Notation: Unterschied zwischen den Versionen

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==Notation und die primäre Funktion einer Parti&shy;tur==
  
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Die Theorie der Notation wurde von Nelson Goodman (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: Kap. 4) im Zusam&shy;menhang mit der Frage nach den [[Identität|Iden&shy;titäts&shy;krite&shy;rien]] für Kunstwer&shy;ke ent&shy;wickelt. Eine Nota&shy;tion ist ein [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;system]], das ein [[Pragmatik, Semantik, Syntax|syntak&shy;tisches oder seman&shy;tisches]] Krite&shy;rium dafür ermög&shy;licht, welche Gegen&shy;stände oder Ereig&shy;nisse Einzel&shy;fälle eines bestimm&shy;ten Werks sind. Ein solches Krite&shy;rium ist dann notwen&shy;dig, wenn Werke mehre&shy;re Einzel&shy;fälle zulas&shy;sen, deren Iden&shy;tität nicht durch ihre Entste&shy;hungsge&shy;schichte bestimmt ist. Da dies in para&shy;digma&shy;tischer Weise in der Musik der Fall ist, führe ich den Begriff der Nota&shy;tion für die Musik ein, ehe ich mich kurz der Lite&shy;ratur und ausführ&shy;licher den bilden&shy;den Künsten zuwen&shy;de. Die resul&shy;tieren&shy;den Iden&shy;titäts&shy;krite&shy;rien sollen auch für Musik, Texte und Bilder ohne Kunstwerk&shy;status gelten, auch wenn wir hier in der Regel nicht von Werken sprechen.
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
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Ein musikalisches Werk kann mehrmals aufge&shy;führt werden; und ob eine Auffüh&shy;rung ein Einzel&shy;fall des Werks ist, hängt nicht davon ab, wer sie wann wo aufge&shy;führt hat. Zudem können sich verschie&shy;dene Auffüh&shy;rungen eines Werks beträcht&shy;lich unter&shy;scheiden. Die Parti&shy;tur legt fest, in welchen Hinsich&shy;ten sie über&shy;einstim&shy;men müssen. Genau dieje&shy;nigen Auffüh&shy;rungen, die diesel&shy;be Parti&shy;tur erfül&shy;len, sind Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Werks. Die Parti&shy;tur liefert damit ein seman&shy;tisches Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität. Ihre primä&shy;re Funktion besteht nach Goodman (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 128f.) in der defi&shy;niti&shy;ven Iden&shy;tifi&shy;kation eines Werks von Auffüh&shy;rung zu Auffüh&shy;rung.<ref>Na&shy;tür&shy;lich er&shy;füllt nicht al&shy;les, was wir ‘Par&shy;ti&shy;tur’ nen&shy;nen, die&shy;se Funk&shy;ti&shy;on; zu&shy;dem ha&shy;ben Par&shy;ti&shy;tu&shy;ren wei&shy;te&shy;re Funk&shy;ti&shy;o&shy;nen wie das Trans&shy;po&shy;nie&shy;ren, das Ver&shy;ste&shy;hen und das Kom&shy;po&shy;nie&shy;ren zu er&shy;leich&shy;tern. </ref> Dafür muss sie aber nicht nur die Klasse der Auffüh&shy;rungen des Werks eindeu&shy;tig festle&shy;gen; sie muss als Klasse von Inskrip&shy;tionen auch selbst durch eine Auffüh&shy;rung eindeu&shy;tig festge&shy;legt werden, wenn das Nota&shy;tionssys&shy;tem gege&shy;ben ist. Nur so bleiben die Werk- und die Par&shy;titur&shy;iden&shy;tität in jeder Folge von Schritten erhal&shy;ten, von denen jeder entwe&shy;der von einer Auffüh&shy;rung zu einer Parti&shy;turin&shy;skripti&shy;on oder von dieser zu einer Auffüh&shy;rung oder zu einer weite&shy;ren Inskrip&shy;tion der Parti&shy;tur führt.  
  
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
 
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
 
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
 
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
 
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
 
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
 
  
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==Notation im formalen Sinn und im sub&shy;stantiel&shy;len Sinn==
  
