;gen; für das 16. Jh. handelt es sich bei dem – mittler&shy;weile lati&shy;nisier&shy;ten – ''typus'' u.a. um ein relief&shy;arti&shy;ges Bild in einer Gipswand (vgl. <bib id='Schlenstedt & George 2005a'></bib>: S. 191f.). Noch in der heuti&shy;gen Alltags- und Fachspra&shy;che lassen sich viele Ablei&shy;tungen von ‘typos’ nachwei&shy;sen. Sie finden sich beispiels&shy;weise im Voka&shy;bular, das sich im Anschluss an die (Druck-)&#8203;Typen von Buchdruck und Schreibma&shy;schine ent&shy;wickelt hat (‘[[Typographie|Typo&shy;graphie]]’, ‘type&shy;writer’ usw.), oder in der Semi&shy;otik, die nach Peirce zwischen der Form&#8203; (»type«)&#8203; und ihrer Instan&shy;tiie&shy;rung&#8203; (»token«)&#8203; unter&shy;scheidet und damit die oben ange&shy;sproche&shy;ne Dialek&shy;tik aber&shy;mals vari&shy;iert (vgl. <bib id='Peirce 1906a'></bib>: S. 423f.).
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‘''Typos''’ (τύπος) leitet sich von den Verben für Schlagen und Prägen ab, und die dort impli&shy;zierte Dialek&shy;tik von Erstem und Zweitem, Bewir&shy;kendem und Bewirk&shy;tem findet sich in der Spannwei&shy;te der Bedeu&shy;tung auf vielfa&shy;che Weise wieder.<ref>Vgl. zum Fol&shy;gen&shy;den <bib id='Strenge 1998a'>Stren&shy;ge 1998a</bib>: S. 1587.</ref> Auf der konkre&shy;ten Ebe&shy;ne, im handwerk&shy;lich-&#8203;künstle&shy;rischen Bereich, bedeu&shy;tet ‘typos’ sowohl ›prägen&shy;de Form‹ (Hohl&shy;form, Skizze) als auch ›Gepräg&shy;tes‹ (Relief, Statue, Gravur) und ›Abdruck‹ (etwa eines Siegel&shy;rings oder Münz&shy;stempels).<ref>Nimmt man diesen Ur&shy;sprung ernst, ent&shy;spricht ''typos'' in der semio&shy;tischen Zeichen&shy;differenzierung vor allem (aber nicht aus&shy;schließlich) dem [[Symbol, Index, Ikon|Index]].</ref> Teilwei&shy;se ge&shy;lockert oder sogar gelöst wird der Bezug zur Drei&shy;dimen&shy;siona&shy;lität bei den tenden&shy;ziell abstrak&shy;teren Bedeu&shy;tungen wie ›Umriss‹, ›Gestalt‹, ›Form‹ und ›Art‹. Die genann&shy;te Dialek&shy;tik ist auch inso&shy;fern deutlich erkenn&shy;bar, als ‘typos’ in nachklas&shy;sischer Zeit, dabei oft zu ‘arche&shy;typos’ (ἀρχέ&shy;τυπος) oder ‘proto&shy;typos’ (πρωτό-&#8203;τυπος) verein&shy;deutigt, sowohl ein Wort für das Muster oder Vorbild als auch ein Wort für das Abbild, dann oft ‘ekty&shy;pos’ (ἔκτυ&shy;πος), ist. Im Lauf der Zeit kann sich ‘typos’ sehr weit von der handgreif&shy;lichen und -werkli&shy;chen Wurzel entfer&shy;nen und wird beispiels&shy;weise in ethi&shy;schen, erkennt&shy;nisthe&shy;oreti&shy;schen, meta&shy;physi&shy;schen und theolo&shy;gischen Zusam&shy;menhän&shy;gen verwen&shy;det. Ein ''Typos'' ist ein mora&shy;lisches Vorbild; Platon und Aris&shy;tote&shy;les verglei&shy;chen die erin&shy;nerte Wahrneh&shy;mung mit dem Abdruck (also ''typos'') im Wachs; der Neupla&shy;tonis&shy;mus Philons von Ale&shy;xandri&shy;en begreift die sinnli&shy;che Welt als ''typos'', Abbild eines Urbil&shy;des (nämlich der intel&shy;ligib&shy;len Welt); und auch der Adam des «Alten Testa&shy;ments» gilt in einer an Paulus anschlie&shy;ßenden Bibel&shy;herme&shy;neutik als ''typos'', und zwar weil er das Neue Testa&shy;ment und insbe&shy;sonde&shy;re das Kommen Christi ankün&shy;digen soll. Dass der Bezug auf das Prägen keines&shy;wegs verschwin&shy;den muss, lässt sich noch anhand einer jünge&shy;ren Bedeu&shy;tungsnu&shy;ance bele&shy;gen; für das 16. Jh. handelt es sich bei dem – mittler&shy;weile lati&shy;nisier&shy;ten – ''typus'' u.a. um ein relief&shy;arti&shy;ges Bild in einer Gipswand (vgl. <bib id='Schlenstedt & George 2005a'></bib>: S. 191f.). Noch in der heuti&shy;gen Alltags- und Fachspra&shy;che lassen sich viele Ablei&shy;tungen von ‘typos’ nachwei&shy;sen. Sie finden sich beispiels&shy;weise im Voka&shy;bular, das sich im Anschluss an die (Druck-)&#8203;Typen von Buchdruck und Schreibma&shy;schine ent&shy;wickelt hat (‘[[Typographie|Typo&shy;graphie]]’, ‘type&shy;writer’ usw.), oder in der Semi&shy;otik, die nach Peirce zwischen der Form&#8203; (»type«)&#8203; und ihrer Instan&shy;tiie&shy;rung&#8203; (»token«)&#8203; unter&shy;scheidet und damit die oben ange&shy;sproche&shy;ne Dialek&shy;tik aber&shy;mals vari&shy;iert (vgl. <bib id='Peirce 1906a'></bib>: S. 423f.).
  
