Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut'

Aus GIB - Glossar der Bildphilosophie
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Im Hebräischen des «Alten Testaments» finden sich mehr als zehn verschie­dene Aus­drücke für Bilder, und es gibt zwei Kontex­te, in denen sie nachdrück­lich Aufmerk­samkeit bean­sprucht haben, nämlich im Zusam­menhang mit dem Bilder­verbot (⊳ Ido­latrie und Iko­noklas­mus) und mit der Lehre von der Gottes­eben­bildlich­keit des Menschen (vgl. [Dohmen 1985a]Dohmen, Christoph (1985).
Das Bilder­verbot. Seine Entste­hung und seine Entwick­lung im Alten Testa­ment. König­stein/T.: Peter Han­stein.

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: S. 41-63 und [Dohmen 1994a]Dohmen, Christoph (1994).
Bild, Bilder­verehrung, Bilder­verbot, Bilder­streit I – II.
In Lexi­kon für Theolo­gie und Kirche. Bd. 2. Barclay – Damo­dos, 440-443, dritte Auflage.

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).

Für die im Kontext des Bilderverbots verwen­deten Aus­drücke gilt, dass sie auf handwerk­liche Tätig­keiten und die dabei verwen­deten Mate­riali­en zurück­verwei­sen. Sie bezeich­nen (Kult-)Bilder, die in Stein gehau­en, aus Holz geschnitzt, aus Metall gegos­sen oder mit Goldschmie­dearbeit verziert sind. Mit am häufig­sten wird hier der Ausdruck ‘päsäl’ (‘פַּסָּל’) gebraucht, so auch im vierten Gebot: „Du sollst Dir kein Bildnis machen!“ (Ex 20,4). Gegen­über dem heuti­gen Verständ­nis von »Bild« sind dabei vor allem zwei Unter­schiede festzu­halten. Erstens sind die hier gemein­ten Bilder dreidi­mensio­nale Plasti­ken und Skulptu­ren und nicht – woran wir bei ‘Bild’ eher denken würden – flächi­ge Gemäl­de oder Zeichnun­gen. Und zweitens bezeich­nen die betref­fenden Aus­drücke darüber hinaus weder menta­le noch verba­le Bilder.

Etwas komplizierter liegen die Dinge im Umfeld der Lehre von der Gottes­eben­bildlich­keit des Menschen, derzu­folge der Mensch ein Bild ist, das Gott gleicht. Die entschei­denden Aus­drücke ‘säläm’ (‘צֶלֶם’) und ‘demut’ (‘דְּמוּת’), werden in der Über­setzung von Gen 1,26f. in der Regel mit ‘Bild’ und ‘Gleichnis’ (oder auch ‘Ähnlich­keit’) wieder­gege­ben. Was lässt sich über die tatsäch­liche Bedeu­tung dieser beiden Aus­drücke sagen? ‘Säläm’ bezeich­net ein dreidi­mensio­nales Abbild, ‘demut’ hinge­gen Gleich­heit oder Form und Äuße­res, und in der Kombi­nation sind die beiden annä­hernd bedeu­tungsgleich (vgl. [Jervell 1980a]Jervell, Jacob (1980).
Bild Gottes I. Bibli­sche, Frühjü­dische und gnosti­sche Auffas­sungen.
In Theolo­gische Real­enzy­klopä­die. Bd. 6. Bibel – Böhmen und Mähren, 491-498.

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S. 491f). Kontro­vers disku­tiert worden ist deshalb hier nicht nur die Frage, was den Menschen bildhaft mache, sondern auch, ob mit der Verwen­dung der beiden Substan­tive tatsäch­lich Unter­schiedli­ches benannt werden oder schlicht eine stilis­tische Vari­ation gebo­ten werden solle (vgl. [Scholz 2000a]Scholz, Oliver R. (2000).
Bild.
In Ästhe­tische Grundbe­griffe. Histo­risches Wörter­buch in sieben Bänden. Bd. 1, 618-669.

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: S. 634).
Eindeutig ist jedoch der Befund, der sich aus dem Abgleich der beiden Kontex­te ergibt: Im Kontext von Gottes­eben­bildlich­keit einer­seits und Bilder­verbot ande­rerseits werden im Hebrä­ischen je verschie­dene Aus­drücke verwen­det, und von einem Kontext wird nicht direkt auf den ande­ren verwie­sen (vgl. [Dohmen 1985a]Dohmen, Christoph (1985).
Das Bilder­verbot. Seine Entste­hung und seine Entwick­lung im Alten Testa­ment. König­stein/T.: Peter Han­stein.

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: S. 281f.). Der Gedan­ke an eine Konkur­renz zwischen Gott und Menschen drängt sich daher beim ursprüng­lichen Text und seinem Voka­bular nicht (oder zumin­dest nicht stark) auf; hinge­gen liegt mit einer nivel­lieren­den Über­setzung der hebrä­ischen Aus­drücke – beispiels­weise durch das griechi­sche [[‘eikon’ oder das deutsche ‘Bild’ – oder auch im Ara­bischen die Speku­lation schon weitaus näher, dass der Mensch, der Bilder produ­ziert, Gott ein Präro­gativ streitig machen könnte.[1]
Anmerkungen
  1. Mit Nach­druck be­schwo­ren hat die­se zwei­fel­haf­te Kon­kur­renz in jün­ge­rer Zeit der Kunst­his­to­ri­ker Gott­fried Boehm, und auch die Me­di­o­lo­gie von Ré­gis De­bray stützt sich auf sie (vgl. da­zu [Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994).
    Die Wie­der­kehr der Bilder.
    In Was ist ein Bild?, 11-38.

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    : S. 329f. und [De­bray 1999a]Debray, Régis (1999).
    Für eine Mediologie.
    In Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, 67-75.

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    : S. 71).
Literatur                             [Sammlung]

[Boehm 1994a]: Boehm, Gottfried (1994). Die Wie­der­kehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.): Was ist ein Bild?. München: Fink, S. 11-38.

[De­bray 1999a]: Debray, Régis (1999). Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stutt­gart: Deutsche Verlags­anstalt, S. 67-75. [Dohmen 1985a]: Dohmen, Christoph (1985). Das Bilder­verbot. Seine Entste­hung und seine Entwick­lung im Alten Testa­ment. König­stein/T.: Peter Han­stein. [Dohmen 1994a]: Dohmen, Christoph (1994). Bild, Bilder­verehrung, Bilder­verbot, Bilder­streit I – II. In: Kasper, W. (Hg.): Lexi­kon für Theolo­gie und Kirche. Bd. 2. Barclay – Damo­dos. Frei­burg, Basel, Rom, Wien: Herder, S. 440-443, dritte Auflage. [Jervell 1980a]: Jervell, Jacob (1980). Bild Gottes I. Bibli­sche, Frühjü­dische und gnosti­sche Auffas­sungen. In: Krause, G. & Müller, G. (Hg.): Theolo­gische Real­enzy­klopä­die. Bd. 6. Bibel – Böhmen und Mähren. Berlin: de Gruyter, S. 491-498. [Scholz 2000a]: Scholz, Oliver R. (2000). Bild. In: Barck, K. & Fontius, M. et al. (Hg.): Ästhe­tische Grundbe­griffe. Histo­risches Wörter­buch in sieben Bänden. Bd. 1. Stuttgart, Weimar: J. B. Metzler, S. 618-669.


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Ausgabe 1: 2013

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra [18], Dimitri Liebsch [9] und Franziska Kurz [2] — (Hinweis)