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Eine Partitur kann ihre primäre Funktion nur erfül&shy;len, wenn das Zeichen&shy;system, in dem sie verfasst ist, bestimm&shy;ten syntak&shy;tischen und seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen genügt (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 130–154; <bib id='Elgin 1983a'>Elgin 1983</bib>: S. 97–104; <bib id='Elgin 1992a'>Elgin 1992</bib>). Eine Nota&shy;tion muss syntak&shy;tisch disjunkt und diffe&shy;renziert sein, da eine Parti&shy;tur ein Werk nur dann von Auffüh&shy;rung zu Auffüh&shy;rung iden&shy;tifi&shy;zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid&shy;bar ist, ob verschie&shy;dene Inskrip&shy;tionen solche dersel&shy;ben Parti&shy;tur sind. Ein Zeichen&shy;system besteht aus einem Zeichen&shy;schema, das mit einem Bereich korre&shy;liert ist. Das Zeichen&shy;schema, das Charak&shy;tere und ihre Marken enthält, ist ''syntak&shy;tisch disjunkt'', wenn keine Marke zu mehr als einem Charak&shy;ter gehört. Die syntak&shy;tische Disjunk&shy;theit stellt sicher, dass alle Marken, die zum selben Charak&shy;ter gehö&shy;ren, ohne syntak&shy;tische Auswir&shy;kungen durchein&shy;ander ersetz&shy;bar sind. Ein Zeichen&shy;schema ist ''syntak&shy;tisch diffe&shy;renziert'', wenn es für jede seiner Marken möglich ist festzu&shy;legen, zu welchem Charak&shy;ter des Schemas sie gehört. Die syntak&shy;tische Diffe&shy;renziert&shy;heit stellt sicher, dass wir entschei&shy;den können, ob zwei Marken zum selben Charak&shy;ter gehö&shy;ren. Ein Zeichen&shy;schema ist dage&shy;gen ''[[syntaktische Dichte|syntak&shy;tisch dicht]]'', wenn es unend&shy;lich viele Charak&shy;tere vorsieht, die so geord&shy;net sind, dass zwischen jeweils zweien immer ein dritter liegt. Die syntak&shy;tische Dichte verun&shy;möglicht es, den Charak&shy;ter zu iden&shy;tifi&shy;zieren, zu dem eine Marke gehört, weil es immer konkur&shy;rieren&shy;de Kandi&shy;daten und keine Grundla&shy;ge gibt, um zwischen ihnen zu entschei&shy;den.
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Ein Charakter ist ''mehrdeu&shy;tig'', wenn eine seiner Inskrip&shy;tionen mehr als eine Erfül&shy;lungsklas&shy;se hat oder nicht alle seiner Inskrip&shy;tionen diesel&shy;be Erfül&shy;lungsklas&shy;se haben. Wäre eine Parti&shy;tur mehrdeu&shy;tig, würde sie von Auffüh&shy;rungen unter&shy;schiedli&shy;cher Werke erfüllt. Damit die Parti&shy;tur ihre primä&shy;re Funktion erfül&shy;len kann, muss die Nota&shy;tion frei von Mehrdeu&shy;tigkeit sein. Das stellt sicher, dass zwei Auffüh&shy;rungen, die diesel&shy;be Parti&shy;tur erfül&shy;len, Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Werks sind. Eine Nota&shy;tion muss zudem seman&shy;tisch disjunkt und diffe&shy;renziert sein, da eine Parti&shy;tur ein Werk nur dann von Auffüh&shy;rung zu Auffüh&shy;rung iden&shy;tifi&shy;zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid&shy;bar ist, ob verschie&shy;dene Auffüh&shy;rungen diesel&shy;be Parti&shy;tur erfül&shy;len und damit Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Werks sind. Ein Zeichen&shy;system ist ''seman&shy;tisch disjunkt'', wenn sich seine Erfül&shy;lungsklas&shy;sen nicht über&shy;schneiden. Die seman&shy;tische Disjunkt&shy;heit stellt sicher, dass keine Auffüh&shy;rung nicht-ko&shy;exten&shy;sive Parti&shy;turen erfüllt und ein Einzel&shy;fall von mehr als einem Werk ist. Aber sie schließt nicht aus, dass eine Auffüh&shy;rung verschie&shy;dene ko&shy;exten&shy;sive Parti&shy;turen erfüllt und das System also redun&shy;dant ist. Redun&shy;danzen gefähr&shy;den zwar nicht die Werk-, aber die Par&shy;titur&shy;iden&shy;tität, da nicht alle Parti&shy;turen eines Werks Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Charak&shy;ters sind. Sie können ausge&shy;schlossen werden, wenn man für die seman&shy;tische Disjunk&shy;tivi&shy;tät fordert, dass keine zwei Charak&shy;tere einen Erfül&shy;lungsge&shy;genstand gemein&shy;sam haben. Die Erfül&shy;lungsklas&shy;sen eines Zeichen&shy;systems sind ''seman&shy;tisch diffe&shy;renziert'', wenn es für jeden Charak&shy;ter des Systems möglich ist festzu&shy;legen, welche Gegen&shy;stände ihn erfül&shy;len. Die seman&shy;tische Diffe&shy;renziert&shy;heit stellt sicher, dass wir für jede Auffüh&shy;rung entschei&shy;den können, welche Parti&shy;tur sie erfüllt. Ein Zeichen&shy;system ist ''seman&shy;tisch dicht'', wenn die Erfül&shy;lungsklas&shy;sen so geord&shy;net sind, dass zwischen jeweils zweien eine dritte liegt. Wären Parti&shy;turen Charak&shy;tere in dichten Syste&shy;men, wäre es unmög&shy;lich, die Parti&shy;tur einer Auffüh&shy;rung zu iden&shy;tifi&shy;zieren, weil es immer konkur&shy;rieren&shy;de Kandi&shy;daten und keine Grundla&shy;ge gäbe, um zwischen ihnen zu entschei&shy;den.
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Ein Zeichenschema, das die syntak&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen erfüllt, ist ein Nota&shy;tionssche&shy;ma ''im forma&shy;len Sinn''; ein Nota&shy;tionssys&shy;tem im forma&shy;len Sinn erfüllt auch die seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen und ist also syntak&shy;tisch und seman&shy;tisch disjunkt und diffe&shy;renziert sowie frei von Mehrdeu&shy;tigkeit.<ref> Ei&shy;ne prak&shy;ti&shy;kab&shy;le No&shy;ta&shy;ti&shy;on hat zu&shy;dem tech&shy;ni&shy;sche An&shy;for&shy;de&shy;run&shy;gen zu er&shy;fül&shy;len, die nichts mit der pri&shy;mä&shy;ren theo&shy;re&shy;ti&shy;schen Funk&shy;ti&shy;on zu tun ha&shy;ben, wie über&shy;schau&shy;bar klei&shy;ne oder end&shy;li&shy;che Men&shy;ge ato&shy;ma&shy;rer Cha&shy;rak&shy;te&shy;re, Deut&shy;lich&shy;keit, Les&shy;bar&shy;keit, Dau&shy;er&shy;haf&shy;tig&shy;keit, Hand&shy;hab&shy;bar&shy;keit, gra&shy;phi&shy;sche Ein&shy;gän&shy;gig&shy;keit, mne&shy;mo&shy;tech&shy;ni&shy;sche Ef&shy;fi&shy;zienz und be&shy;que&shy;me Du&shy;pli&shy;zier&shy;bar&shy;keit (<bib id='Goodman 1968a'>Good&shy;man 1968</bib>: S. 154).</ref> Eine Nota&shy;tion ''im substan&shy;tiellen Sinn'' ist ein Nota&shy;tionssys&shy;tem im forma&shy;len Sinn, das ein Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität liefert, welches zwei Bedin&shy;gungen erfüllt. Es muss erstens die Iden&shy;tität von Werken unab&shy;hängig von ihrer Entste&shy;hungsge&shy;schichte festle&shy;gen und zweitens hinrei&shy;chend mit unse&shy;rer beste&shy;henden Praxis der Iden&shy;tifi&shy;kation von Werken über&shy;einstim&shy;men (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 195f.). Die unqua&shy;lifi&shy;zierten Aus&shy;drücke ‘Nota&shy;tion’ und ‘Nota&shy;tionssys&shy;tem’ verwen&shy;de ich im Folgen&shy;den für Nota&shy;tionen im substan&shy;tiellen Sinn.
  
  
=====Engere Begriffsbestimmung=====
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==Musik, Literatur, bilden&shy;de Künste==
  