 
==‘Eikon’==
 
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‘''Eikon''’ (εἰκών) ist der vielsei&shy;tigste und am weites&shy;ten verbrei&shy;tete Bildaus&shy;druck des Griechi&shy;schen. Zurück&shy;führen lässt er sich auf eine sprachli&shy;che Wurzel, die ›zutref&shy;fen‹, ›gleich&shy;kommen‹ und ›sich gehö&shy;ren‹ bedeu&shy;tet (vgl. hier und im Fol&shy;gen&shy;den <bib id='Willms 1935a'></bib>: S. 1f.). Aufgrund dieser Herkunft zeichnen sich die Verwen&shy;dungswei&shy;sen von ‘eikon’ bei allem Facet&shy;tenreich&shy;tum dadurch aus, dass sie einen Hinweis auf Abbild&shy;lichkeit mit sich führen; in der Regel ist ''eikon'' ein Abge&shy;leite&shy;tes, ein Zweites, das auf ein Erstes verweist. Das trifft sowohl auf ''eikon physei'' (εἰκών φύσει) zu, das [["natürliche" Bilder|natürli&shy;che Bild]] wie der Schatten und das Spiegel&shy;bild, wie auch auf ''eikon techné'' (εἰκών τέχνη), das künstli&shy;che Bild, das von Bildhau&shy;er, Maler oder Hand&shy;wer&shy;ker herge&shy;stellt wird. Eine Präzi&shy;sierung erfährt ‘eikon’ (als künstli&shy;ches Bild) in der Philo&shy;sophie Platons, die nicht allein die Über&shy;einstim&shy;mung des ''eikon'' mit dem von ihm abge&shy;bilde&shy;ten Ori&shy;ginal betont, sondern auch die wesent&shy;liche Diffe&shy;renz zu ihm. Ein ''Eikon'' wird niemals mit dem von ihm abge&shy;bilde&shy;ten Ori&shy;ginal völlig über&shy;einstim&shy;men, so dass es auch niemals zu einem zweiten Exem&shy;plar der Gattung des Ori&shy;ginals werden kann: Ein ''Eikon'' der Person Kraty&shy;los ist nicht ein zweiter Kraty&shy;los (vgl. dazu Platon: «Kraty&shy;los» 432b-d).  
 
