Massenmedien: Unterschied zwischen den Versionen

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(Massenmedien und der iconic turn)
(Massenmedien und Gesellschaft)
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=====Massenmedien und Gesellschaft=====
 
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Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)
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Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.<ref><bib id='Eco 1984a'></bib></ref> Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert.<ref><bib id='Anders 1986a'></bib></ref><ref><bib id='Baudrillard 1978a'></bib></ref>
  
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.
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Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.
  
 
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====
 
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Version vom 15. Januar 2012, 19:52 Uhr


Unterpunkt zu: Medientheorien: Übersicht


Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.

Massenmedien und der iconic turn

Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin technische Medien bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen – Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur[1]). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien (Fotografie seit 1820, Telegraphie seit 1830, Film seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.

Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben[2]. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden[3]. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.

Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen[4]. Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.

Massenmedien und Gesellschaft

Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.[5] Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert.[6][7]

Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.

Genealogie der Massenmedienforschung

Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)

Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.

John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.


Anmerkungen
  1. [Flusser 2003a]Flusser, Vilém (2003).
    Kommunikologie. Frankfurt/Main: Fischer.

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  2. [Gamper 2007a]Literaturangabe fehlt.
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    - Glossarlemma.
  3. [Canetti 2011a]Literaturangabe fehlt.
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    - Beitrag in Sammelband,
    - Sammelband,
    - andere Publikation,
    - Glossarlemma.
  4. [Sprenger 2010a]Sprenger, Florian (2010).
    Zu einer platonistischen Rekurrenzfigur der Medienkritik.
    In Sinne - Technik - Inszenierung, 53-67.

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  5. [Eco 1984a]Literaturangabe fehlt.
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    - Glossarlemma.
  6. [Anders 1986a]Literaturangabe fehlt.
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    - Buch,
    - Artikel in Zeitschrift,
    - Beitrag in Sammelband,
    - Sammelband,
    - andere Publikation,
    - Glossarlemma.
  7. [Baudrillard 1978a]Baudrillard, Jean (1978).
    Agonie des Realen. Berlin: Merve.

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Literatur                             [Sammlung]

[Anders 1986a]:
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- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
[Baudrillard 1978a]: Baudrillard, Jean (1978). Agonie des Realen. Berlin: Merve.

[Canetti 2011a]:
Literaturangabe fehlt.
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- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
[Eco 1984a]:
Literaturangabe fehlt.
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- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
[Flusser 2003a]: Flusser, Vilém (2003). Kommunikologie. Frankfurt/Main: Fischer. [Gamper 2007a]:
Literaturangabe fehlt.
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- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
[Sprenger 2010a]: Sprenger, Florian (2010). Zu einer platonistischen Rekurrenzfigur der Medienkritik. In: Gruber, Klemens; Meister, Monika; Stern, Frank (Hg.): Sinne - Technik - Inszenierung. Wien: Böhlau, S. 53-67.


Hilfe: Nicht angezeigte Literaturangaben

Verantwortlich:

Benutzer:Florian Sprenger

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch [49], Florian Sprenger [27] und Joerg R.J. Schirra [14] — (Hinweis)