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Goodman und Elgin argumentieren dafür, dass eine Parti&shy;tur in der musi&shy;kali&shy;schen Standard&shy;nota&shy;tion als Charak&shy;ter in einem Nota&shy;tionssys&shy;tem zu rekon&shy;struieren ist (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 117f. & 179–187). Die Standard&shy;nota&shy;tion erfüllt die syntak&shy;tischen und seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen, wenn man von Redun&shy;danzen absieht, Instru&shy;mentspe&shy;zifi&shy;katio&shy;nen als Teil der Nota&shy;tion und sprachli&shy;che Ergän&shy;zungen wie Tempo&shy;anga&shy;ben als bloße Empfeh&shy;lungen dafür inter&shy;pretiert, wie ein Werk aufzu&shy;führen ist. Sie ermög&shy;licht ein seman&shy;tisches Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität und ein syntak&shy;tisches Krite&shy;rium der Par&shy;titur&shy;iden&shy;tität: Eine Auffüh&shy;rung ist genau dann ein Einzel&shy;fall eines bestimm&shy;ten Werks, wenn sie die Parti&shy;tur des Werks erfüllt; und zwei Inskrip&shy;tionen sind genau dann solche dersel&shy;ben Parti&shy;tur, wenn sie gleich buchsta&shy;biert, d.h. aus densel&shy;ben Ele&shy;menten in dersel&shy;ben Anord&shy;nung zusam&shy;menge&shy;setzt sind. Das Krite&shy;rium der Parti&shy;turer&shy;füllung legt die Iden&shy;tität eines musi&shy;kali&shy;schen Werks unab&shy;hängig von seiner Entste&shy;hungsge&shy;schichte fest. Nach Goodman stimmt es zudem hinrei&shy;chend mit unse&shy;rer Praxis der Iden&shy;tifi&shy;kation von Werken über&shy;ein, die in Standard&shy;nota&shy;tion kodi&shy;fiziert sind. Dage&shy;gen wurde erstens einge&shy;wendet, dass nach ihm eine Auffüh&shy;rung mit einer einzi&shy;gen falschen Note kein Einzel&shy;fall des fragli&shy;chen Werks ist, was unse&shy;rer beste&shy;henden Klassi&shy;fika&shy;tionspra&shy;xis wider&shy;spreche (vgl. <bib id='Hernadi 1991a'>Herna&shy;di 1991</bib>; für eine Antwort vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 186f.; <bib id='Elgin 1983a'>Elgin 1983</bib>: S. 110). Zweitens wurde moniert, der Vorschlag über&shy;sehe die histo&shy;risch und kontex&shy;tuell gebun&shy;dene Natur musi&shy;kali&shy;scher Werke (vgl. <bib id='Wollheim 1978a'>Wollheim 1978</bib>; <bib id='Levinson 1990a'>Levin&shy;son 1990a</bib>; <bib id='Predelli 1999a'>Predel&shy;li 1999</bib>). Nach diesem grund&shy;sätzli&shy;cheren Einwand stimmt das Krite&shy;rium gerade deshalb nicht mit unse&shy;rer Klassi&shy;fika&shy;tionspra&shy;xis über&shy;ein, weil es die Iden&shy;tität eines musi&shy;kali&shy;schen Werks unab&shy;hängig von seiner Entste&shy;hungsge&shy;schichte festlegt.
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Ein Text ist ein Charakter in einem Nota&shy;tionssche&shy;ma, nicht aber in einem Nota&shy;tionssys&shy;tem. Verba&shy;le Sprachen erfül&shy;len die syntak&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen an eine Nota&shy;tion: Jede Inskrip&shy;tion gehört zu höchstens einem Charak&shy;ter und es ist im Prinzip auch entscheid&shy;bar, zu welchem Charak&shy;ter. Aber sie verlet&shy;zen die seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen: Sie enthal&shy;ten mehrdeu&shy;tige Aus&shy;drücke, ihre Erfül&shy;lungsklas&shy;sen stehen in Inklu&shy;sions- und Über&shy;lappungs&shy;bezie&shy;hungen und sind zudem seman&shy;tisch dicht. Damit ist ein syntak&shy;tisches Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität verfüg&shy;bar: Eine Inskrip&shy;tion ist genau dann ein Einzel&shy;fall eines Texts, wenn sie gleich buchsta&shy;biert ist wie ein echter Einzel&shy;fall des Texts (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 115f.; 207–210). Es legt die Iden&shy;tität eines Texts unab&shy;hängig von seiner Entste&shy;hungsge&shy;schichte fest. Dass es auch hinrei&shy;chend mit unse&shy;rer Klassi&shy;fika&shy;tionspra&shy;xis über&shy;einstimmt, wurde wiede&shy;rum mit dem Hinweis bestrit&shy;ten, dass nach ihm eine Kopie eines Textes, die nur einen Druck- oder Schreibfeh&shy;ler enthält, kein Einzel&shy;fall des Textes ist. Zudem wurde auch gegen diesen Vorschlag einge&shy;wendet, dass er die Gebun&shy;denheit insbe&shy;sonde&shy;re lite&shy;rari&shy;scher Werke an einen histo&shy;rischen [[Kontext]] und einen Autor über&shy;sehe (vgl. <bib id='Davies 1991a'>Davies 1991</bib>; <bib id='Steinbrenner 1996a'>Steinbren&shy;ner 1996</bib>: S. 90–118).
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Die Skizze eines Malers kann wie die Parti&shy;tur eines Kompo&shy;nisten als Arbeits&shy;anlei&shy;tung gebraucht werden, hat aber einen ganz ande&shy;ren Status. Sie ist weder ein Charak&shy;ter in einem Nota&shy;tionssys&shy;tem noch ein Charak&shy;ter in einem Nota&shy;tionssche&shy;ma, da das bildli&shy;che Zeichen&shy;system, zu dem sie gehört, weder die seman&shy;tischen noch die syntak&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen erfüllt. Die seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen verletzt es, weil es mehrdeu&shy;tige Bilder enthält, seine Erfül&shy;lungsklas&shy;sen sich in vielfa&shy;cher Weise über&shy;schneiden und über&shy;lappen und zudem dicht sind. Die syntak&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen verletzt es, weil seine Marken aufgrund ihrer vielen piktu&shy;ralen Eigen&shy;schaften Inskrip&shy;tionen mehre&shy;rer Charak&shy;tere sein können und weil seine Charak&shy;tere bezüg&shy;lich manchen Hinsich&shy;ten (wie der Größe, der Gestalt, der Posi&shy;tion, sowie mehre&shy;rer farbli&shy;cher Aspek&shy;te) dicht sind (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 225–228; <bib id='Scholz 2004a'>Scholz 2004</bib>: Kap. 4).<ref> Nach James Elkins sind schema&shy;tische Bilder wie [[Karte|Karten]], Pläne und genea&shy;logische Bäume annä&shy;hernd nota&shy;tional (vgl. <bib id='Elkins 1999a'>Elkins 1999</bib>: Kap. 5, 6 & 13). Aber obwohl Elkins an Goodman anschließt, entspricht seine Verwen&shy;dung von ‘nota&shy;tional’ eher Goodmans Verwen&shy;dung von ‘diagram&shy;matisch’. [[Diagramm|Diagram&shy;me]] unter&shy;scheiden sich nach Goodman von Bildern im eigent&shy;lichen Sinn dadurch, dass rela&shy;tiv weni&shy;ge ihrer Merkma&shy;le konsti&shy;tutiv dafür sind, zu welchem Charak&shy;ter sie gehö&shy;ren (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 228–230).</ref> Die Skizze liefert damit kein Krite&shy;rium für die Werk&shy;iden&shy;tität; sie ist vielmehr selbst ein Werk.