‘''Eikon''’ (εἰκών) ist der vielsei&shy;tigste und am weites&shy;ten verbrei&shy;tete Bildaus&shy;druck des Griechi&shy;schen. Zurück&shy;führen lässt er sich auf eine sprachli&shy;che Wurzel, die ›zutref&shy;fen‹, ›gleich&shy;kommen‹ und ›sich gehö&shy;ren‹ bedeu&shy;tet (vgl. hier und im Fol&shy;gen&shy;den <bib id='Willms 1935a'></bib>: S. 1f.). Aufgrund dieser Herkunft zeichnen sich die Verwen&shy;dungswei&shy;sen von ‘eikon’ bei allem Facet&shy;tenreich&shy;tum dadurch aus, dass sie einen Hinweis auf Abbild&shy;lichkeit mit sich führen; in der Regel ist ''eikon'' ein Abge&shy;leite&shy;tes, ein Zweites, das auf ein Erstes verweist. Das trifft sowohl auf ''eikon physei'' (εἰκών φύσει) zu, das [["natürliche" Bilder|natürli&shy;che Bild]] wie der Schatten und das Spiegel&shy;bild, wie auch auf ''eikon techné'' (εἰκών τέχνη), das künstli&shy;che Bild, das von Bildhau&shy;er, Maler oder Hand&shy;wer&shy;ker herge&shy;stellt wird. Eine Präzi&shy;sierung erfährt ‘eikon’ (als künstli&shy;ches Bild) in der Philo&shy;sophie Platons, die nicht allein die Über&shy;einstim&shy;mung des ''eikon'' mit dem von ihm abge&shy;bilde&shy;ten Ori&shy;ginal betont, sondern auch die wesent&shy;liche Diffe&shy;renz zu ihm. Ein ''Eikon'' wird niemals mit dem von ihm abge&shy;bilde&shy;ten Ori&shy;ginal völlig über&shy;einstim&shy;men, so dass es auch niemals zu einem zweiten Exem&shy;plar der Gattung des Ori&shy;ginals werden kann: Ein ''Eikon'' der Person Kraty&shy;los ist nicht ein zweiter Kraty&shy;los (vgl. dazu Platon: «Kraty&shy;los» 432b-d).  
 
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Die Herkunft des Ausdrucks macht sich noch in zwei weite&shy;ren Hinsich&shy;ten bemerk&shy;bar. Einer&shy;seits harmo&shy;niert ‘eikon’ gut mit jenen zeitge&shy;nössi&shy;schen Theorien und Auffas&shy;sungen, die Kunst in erster Linie als Mime&shy;sis, als Nachah&shy;mung, begrei&shy;fen; und ande&shy;rerseits wird ‘eikon’ nicht nur im handwerk&shy;lichen Kontext, sondern auch bei über&shy;trage&shy;ner Bedeu&shy;tung oft mit ‘''para&shy;deigma''’ (παρά&shy;δειγμα) in Bezie&shy;hung gesetzt, also einem Modell oder Muster, an dem es sich orien&shy;tiert. Außer ›künstli&shy;ches‹ und ›natür&shy;liches Bild‹ kann ‘eikon’ im psycho&shy;logi&shy;schen oder erkennt&shy;nisthe&shy;ore&shy;tischen Kontext ›Vorstel&shy;lungsbild‹ bedeu&shy;ten, in alltäg&shy;lichen Vollzü&shy;gen ›Sohn des Vaters‹ meinen oder in der (anti&shy;ken) Meta&shy;physik das Verhält&shy;nis der sinnli&shy;chen Welt zur geisti&shy;gen beschrei&shy;ben. Dement&shy;sprechend wird ‘eikon’ im christlich-&#8203;reli&shy;giösen Kontext dann auch verwen&shy;det, um wie in der «Septua&shy;ginta» die Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit des Menschen (nach Gen 1,26f.) auszu&shy;drücken.<ref>Die Be&shy;deu&shy;tung von ‘ei&shy;kon’ be&shy;ginnt seit dem spä&shy;te&shy;ren Pla&shy;to&shy;nis&shy;mus in&shy;so&shy;fern zu schil&shy;lern, als zwar der Hin&shy;weis auf die Ab&shy;bild&shy;lich&shy;keit ge&shy;wahrt bleibt, aber ‘ei&shy;kon’ nun auch selbst als ein Ers&shy;tes und vor&shy;her&shy;ge&shy;hen&shy;des Mus&shy;ter ver&shy;stan&shy;den und da&shy;her sy&shy;no&shy;nym mit ‘pa&shy;ra&shy;deig&shy;ma’ ge&shy;braucht wer&shy;den kann. Ei&shy;ne Pa&shy;ral&shy;le&shy;le da&shy;zu fin&shy;det sich spä&shy;ter im deut&shy;schen ‘Ur&shy;bild’; vgl. <bib id='Asmuth 1994a'>As&shy;muth 1994a</bib>: S. 12.</ref> ‘Eikon’ wird in der Folge&shy;zeit nicht nur zu ‘icon’ lati&shy;nisiert, sondern findet sich auch in einer Fülle von Lehnwör&shy;tern in ande&shy;ren Sprachen wieder – wie beispiels&shy;weise im deutschen [[Ikone|‘Iko&shy;ne’]], mit dem das Kult- und Andachts&shy;bild bezeich&shy;net wird, oder in den Bezeich&shy;nungen für kunstwis&shy;senschaft&shy;liche Verfah&shy;ren wie [[Ikonografie, Ikonologie, Ikonik|‘Iko&shy;nogra&shy;fie’, ‘Iko&shy;nolo&shy;gie’ und ‘Iko&shy;nik’]]. Auch findet es Eingang in die semio&shy;tische Zeichen&shy;typo&shy;logie, in der das [[Symbol, Index, Ikon|Ikon]] als der Zeichen&shy;typ gilt, der über Ähnlich&shy;keit mit dem Bezeich&shy;neten defi&shy;niert wird.
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Die Herkunft des Ausdrucks macht sich noch in zwei weite&shy;ren Hinsich&shy;ten bemerk&shy;bar. Einer&shy;seits harmo&shy;niert ‘eikon’ gut mit jenen zeitge&shy;nössi&shy;schen Theorien und Auffas&shy;sungen, die Kunst in erster Linie als Mime&shy;sis, als Nachah&shy;mung, begrei&shy;fen; und ande&shy;rerseits wird ‘eikon’ nicht nur im handwerk&shy;lichen Kontext, sondern auch bei über&shy;trage&shy;ner Bedeu&shy;tung oft mit ‘''para&shy;deigma''’ (παρά&shy;δειγμα) in Bezie&shy;hung gesetzt, also einem Modell oder Muster, an dem es sich orien&shy;tiert. Außer ›künstli&shy;ches‹ und ›natür&shy;liches Bild‹ kann ‘eikon’ im psycho&shy;logi&shy;schen oder erkennt&shy;nisthe&shy;ore&shy;tischen Kontext ›Vorstel&shy;lungsbild‹ bedeu&shy;ten, in alltäg&shy;lichen Vollzü&shy;gen ›Sohn des Vaters‹ meinen oder in der (anti&shy;ken) Meta&shy;physik das Verhält&shy;nis der sinnli&shy;chen Welt zur geisti&shy;gen beschrei&shy;ben. Dement&shy;sprechend wird ‘eikon’ im christlich-&#8203;reli&shy;giösen Kontext dann auch verwen&shy;det, um wie in der «Septua&shy;ginta» die Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit des Menschen (nach Gen 1,26f.) auszu&shy;drücken.<ref>Die Be&shy;deu&shy;tung von ‘ei&shy;kon’ be&shy;ginnt seit dem spä&shy;te&shy;ren Pla&shy;to&shy;nis&shy;mus in&shy;so&shy;fern zu schil&shy;lern, als zwar der Hin&shy;weis auf die Ab&shy;bild&shy;lich&shy;keit ge&shy;wahrt bleibt, aber ‘ei&shy;kon’ nun auch selbst als ein Ers&shy;tes und vor&shy;her&shy;ge&shy;hen&shy;des Mus&shy;ter ver&shy;stan&shy;den und da&shy;her sy&shy;no&shy;nym mit ‘pa&shy;ra&shy;deig&shy;ma’ ge&shy;braucht wer&shy;den kann. Ei&shy;ne Pa&shy;ral&shy;le&shy;le da&shy;zu fin&shy;det sich spä&shy;ter im deut&shy;schen ‘Ur&shy;bild’; vgl. <bib id='Asmuth 1994a'>As&shy;muth 1994a</bib>: S. 12.</ref> ‘Eikon’ wird in der Folge&shy;zeit nicht nur zu ‘icon’ lati&shy;nisiert, sondern findet sich auch in einer Fülle von Lehnwör&shy;tern in ande&shy;ren Sprachen wieder – wie beispiels&shy;weise im deutschen [[Ikone|‘Iko&shy;ne’]], mit dem das Kult- und Andachts&shy;bild bezeich&shy;net wird, oder in den Bezeich&shy;nungen für kunstwis&shy;senschaft&shy;liche Verfah&shy;ren wie [[Ikonografie, Ikonologie, Ikonik|‘Iko&shy;nogra&shy;fie’, ‘Iko&shy;nolo&shy;gie’ und ‘Iko&shy;nik’]]. Auch findet es Eingang in die semio&shy;tische Zeichen&shy;differenzierung, in der das [[Symbol, Index, Ikon|Ikon]] als das Zeichen gilt, das über Ähnlich&shy;keit mit dem Bezeich&shy;neten defi&shy;niert wird.
  