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Dass Bilder als Zeichen in syntak&shy;tisch und seman&shy;tisch dichten und nicht-&#8203;disjunk&shy;ten Syste&shy;men funktio&shy;nieren, schließt an sich die Möglich&shy;keit einer Nota&shy;tion nicht aus.<ref>Mit ge&shy;wis&shy;sen Ein&shy;schrän&shy;kun&shy;gen kön&shy;nen et&shy;wa die di&shy;gi&shy;ta&shy;len Spei&shy;cher&shy;for&shy;ma&shy;te für Bil&shy;der (ge&shy;nau&shy;er: Bild&shy;trä&shy;ger), wie sie für die [[Bildverarbeitung, digitale|in&shy;for&shy;ma&shy;ti&shy;sche Bild&shy;ver&shy;ar&shy;bei&shy;tung]] oder [[Computergraphik|Com&shy;pu&shy;ter&shy;gra&shy;phik]] ein&shy;ge&shy;setzt wer&shy;den, als sol&shy;che No&shy;ta&shy;ti&shy;o&shy;nen be&shy;trach&shy;tet wer&shy;den.</ref> Auch musi&shy;kali&shy;sche Auffüh&shy;rungen funktio&shy;nieren als expres&shy;sive Zeichen in syntak&shy;tisch und seman&shy;tisch dichten und nicht-disjunk&shy;ten Syste&shy;men; dennoch lassen sie eine Nota&shy;tion zu. Die Frage nach der Möglich&shy;keit einer Nota&shy;tion für eine Kunst muss von der Frage unter&shy;schieden werden, welche syntak&shy;tischen und seman&shy;tischen Eigen&shy;schaften die Syste&shy;me haben, in denen ihre Werke als Zeichen funktio&shy;nieren. Das wird oft über&shy;sehen, weil Goodmans Nota&shy;tionsthe&shy;orie zugleich ein Instru&shy;menta&shy;rium für eine verglei&shy;chende Unter&shy;suchung verschie&shy;dener Zeichen&shy;syste&shy;me liefert.<ref> No&shy;ta&shy;ti&shy;ons&shy;sys&shy;te&shy;me die&shy;nen da&shy;bei als Ver&shy;gleichs- und nicht als Wert&shy;maß&shy;stab, dem sich al&shy;le Zei&shy;chen&shy;sys&shy;te&shy;me an&shy;nä&shy;hern soll&shy;ten. Dass bild&shy;li&shy;che Zei&shy;chen&shy;sys&shy;te&shy;me al&shy;le syn&shy;tak&shy;ti&shy;schen und se&shy;man&shy;ti&shy;schen An&shy;for&shy;de&shy;run&shy;gen an ei&shy;ne No&shy;ta&shy;ti&shy;on ver&shy;let&shy;zen, im&shy;pli&shy;ziert des&shy;halb kei&shy;ne Wer&shy;tung (<bib id='Scholz 2004a'>Scholz 2004</bib>: S. 124, Fn. 50).</ref> Die erste Frage steht im Kontext der Frage nach dem Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität, die zweite im Kontext der Frage, wie die Werke als Zeichen funktio&shy;nieren.
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Ein bibliotheksartiges Dezimalsystem, das jedem Bild nach Maler, Entste&shy;hungszeit und -ort eine Ziffer zuord&shy;net und ein System, das Bilder nach ihren Kosten klassi&shy;fiziert, erfül&shy;len die syntak&shy;tischen und seman&shy;tischen Anfor&shy;derun&shy;gen an eine Nota&shy;tion (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 194f.). Das erste dieser Syste&shy;me liefert zudem ein Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität, das hinrei&shy;chend mit unse&shy;rer Klassi&shy;fika&shy;tionspra&shy;xis über&shy;einstimmt, aber es iden&shy;tifi&shy;ziert Bilder nicht unab&shy;hängig von ihrer Entste&shy;hungsge&shy;schichte. Das zweite System liefert zwar ein Krite&shy;rium der Werk&shy;iden&shy;tität, das Bilder unab&shy;hängig von ihrer Entste&shy;hungsge&shy;schichte iden&shy;tifi&shy;ziert, aber es weicht zu stark von unse&shy;rer Klassi&shy;fika&shy;tionspra&shy;xis ab. Wir betrach&shy;ten zwei Bilder mit demsel&shy;ben Preis nicht als Einzel&shy;fälle dessel&shy;ben Werks. Es scheint keine Nota&shy;tion für Bilder zu geben, die ein Iden&shy;titäts&shy;krite&shy;rium liefert, das sowohl hinrei&shy;chend mit unse&shy;rer Klassi&shy;fika&shy;tionspra&shy;xis über&shy;einstimmt als auch unab&shy;hängig von der Entste&shy;hungsge&shy;schichte der Bilder ist. Ana&shy;loges gilt für Werke ande&shy;rer bilden&shy;der Künste (wie z.B. [[Skulptur|Skulptu&shy;ren]]). Etwas kompli&shy;zierter ist die Situ&shy;ation in der Archi&shy;tektur (vgl. <bib id='Baumberger 2010a'>Baumber&shy;ger 2010</bib>: Kap. 6).
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Das Kriterium der Werkiden&shy;tität für bilden&shy;de Künste ist damit weder seman&shy;tischer noch syntak&shy;tischer, sondern histo&shy;rischer Art: Ein Gegen&shy;stand ist genau dann ein bestimm&shy;tes Werk oder ein Einzel&shy;fall eines bestimm&shy;ten Werks, wenn er die ange&shy;messe&shy;ne Entste&shy;hungsge&shy;schichte hat (⊳ [[Authentizität|Authen&shy;tizi&shy;tät]]). Das Krite&shy;rium dafür, dass wir die «Mona Lisa» vor Augen haben, besteht darin, dass das Bild tatsäch&shy;lich von Leonar&shy;do da Vinci zwischen 1503 und 1505 gemalt wurde. Während die [[Malerei|Male&shy;rei]] eine singu&shy;läre Kunst ist, ist die Druckkunst wie die Musik und die Lite&shy;ratur multi&shy;pel. Ihre Werke lassen mehre&shy;re Einzel&shy;fälle zu. Das Krite&shy;rium dafür, dass wir einen Einzel&shy;fall eines bestimm&shy;ten Werks vor Augen haben, besteht darin, dass der Druck von der Platte des Künstlers stammt (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 116–118 & 192–194).
  