 
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Aktuelle Version vom 7. Juli 2015, 13:03 Uhr

Unterpunkt zu: Bildtermini anderer Sprachen


Das Altgriechische hält eine große Band­breite von Möglich­keiten bereit, über Bilder zu reden. Ohne einen direk­ten Bildaus­druck zu verwen­den, ist es im Rahmen der älte­ren, magi­schen Bild­auffas­sung möglich, mit dem Namen der im Götter­bild mani­festier­ten Gottheit auch das Götter­bild selbst anzu­sprechen; im Rahmen dieses so genann­ten Eigen­namen-​Typus kann ‘Aphro­dite’ die Göttin und ineins damit auch ihre Statue bezeich­nen (vgl. [Daut 1975a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 14). Die Bildaus­drücke des Griechi­schen wiede­rum sind teils noch als Lehnwör­ter in den heuti­gen Sprachen präsent. Sie bieten ein Bedeu­tungsspek­trum, das von der Bezeich­nung einer einzel­nen Bildart bis hin zur Bezeich­nung einer Rela­tion im allge­meinen Sinne reichen kann.

Vor der ausführlicheren Auseinander­setzung mit den einschlä­gigen Aus­drücken seien eini­ge der nicht ganz so wichti­gen wenig­stens erwähnt. Der erste hier zu nennen­de Ausdruck bezeich­net eine bestimm­te Bildart. Unter ‘pinax’ (πίναξ), eigent­lich dem Ausdruck für ›Brett‹, versteht man eine (bemal­te) Tafel aus Holz, Ton oder Metall. Von ihm leitet sich die Bezeich­nung ‘Pina­kothek’ für Gemäl­dega­lerien oder -museen ab. Einen allge­meine­ren Charak­ter besitzt hinge­gen ‘homoi­oma’ (ὁμοί­ωμα), das auf dem griechi­schen Ausdruck für ›gleich‹ und ›ähnlich‹ beruht. Ebenfalls ›Bild‹ und ›Abbild‹ im allge­meinen Sinne bedeu­tet ‘mime­ma’ (μίμη­μα), das sich von ‘mime­sis’ (μίμη­σις), dem Wort für das (ursprüng­lich vor allem schauspie­leri­sche) Nachah­men ablei­tet.[1] Ein Sonder­fall ver­dankt sich dem grie­chischen Wort für ›Maler‹, näm­lich ‘zoog­raphos’ (ζω­γράφος), das wört­lich den­jenigen bezeichnet, der Lebe­wesen malt; daher kann der Aus­druck für ›Lebe­wesen‹, also ‘zoon’ (ζῷον), auch für ›gemaltes Lebe­wesen‹ oder ›Ge­mälde‹ stehen.


‘Agalma’

Der Ausdruck ‘Agalma’ (ἄγαλμα) leitet sich vom Verb für ›preisen‹ und ›verherr­lichen‹ ab. Unter diesem Ausdruck ist zunächst der kostba­re Schmuck oder die kostba­re Votiv­gabe für die Götter verstan­den worden; dann aber wird es in Konkur­renz zum Eigen­namen-​Typus zu der (vom Namen der Gottheit unab­hängi­gen) Bezeich­nung für das plasti­sche Götter­bild selbst (vgl. [Bloesch 1943a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 15, 24ff.). In dieser Bezeich­nung liegt bereits eine Proble­mati­sierung der magi­schen Bildauf­fassung, Arte­fakt und Gottheit begin­nen gewis­serma­ßen ausein­ander­zutre­ten. Anstel­le der magi­schen Bildauf­fassung, für die der Bildre­ferent im Bild anwe­send ist, bricht sich hier eine reprä­senta­tiona­listi­sche Auffas­sung Bahn, für die das Bild auf seinen Refe­renten verweist.[2] Ganz in diesem Sinne kriti­siert Hera­klit, bei dem sich erstmals die neue Verwen­dung des Ausdrucks findet, auch seine Zeitge­nossen:

Und sie beten auch zu den Götter­bildern [ἄγαλ­μασι] da, wie wenn einer mit Gebäu­den eine Unter­haltung pflegen wollte“ (zit. nach [Diels & Kranz 1968a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : Bd. 1, S. 151).

In der Gegenwart findet der Ausdruck Verwen­dung, um eine Spielart des Feti­schismus zu bezeich­nen; unter ‘Agal­mato­philie’ versteht man das sexu­elle Inte­resse an Statu­en (und auch Puppen), die nackte Perso­nen darstel­len (vgl. [Bossi 2012a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. ).

‘Phantasma’

Wie ‘phantasia’ (φαντασία) (vgl. auch ⊳ Einbil­dungskraft) leitet sich ‘phanta­sma’ (φάντα­σμα) vom griechi­schen Verb für ›sich zeigen‹, ›erschei­nen‹ ab. Zu den Hauptbe­deutun­gen von ‘phanta­sma’ zählen ›Erschei­nung‹, ›Gespenst‹, ›(Trug-)​Bild‹ und ›Vorstel­lung​(sbild)‹.[3] Platon vergleicht die Tätig­keit der phanta­sia, der das phanta­sma erzeu­genden Instanz, mit der Tätig­keit eines inne­ren Malers, der Bilder in die Seele malt («Phile­bos» 39b), und Aris­tote­les mit der eines Mnemo­techni­kers, der sich Bilder vor das inne­re Auge stellt («De Ani­ma» 427b). Die Rede vom phanta­sma ist nicht immer, aber oft nega­tiv konno­tiert. In der Aris­tote­lischen Erkennt­nisthe­orie wird diese Konno­tation metho­disch gewen­det: phanta­sma, das Vorstel­lungsbild, gilt hier als das, was im Gegen­satz zur Wahrneh­mung falsch sein kann - aber nicht falsch sein muss (vgl. «De Ani­ma» 428a). Nach der Über­nahme ins Latei­nische spielt phanta­sma im Zusam­menhang mit der Lehre von den species in der mittel­alter­lichen Erkennt­nisthe­orie eine Rolle (vgl. ⊳ Latei­nisch: ‘effi­gies’, ‘species’, ‘simu­lacrum’, ‘ima­go’). In der Moder­ne kennen insbe­sonde­re die Psycho­logie und Psycho­ana­lyse das Phanta­sma, und auch die Psycho­ana­lyse bietet eine metho­dische Wendung der nega­tiven Konno­tation: Sie fasst das Phantas­ma nicht als simple (Erin­nerungs-)​Täuschung, sondern betont dessen Schutzfunk­tion (vgl. [Evans 2002a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 228-​231).


‘Eidolon’

Eidolon’ (εἴδωλον) leitet sich als Dimi­nutiv von dem Substan­tiv ‘eidos’ (εἶδος) ab, das ›Ausse­hen‹, ›Gestalt‹ und ›Form meint. Wie die Auflis­tung zentra­ler Bedeu­tungen zeigt, führt es oft, aber nicht immer ein pejo­rati­ves Moment mit sich: ‘Eido­lon’ steht für Bild, Abbild, Gestalt, aber auch für Gespenst, Trug- und Götzen­bild. Das pejo­rati­ve Moment lässt sich bis in die archa­ische Auffas­sung von der Seele als eido­lon zurück­verfol­gen, die etwa Homer als „kraftlo­ses Abbild, Schatten­bild des Leibes“ beschreibt (vgl. [Willms 1935a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 31). Eine neutra­le, wenn nicht sogar posi­tive Rolle kommt ‘eido­lon’ in der Erkennt­nisthe­orie und Wahrneh­mungsleh­re der griechi­schen Ato­misten zu. Sie fassen eido­lon als Häutchen oder Bildchen, das sich von den Dingen löst und damit Spiege­lungen auf glatten Flächen, visu­elle Wahrneh­mung beim Kontakt mit den Augen sowie Träume im Schlafen­den auslö­sen kann (vgl. [Roloff 1972a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 330). Die einfluss­reiche Termi­nolo­gie Platons zeigt, wie ambi­valent der Ausdruck gebraucht werden kann. Platon verwendet ‘eido­lon’ sowohl pejo­rativ, um Gemäl­de (und Dichtun­gen) gegen­über der Reali­tät der Dinge abzu­werten (vgl. «Poli­teia» 601b, 605c), wie auch als neutra­len Ober­begriff, unter den er sowohl das wahrheits­getreue Abbild (eikon) als auch das wahrheits­widri­ge Trugbild (phanta­sma) gleicher­maßen subsu­miert (vgl. «Sophis­tes» 235b-236c). In der Folge­zeit wird ‘eido­lon’ zu ‘ido­la’ lati­nisiert und bleibt bis in die Gegen­wart in Bildun­gen wie ‘Idol’ oder ‘Ido­latrie’ erhal­ten.