  
=====optional Beispiele=====
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==Notation und die Unmöglich&shy;keit der Fäl&shy;schung==
  
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Die Verfügbarkeit einer Notation schließt Fälschun&shy;gen von beste&shy;henden Werken oder Einzel&shy;fälle solcher (im Gegen&shy;satz zu Fälschun&shy;gen von Werken ohne [[Original|Ori&shy;ginal]] und bestimm&shy;ten Einzel&shy;fällen) aus. In den bilden&shy;den Künsten sind solche Fälschun&shy;gen möglich; sie geben fälsch&shy;licher&shy;weise vor, eine Entste&shy;hungsge&shy;schichte zu besit&shy;zen, die für das oder ein Ori&shy;ginal uner&shy;lässlich ist (⊳ [[Replika, Faksimile und Kopie|Repli&shy;ka, Faksi&shy;mile und Kopie]]). In der Musik und der Lite&shy;ratur sind sie ausge&shy;schlossen, da die Nota&shy;tion ein seman&shy;tisches respek&shy;tive syntak&shy;tisches Iden&shy;titäts&shy;krite&shy;rium liefert, das die Werke unab&shy;hängig von ihrer Entste&shy;hungsge&shy;schichte iden&shy;tifi&shy;ziert. Werke, die solche Fälschun&shy;gen zulas&shy;sen, bezeich&shy;net Goodman als ‘auto&shy;graphisch’, Werke, die sie aus&shy;schließen, als ‘allo&shy;graphisch’ (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968</bib>: S. 113–122). Bezieht man die obi&shy;gen Über&shy;legun&shy;gen ein, gilt: Ein Werk ist genau dann auto&shy;graphisch, wenn seine Iden&shy;tität durch seine Entste&shy;hungsge&shy;schichte bestimmt ist; es ist genau dann allo&shy;graphisch, wenn seine Iden&shy;tität syntak&shy;tisch oder seman&shy;tisch bestimmt ist (vgl. <bib id='Goodman & Elgin 1988a'>Goodman & Elgin 1988</bib>: S. 116–118 & 65; für eine kriti&shy;sche Diskus&shy;sion der Unter&shy;scheidung vgl. <bib id='Levinson 1990b'>Levin&shy;son 1990b</bib>; <bib id='Pillow 2003a'>Pillow 2003</bib>). Der Begriff der Nota&shy;tion liegt Goodmans Unter&shy;scheidung zwischen auto&shy;graphi&shy;schen und allo&shy;graphi&shy;schen Werken zugrun&shy;de und ermög&shy;licht eine Erklä&shy;rung, weshalb manche Werke im rele&shy;vanten Sinn gefälscht werden können und ande&shy;re nicht.
  
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* [[Authentizität]]
 
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* [[Bildverarbeitung, digitale]]
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* [[Computergraphik]]
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* [[Original]]
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* [[Pragmatik, Semantik, Syntax]]
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* [[Replika, Faksimile und Kopie]]
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* [[Skulptur]]
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* [[Syntaktische Dichte]]
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* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
  
 
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Aktuelle Version vom 15. Dezember 2019, 18:04 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Notation und die primäre Funktion einer Parti­tur

Die Theorie der Notation wurde von Nelson Goodman ([Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: Kap. 4) im Zusam­menhang mit der Frage nach den Iden­titäts­krite­rien für Kunstwer­ke ent­wickelt. Eine Nota­tion ist ein Zeichen­system, das ein syntak­tisches oder seman­tisches Krite­rium dafür ermög­licht, welche Gegen­stände oder Ereig­nisse Einzel­fälle eines bestimm­ten Werks sind. Ein solches Krite­rium ist dann notwen­dig, wenn Werke mehre­re Einzel­fälle zulas­sen, deren Iden­tität nicht durch ihre Entste­hungsge­schichte bestimmt ist. Da dies in para­digma­tischer Weise in der Musik der Fall ist, führe ich den Begriff der Nota­tion für die Musik ein, ehe ich mich kurz der Lite­ratur und ausführ­licher den bilden­den Künsten zuwen­de. Die resul­tieren­den Iden­titäts­krite­rien sollen auch für Musik, Texte und Bilder ohne Kunstwerk­status gelten, auch wenn wir hier in der Regel nicht von Werken sprechen.
Ein musikalisches Werk kann mehrmals aufge­führt werden; und ob eine Auffüh­rung ein Einzel­fall des Werks ist, hängt nicht davon ab, wer sie wann wo aufge­führt hat. Zudem können sich verschie­dene Auffüh­rungen eines Werks beträcht­lich unter­scheiden. Die Parti­tur legt fest, in welchen Hinsich­ten sie über­einstim­men müssen. Genau dieje­nigen Auffüh­rungen, die diesel­be Parti­tur erfül­len, sind Einzel­fälle dessel­ben Werks. Die Parti­tur liefert damit ein seman­tisches Krite­rium der Werk­iden­tität. Ihre primä­re Funktion besteht nach Goodman ([Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 128f.) in der defi­niti­ven Iden­tifi­kation eines Werks von Auffüh­rung zu Auffüh­rung.[1] Dafür muss sie aber nicht nur die Klasse der Auffüh­rungen des Werks eindeu­tig festle­gen; sie muss als Klasse von Inskrip­tionen auch selbst durch eine Auffüh­rung eindeu­tig festge­legt werden, wenn das Nota­tionssys­tem gege­ben ist. Nur so bleiben die Werk- und die Par­titur­iden­tität in jeder Folge von Schritten erhal­ten, von denen jeder entwe­der von einer Auffüh­rung zu einer Parti­turin­skripti­on oder von dieser zu einer Auffüh­rung oder zu einer weite­ren Inskrip­tion der Parti­tur führt.


Notation im formalen Sinn und im sub­stantiel­len Sinn

Eine Partitur kann ihre primäre Funktion nur erfül­len, wenn das Zeichen­system, in dem sie verfasst ist, bestimm­ten syntak­tischen und seman­tischen Anfor­derun­gen genügt (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
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: S. 130–154; [Elgin 1983]Literaturangabe fehlt.
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: S. 97–104; [Elgin 1992]Literaturangabe fehlt.
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). Eine Nota­tion muss syntak­tisch disjunkt und diffe­renziert sein, da eine Parti­tur ein Werk nur dann von Auffüh­rung zu Auffüh­rung iden­tifi­zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid­bar ist, ob verschie­dene Inskrip­tionen solche dersel­ben Parti­tur sind. Ein Zeichen­system besteht aus einem Zeichen­schema, das mit einem Bereich korre­liert ist. Das Zeichen­schema, das Charak­tere und ihre Marken enthält, ist syntak­tisch disjunkt, wenn keine Marke zu mehr als einem Charak­ter gehört. Die syntak­tische Disjunk­theit stellt sicher, dass alle Marken, die zum selben Charak­ter gehö­ren, ohne syntak­tische Auswir­kungen durchein­ander ersetz­bar sind. Ein Zeichen­schema ist syntak­tisch diffe­renziert, wenn es für jede seiner Marken möglich ist festzu­legen, zu welchem Charak­ter des Schemas sie gehört. Die syntak­tische Diffe­renziert­heit stellt sicher, dass wir entschei­den können, ob zwei Marken zum selben Charak­ter gehö­ren. Ein Zeichen­schema ist dage­gen syntak­tisch dicht, wenn es unend­lich viele Charak­tere vorsieht, die so geord­net sind, dass zwischen jeweils zweien immer ein dritter liegt. Die syntak­tische Dichte verun­möglicht es, den Charak­ter zu iden­tifi­zieren, zu dem eine Marke gehört, weil es immer konkur­rieren­de Kandi­daten und keine Grundla­ge gibt, um zwischen ihnen zu entschei­den.

Ein Charakter ist mehrdeu­tig, wenn eine seiner Inskrip­tionen mehr als eine Erfül­lungsklas­se hat oder nicht alle seiner Inskrip­tionen diesel­be Erfül­lungsklas­se haben. Wäre eine Parti­tur mehrdeu­tig, würde sie von Auffüh­rungen unter­schiedli­cher Werke erfüllt. Damit die Parti­tur ihre primä­re Funktion erfül­len kann, muss die Nota­tion frei von Mehrdeu­tigkeit sein. Das stellt sicher, dass zwei Auffüh­rungen, die diesel­be Parti­tur erfül­len, Einzel­fälle dessel­ben Werks sind. Eine Nota­tion muss zudem seman­tisch disjunkt und diffe­renziert sein, da eine Parti­tur ein Werk nur dann von Auffüh­rung zu Auffüh­rung iden­tifi­zieren kann, wenn es bestimmt und entscheid­bar ist, ob verschie­dene Auffüh­rungen diesel­be Parti­tur erfül­len und damit Einzel­fälle dessel­ben Werks sind. Ein Zeichen­system ist seman­tisch disjunkt, wenn sich seine Erfül­lungsklas­sen nicht über­schneiden. Die seman­tische Disjunkt­heit stellt sicher, dass keine Auffüh­rung nicht-ko­exten­sive Parti­turen erfüllt und ein Einzel­fall von mehr als einem Werk ist. Aber sie schließt nicht aus, dass eine Auffüh­rung verschie­dene ko­exten­sive Parti­turen erfüllt und das System also redun­dant ist. Redun­danzen gefähr­den zwar nicht die Werk-, aber die Par­titur­iden­tität, da nicht alle Parti­turen eines Werks Einzel­fälle dessel­ben Charak­ters sind. Sie können ausge­schlossen werden, wenn man für die seman­tische Disjunk­tivi­tät fordert, dass keine zwei Charak­tere einen Erfül­lungsge­genstand gemein­sam haben. Die Erfül­lungsklas­sen eines Zeichen­systems sind seman­tisch diffe­renziert, wenn es für jeden Charak­ter des Systems möglich ist festzu­legen, welche Gegen­stände ihn erfül­len. Die seman­tische Diffe­renziert­heit stellt sicher, dass wir für jede Auffüh­rung entschei­den können, welche Parti­tur sie erfüllt. Ein Zeichen­system ist seman­tisch dicht, wenn die Erfül­lungsklas­sen so geord­net sind, dass zwischen jeweils zweien eine dritte liegt. Wären Parti­turen Charak­tere in dichten Syste­men, wäre es unmög­lich, die Parti­tur einer Auffüh­rung zu iden­tifi­zieren, weil es immer konkur­rieren­de Kandi­daten und keine Grundla­ge gäbe, um zwischen ihnen zu entschei­den.

Ein Zeichenschema, das die syntak­tischen Anfor­derun­gen erfüllt, ist ein Nota­tionssche­ma im forma­len Sinn; ein Nota­tionssys­tem im forma­len Sinn erfüllt auch die seman­tischen Anfor­derun­gen und ist also syntak­tisch und seman­tisch disjunkt und diffe­renziert sowie frei von Mehrdeu­tigkeit.[2] Eine Nota­tion im substan­tiellen Sinn ist ein Nota­tionssys­tem im forma­len Sinn, das ein Krite­rium der Werk­iden­tität liefert, welches zwei Bedin­gungen erfüllt. Es muss erstens die Iden­tität von Werken unab­hängig von ihrer Entste­hungsge­schichte festle­gen und zweitens hinrei­chend mit unse­rer beste­henden Praxis der Iden­tifi­kation von Werken über­einstim­men (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 195f.). Die unqua­lifi­zierten Aus­drücke ‘Nota­tion’ und ‘Nota­tionssys­tem’ verwen­de ich im Folgen­den für Nota­tionen im substan­tiellen Sinn.


Musik, Literatur, bilden­de Künste

Goodman und Elgin argumentieren dafür, dass eine Parti­tur in der musi­kali­schen Standard­nota­tion als Charak­ter in einem Nota­tionssys­tem zu rekon­struieren ist (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 117f. & 179–187). Die Standard­nota­tion erfüllt die syntak­tischen und seman­tischen Anfor­derun­gen, wenn man von Redun­danzen absieht, Instru­mentspe­zifi­katio­nen als Teil der Nota­tion und sprachli­che Ergän­zungen wie Tempo­anga­ben als bloße Empfeh­lungen dafür inter­pretiert, wie ein Werk aufzu­führen ist. Sie ermög­licht ein seman­tisches Krite­rium der Werk­iden­tität und ein syntak­tisches Krite­rium der Par­titur­iden­tität: Eine Auffüh­rung ist genau dann ein Einzel­fall eines bestimm­ten Werks, wenn sie die Parti­tur des Werks erfüllt; und zwei Inskrip­tionen sind genau dann solche dersel­ben Parti­tur, wenn sie gleich buchsta­biert, d.h. aus densel­ben Ele­menten in dersel­ben Anord­nung zusam­menge­setzt sind. Das Krite­rium der Parti­turer­füllung legt die Iden­tität eines musi­kali­schen Werks unab­hängig von seiner Entste­hungsge­schichte fest. Nach Goodman stimmt es zudem hinrei­chend mit unse­rer Praxis der Iden­tifi­kation von Werken über­ein, die in Standard­nota­tion kodi­fiziert sind. Dage­gen wurde erstens einge­wendet, dass nach ihm eine Auffüh­rung mit einer einzi­gen falschen Note kein Einzel­fall des fragli­chen Werks ist, was unse­rer beste­henden Klassi­fika­tionspra­xis wider­spreche (vgl. [Herna­di 1991]Literaturangabe fehlt.
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; für eine Antwort vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
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: S. 186f.; [Elgin 1983]Literaturangabe fehlt.
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: S. 110). Zweitens wurde moniert, der Vorschlag über­sehe die histo­risch und kontex­tuell gebun­dene Natur musi­kali­scher Werke (vgl. [Wollheim 1978]Literaturangabe fehlt.
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; [Levin­son 1990a]Levinson, Jerrold (1990).
What a Musical Work is.
In Music, Art, and Metaphysics, 63-88.