‘Typos’

Typos’ (τύπος) leitet sich von den Verben für Schlagen und Prägen ab, und die dort impli­zierte Dialek­tik von Erstem und Zweitem, Bewir­kendem und Bewirk­tem findet sich in der Spannwei­te der Bedeu­tung auf vielfa­che Weise wieder.[4] Auf der konkre­ten Ebe­ne, im handwerk­lich-​künstle­rischen Bereich, bedeu­tet ‘typos’ sowohl ›prägen­de Form‹ (Hohl­form, Skizze) als auch ›Gepräg­tes‹ (Relief, Statue, Gravur) und ›Abdruck‹ (etwa eines Siegel­rings oder Münz­stempels).[5] Teilwei­se ge­lockert oder sogar gelöst wird der Bezug zur Drei­dimen­siona­lität bei den tenden­ziell abstrak­teren Bedeu­tungen wie ›Umriss‹, ›Gestalt‹, ›Form‹ und ›Art‹. Die genann­te Dialek­tik ist auch inso­fern deutlich erkenn­bar, als ‘typos’ in nachklas­sischer Zeit, dabei oft zu ‘arche­typos’ (ἀρχέ­τυπος) oder ‘proto­typos’ (πρωτό-​τυπος) verein­deutigt, sowohl ein Wort für das Muster oder Vorbild als auch ein Wort für das Abbild, dann oft ‘ekty­pos’ (ἔκτυ­πος), ist. Im Lauf der Zeit kann sich ‘typos’ sehr weit von der handgreif­lichen und -werkli­chen Wurzel entfer­nen und wird beispiels­weise in ethi­schen, erkennt­nisthe­oreti­schen, meta­physi­schen und theolo­gischen Zusam­menhän­gen verwen­det. Ein Typos ist ein mora­lisches Vorbild; Platon und Aris­tote­les verglei­chen die erin­nerte Wahrneh­mung mit dem Abdruck (also typos) im Wachs; der Neupla­tonis­mus Philons von Ale­xandri­en begreift die sinnli­che Welt als typos, Abbild eines Urbil­des (nämlich der intel­ligib­len Welt); und auch der Adam des «Alten Testa­ments» gilt in einer an Paulus anschlie­ßenden Bibel­herme­neutik als typos, und zwar weil er das Neue Testa­ment und insbe­sonde­re das Kommen Christi ankün­digen soll. Dass der Bezug auf das Prägen keines­wegs verschwin­den muss, lässt sich noch anhand einer jünge­ren Bedeu­tungsnu­ance bele­gen; für das 16. Jh. handelt es sich bei dem – mittler­weile lati­nisier­ten – typus u.a. um ein relief­arti­ges Bild in einer Gipswand (vgl. [Schlenstedt & George 2005a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 191f.). Noch in der heuti­gen Alltags- und Fachspra­che lassen sich viele Ablei­tungen von ‘typos’ nachwei­sen. Sie finden sich beispiels­weise im Voka­bular, das sich im Anschluss an die (Druck-)​Typen von Buchdruck und Schreibma­schine ent­wickelt hat (‘Typo­graphie’, ‘type­writer’ usw.), oder in der Semi­otik, die nach Peirce zwischen der Form​ (»type«)​ und ihrer Instan­tiie­rung​ (»token«)​ unter­scheidet und damit die oben ange­sproche­ne Dialek­tik aber­mals vari­iert (vgl. [Peirce 1906a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 423f.).

‘Eikon’

Eikon’ (εἰκών) ist der vielsei­tigste und am weites­ten verbrei­tete Bildaus­druck des Griechi­schen. Zurück­führen lässt er sich auf eine sprachli­che Wurzel, die ›zutref­fen‹, ›gleich­kommen‹ und ›sich gehö­ren‹ bedeu­tet (vgl. hier und im Fol­gen­den [Willms 1935a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 1f.). Aufgrund dieser Herkunft zeichnen sich die Verwen­dungswei­sen von ‘eikon’ bei allem Facet­tenreich­tum dadurch aus, dass sie einen Hinweis auf Abbild­lichkeit mit sich führen; in der Regel ist eikon ein Abge­leite­tes, ein Zweites, das auf ein Erstes verweist. Das trifft sowohl auf eikon physei (εἰκών φύσει) zu, das natürli­che Bild wie der Schatten und das Spiegel­bild, wie auch auf eikon techné (εἰκών τέχνη), das künstli­che Bild, das von Bildhau­er, Maler oder Hand­wer­ker herge­stellt wird. Eine Präzi­sierung erfährt ‘eikon’ (als künstli­ches Bild) in der Philo­sophie Platons, die nicht allein die Über­einstim­mung des eikon mit dem von ihm abge­bilde­ten Ori­ginal betont, sondern auch die wesent­liche Diffe­renz zu ihm. Ein Eikon wird niemals mit dem von ihm abge­bilde­ten Ori­ginal völlig über­einstim­men, so dass es auch niemals zu einem zweiten Exem­plar der Gattung des Ori­ginals werden kann: Ein Eikon der Person Kraty­los ist nicht ein zweiter Kraty­los (vgl. dazu Platon: «Kraty­los» 432b-d).