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; [Predel­li 1999]Literaturangabe fehlt.
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). Nach diesem grund­sätzli­cheren Einwand stimmt das Krite­rium gerade deshalb nicht mit unse­rer Klassi­fika­tionspra­xis über­ein, weil es die Iden­tität eines musi­kali­schen Werks unab­hängig von seiner Entste­hungsge­schichte festlegt.
Ein Text ist ein Charakter in einem Nota­tionssche­ma, nicht aber in einem Nota­tionssys­tem. Verba­le Sprachen erfül­len die syntak­tischen Anfor­derun­gen an eine Nota­tion: Jede Inskrip­tion gehört zu höchstens einem Charak­ter und es ist im Prinzip auch entscheid­bar, zu welchem Charak­ter. Aber sie verlet­zen die seman­tischen Anfor­derun­gen: Sie enthal­ten mehrdeu­tige Aus­drücke, ihre Erfül­lungsklas­sen stehen in Inklu­sions- und Über­lappungs­bezie­hungen und sind zudem seman­tisch dicht. Damit ist ein syntak­tisches Krite­rium der Werk­iden­tität verfüg­bar: Eine Inskrip­tion ist genau dann ein Einzel­fall eines Texts, wenn sie gleich buchsta­biert ist wie ein echter Einzel­fall des Texts (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 115f.; 207–210). Es legt die Iden­tität eines Texts unab­hängig von seiner Entste­hungsge­schichte fest. Dass es auch hinrei­chend mit unse­rer Klassi­fika­tionspra­xis über­einstimmt, wurde wiede­rum mit dem Hinweis bestrit­ten, dass nach ihm eine Kopie eines Textes, die nur einen Druck- oder Schreibfeh­ler enthält, kein Einzel­fall des Textes ist. Zudem wurde auch gegen diesen Vorschlag einge­wendet, dass er die Gebun­denheit insbe­sonde­re lite­rari­scher Werke an einen histo­rischen Kontext und einen Autor über­sehe (vgl. [Davies 1991]Literaturangabe fehlt.
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- andere Publikation,
- Glossarlemma.
; [Steinbren­ner 1996]Steinbrenner, Jakob (1996).
Kognitivismus in der Ästhetik. Würzburg: Königshausen & Neumann.

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: S. 90–118).
Die Skizze eines Malers kann wie die Parti­tur eines Kompo­nisten als Arbeits­anlei­tung gebraucht werden, hat aber einen ganz ande­ren Status. Sie ist weder ein Charak­ter in einem Nota­tionssys­tem noch ein Charak­ter in einem Nota­tionssche­ma, da das bildli­che Zeichen­system, zu dem sie gehört, weder die seman­tischen noch die syntak­tischen Anfor­derun­gen erfüllt. Die seman­tischen Anfor­derun­gen verletzt es, weil es mehrdeu­tige Bilder enthält, seine Erfül­lungsklas­sen sich in vielfa­cher Weise über­schneiden und über­lappen und zudem dicht sind. Die syntak­tischen Anfor­derun­gen verletzt es, weil seine Marken aufgrund ihrer vielen piktu­ralen Eigen­schaften Inskrip­tionen mehre­rer Charak­tere sein können und weil seine Charak­tere bezüg­lich manchen Hinsich­ten (wie der Größe, der Gestalt, der Posi­tion, sowie mehre­rer farbli­cher Aspek­te) dicht sind (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 225–228; [Scholz 2004]Scholz, Oliver R. (2004).
Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Frankfurt a. M.: Klostermann, 2., vollständig überarbeitete Aufl..

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: Kap. 4).[3] Die Skizze liefert damit kein Krite­rium für die Werk­iden­tität; sie ist vielmehr selbst ein Werk.

Dass Bilder als Zeichen in syntak­tisch und seman­tisch dichten und nicht-​disjunk­ten Syste­men funktio­nieren, schließt an sich die Möglich­keit einer Nota­tion nicht aus.[4] Auch musi­kali­sche Auffüh­rungen funktio­nieren als expres­sive Zeichen in syntak­tisch und seman­tisch dichten und nicht-disjunk­ten Syste­men; dennoch lassen sie eine Nota­tion zu. Die Frage nach der Möglich­keit einer Nota­tion für eine Kunst muss von der Frage unter­schieden werden, welche syntak­tischen und seman­tischen Eigen­schaften die Syste­me haben, in denen ihre Werke als Zeichen funktio­nieren. Das wird oft über­sehen, weil Goodmans Nota­tionsthe­orie zugleich ein Instru­menta­rium für eine verglei­chende Unter­suchung verschie­dener Zeichen­syste­me liefert.[5] Die erste Frage steht im Kontext der Frage nach dem Krite­rium der Werk­iden­tität, die zweite im Kontext der Frage, wie die Werke als Zeichen funktio­nieren.

Ein bibliotheksartiges Dezimalsystem, das jedem Bild nach Maler, Entste­hungszeit und -ort eine Ziffer zuord­net und ein System, das Bilder nach ihren Kosten klassi­fiziert, erfül­len die syntak­tischen und seman­tischen Anfor­derun­gen an eine Nota­tion (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
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: S. 194f.). Das erste dieser Syste­me liefert zudem ein Krite­rium der Werk­iden­tität, das hinrei­chend mit unse­rer Klassi­fika­tionspra­xis über­einstimmt, aber es iden­tifi­ziert Bilder nicht unab­hängig von ihrer Entste­hungsge­schichte. Das zweite System liefert zwar ein Krite­rium der Werk­iden­tität, das Bilder unab­hängig von ihrer Entste­hungsge­schichte iden­tifi­ziert, aber es weicht zu stark von unse­rer Klassi­fika­tionspra­xis ab. Wir betrach­ten zwei Bilder mit demsel­ben Preis nicht als Einzel­fälle dessel­ben Werks. Es scheint keine Nota­tion für Bilder zu geben, die ein Iden­titäts­krite­rium liefert, das sowohl hinrei­chend mit unse­rer Klassi­fika­tionspra­xis über­einstimmt als auch unab­hängig von der Entste­hungsge­schichte der Bilder ist. Ana­loges gilt für Werke ande­rer bilden­der Künste (wie z.B. Skulptu­ren). Etwas kompli­zierter ist die Situ­ation in der Archi­tektur (vgl. [Baumber­ger 2010]Literaturangabe fehlt.
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: Kap. 6).
Das Kriterium der Werkiden­tität für bilden­de Künste ist damit weder seman­tischer noch syntak­tischer, sondern histo­rischer Art: Ein Gegen­stand ist genau dann ein bestimm­tes Werk oder ein Einzel­fall eines bestimm­ten Werks, wenn er die ange­messe­ne Entste­hungsge­schichte hat (⊳ Authen­tizi­tät). Das Krite­rium dafür, dass wir die «Mona Lisa» vor Augen haben, besteht darin, dass das Bild tatsäch­lich von Leonar­do da Vinci zwischen 1503 und 1505 gemalt wurde. Während die Male­rei eine singu­läre Kunst ist, ist die Druckkunst wie die Musik und die Lite­ratur multi­pel. Ihre Werke lassen mehre­re Einzel­fälle zu. Das Krite­rium dafür, dass wir einen Einzel­fall eines bestimm­ten Werks vor Augen haben, besteht darin, dass der Druck von der Platte des Künstlers stammt ([Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 116–118 & 192–194).


Notation und die Unmöglich­keit der Fäl­schung

Die Verfügbarkeit einer Notation schließt Fälschun­gen von beste­henden Werken oder Einzel­fälle solcher (im Gegen­satz zu Fälschun­gen von Werken ohne Ori­ginal und bestimm­ten Einzel­fällen) aus. In den bilden­den Künsten sind solche Fälschun­gen möglich; sie geben fälsch­licher­weise vor, eine Entste­hungsge­schichte zu besit­zen, die für das oder ein Ori­ginal uner­lässlich ist (⊳ Repli­ka, Faksi­mile und Kopie). In der Musik und der Lite­ratur sind sie ausge­schlossen, da die Nota­tion ein seman­tisches respek­tive syntak­tisches Iden­titäts­krite­rium liefert, das die Werke unab­hängig von ihrer Entste­hungsge­schichte iden­tifi­ziert. Werke, die solche Fälschun­gen zulas­sen, bezeich­net Goodman als ‘auto­graphisch’, Werke, die sie aus­schließen, als ‘allo­graphisch’ (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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: S. 113–122). Bezieht man die obi­gen Über­legun­gen ein, gilt: Ein Werk ist genau dann auto­graphisch, wenn seine Iden­tität durch seine Entste­hungsge­schichte bestimmt ist; es ist genau dann allo­graphisch, wenn seine Iden­tität syntak­tisch oder seman­tisch bestimmt ist (vgl. [Goodman & Elgin 1988]Literaturangabe fehlt.
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: S. 116–118 & 65; für eine kriti­sche Diskus­sion der Unter­scheidung vgl. [Levin­son 1990b]Levinson, Jerrold (1990).
Autographic and Allographic Art Revisited.
In Music, Art, and Metaphysics, 89-106.

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; [Pillow 2003]Literaturangabe fehlt.
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- Glossarlemma.
). Der Begriff der Nota­tion liegt Goodmans Unter­scheidung zwischen auto­graphi­schen und allo­graphi­schen Werken zugrun­de und ermög­licht eine Erklä­rung, weshalb manche Werke im rele­vanten Sinn gefälscht werden können und ande­re nicht.
Anmerkungen
  1. Na­tür­lich er­füllt nicht al­les, was wir ‘Par­ti­tur’ nen­nen, die­se Funk­ti­on; zu­dem ha­ben Par­ti­tu­ren wei­te­re Funk­ti­o­nen wie das Trans­po­nie­ren, das Ver­ste­hen und das Kom­po­nie­ren zu er­leich­tern.
  2. Ei­ne prak­ti­kab­le No­ta­ti­on hat zu­dem tech­ni­sche An­for­de­run­gen zu er­fül­len, die nichts mit der pri­mä­ren theo­re­ti­schen Funk­ti­on zu tun ha­ben, wie über­schau­bar klei­ne oder end­li­che Men­ge ato­ma­rer Cha­rak­te­re, Deut­lich­keit, Les­bar­keit, Dau­er­haf­tig­keit, Hand­hab­bar­keit, gra­phi­sche Ein­gän­gig­keit, mne­mo­tech­ni­sche Ef­fi­zienz und be­que­me Du­pli­zier­bar­keit ([Good­man 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
    Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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    : S. 154).
  3. Nach James Elkins sind schema­tische Bilder wie Karten, Pläne und genea­logische Bäume annä­hernd nota­tional (vgl. [Elkins 1999]Literaturangabe fehlt.
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    : Kap. 5, 6 & 13). Aber obwohl Elkins an Goodman anschließt, entspricht seine Verwen­dung von ‘nota­tional’ eher Goodmans Verwen­dung von ‘diagram­matisch’. Diagram­me unter­scheiden sich nach Goodman von Bildern im eigent­lichen Sinn dadurch, dass rela­tiv weni­ge ihrer Merkma­le konsti­tutiv dafür sind, zu welchem Charak­ter sie gehö­ren (vgl. [Goodman 1968]Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976).
    Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

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    : S. 228–230).
  4. Mit ge­wis­sen Ein­schrän­kun­gen kön­nen et­wa die di­gi­ta­len Spei­cher­for­ma­te für Bil­der (ge­nau­er: Bild­trä­ger), wie sie für die in­for­ma­ti­sche Bild­ver­ar­bei­tung oder Com­pu­ter­gra­phik ein­ge­setzt wer­den, als sol­che No­ta­ti­o­nen be­trach­tet wer­den.
  5. No­ta­ti­ons­sys­te­me die­nen da­bei als Ver­gleichs- und nicht als Wert­maß­stab, dem sich al­le Zei­chen­sys­te­me an­nä­hern soll­ten. Dass bild­li­che Zei­chen­sys­te­me al­le syn­tak­ti­schen und se­man­ti­schen An­for­de­run­gen an ei­ne No­ta­ti­on ver­let­zen, im­pli­ziert des­halb kei­ne Wer­tung ([Scholz 2004]Scholz, Oliver R. (2004).
    Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Frankfurt a. M.: Klostermann, 2., vollständig überarbeitete Aufl..

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    : S. 124, Fn. 50).
Literatur                             [Sammlung]

[Baumber­ger 2010]:
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[Davies 1991]:
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[Elgin 1983]:
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[Elgin 1992]:
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[Elkins 1999]:
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[Goodman & Elgin 1988]:
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[Goodman 1968]: Goodman, Nelson (1968, 2. rev. Aufl. 1976). Languages of Art. Indianapolis: Hackett, dt.: Sprachen der Kunst. Suhrkamp 1998.

[Herna­di 1991]:
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[Levin­son 1990a]: Levinson, Jerrold (1990). What a Musical Work is. In: Levinson, Jerrold (Hg.): Music, Art, and Metaphysics. Ithaca: Cornell University Press, S. 63-88. [Levin­son 1990b]: Levinson, Jerrold (1990). Autographic and Allographic Art Revisited. In: Levinson, Jerrold (Hg.): Music, Art, and Metaphysics. Ithaca: Cornell University Press, S. 89-106. [Pillow 2003]:
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[Predel­li 1999]:
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[Scholz 2004]: Scholz, Oliver R. (2004). Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Frankfurt a. M.: Klostermann, 2., vollständig überarbeitete Aufl.. [Steinbren­ner 1996]: Steinbrenner, Jakob (1996). Kognitivismus in der Ästhetik. Würzburg: Königshausen & Neumann. [Wollheim 1978]:
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Ausgabe 1: 2013

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra [28], Klaus Sachs-Hombach [10] und Christoph Baumberger [6] — (Hinweis)

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