Die Herkunft des Ausdrucks macht sich noch in zwei weite­ren Hinsich­ten bemerk­bar. Einer­seits harmo­niert ‘eikon’ gut mit jenen zeitge­nössi­schen Theorien und Auffas­sungen, die Kunst in erster Linie als Mime­sis, als Nachah­mung, begrei­fen; und ande­rerseits wird ‘eikon’ nicht nur im handwerk­lichen Kontext, sondern auch bei über­trage­ner Bedeu­tung oft mit ‘para­deigma’ (παρά­δειγμα) in Bezie­hung gesetzt, also einem Modell oder Muster, an dem es sich orien­tiert. Außer ›künstli­ches‹ und ›natür­liches Bild‹ kann ‘eikon’ im psycho­logi­schen oder erkennt­nisthe­ore­tischen Kontext ›Vorstel­lungsbild‹ bedeu­ten, in alltäg­lichen Vollzü­gen ›Sohn des Vaters‹ meinen oder in der (anti­ken) Meta­physik das Verhält­nis der sinnli­chen Welt zur geisti­gen beschrei­ben. Dement­sprechend wird ‘eikon’ im christlich-​reli­giösen Kontext dann auch verwen­det, um wie in der «Septua­ginta» die Gottes­eben­bildlich­keit des Menschen (nach Gen 1,26f.) auszu­drücken.[6] ‘Eikon’ wird in der Folge­zeit nicht nur zu ‘icon’ lati­nisiert, sondern findet sich auch in einer Fülle von Lehnwör­tern in ande­ren Sprachen wieder – wie beispiels­weise im deutschen ‘Iko­ne’, mit dem das Kult- und Andachts­bild bezeich­net wird, oder in den Bezeich­nungen für kunstwis­senschaft­liche Verfah­ren wie ‘Iko­nogra­fie’, ‘Iko­nolo­gie’ und ‘Iko­nik’. Auch findet es Eingang in die semio­tische Zeichen­differenzierung, in der das Ikon als das Zeichen gilt, das über Ähnlich­keit mit dem Bezeich­neten defi­niert wird.

Anmerkungen
  1. Vgl. aus­führ­li­cher [Have­lock 1963a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 57-​60.
  2. Für die­se Ge­gen­über­stel­lung von kul­tisch-​ma­gi­scher und re­prä­sen­ta­ti­o­na­lis­ti­scher Auf­fas­sung vgl. [Sachs-​Hom­bach 2003c]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. .
  3. Zur er­kennt­nis­the­o­re­ti­schen De­bat­te da­rü­ber, in­wie­fern es sich bei ‘phan­ta­sma’ um ein men­ta­les Bild oder doch um ei­ne an­de­re Art von Vor­stel­lung han­delt, vgl. [Shep­pard 1991a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. .
  4. Vgl. zum Fol­gen­den [Stren­ge 1998a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 1587.
  5. Nimmt man diesen Ur­sprung ernst, ent­spricht typos in der semio­tischen Zeichen­differenzierung vor allem (aber nicht aus­schließlich) dem Index.
  6. Die Be­deu­tung von ‘ei­kon’ be­ginnt seit dem spä­te­ren Pla­to­nis­mus in­so­fern zu schil­lern, als zwar der Hin­weis auf die Ab­bild­lich­keit ge­wahrt bleibt, aber ‘ei­kon’ nun auch selbst als ein Ers­tes und vor­her­ge­hen­des Mus­ter ver­stan­den und da­her sy­no­nym mit ‘pa­ra­deig­ma’ ge­braucht wer­den kann. Ei­ne Pa­ral­le­le da­zu fin­det sich spä­ter im deut­schen ‘Ur­bild’; vgl. [As­muth 1994a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. : S. 12.
Literatur                             [Sammlung]

[As­muth 1994a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Bloesch 1943a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Bossi 2012a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Daut 1975a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Diels & Kranz 1968a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Evans 2002a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Have­lock 1963a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Peirce 1906a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Roloff 1972a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Sachs-​Hom­bach 2003c]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Schlenstedt & George 2005a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Shep­pard 1991a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Stren­ge 1998a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma. [Willms 1935a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation, Glossarlemma.


Hilfe: Nicht angezeigte Literaturangaben

Ausgabe 1: 2013

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Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch [119], Joerg R.J. Schirra [20] und Klaus Sachs-Hombach [4] — (Hinweis)