Symbol, Index, Ikon: Unterschied zwischen den Versionen

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K (Symbolhaftigkeit und Bedeu­tungs­konven­tionen)
K (Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeu­tungsbe­ziehung)
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Ein Beispiel für diesen Zusammenhang kann man in der Diskussion um die [[Perspektive und Projektion|Perspektive]] als einer symbolischen Form<ref>Cassirer bezeichnet mit dem Ausdruck ‘symbolische Form’ „jede Energie des Geistes [...], durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem Zeichen innerlich zugeeignet wird“ (<bib id='Cassirer 2009a'></bib>, S. 67). Der Ausdruck ‘Zeichen’ wird dabei offensichtlich im Sinn von ‘Zeichenträger’ verwendet und ‘Symbol’ (als dritte hier erwähnte Bedeutungsvariante dieses Ausdrucks) analog zu ‘Zeichen<sub><small>''P''</small></sub>’ (s.o.).</ref> “sehen” (vgl. <bib id='Panofsky 1924a'></bib>). Zwar scheinen zentralperspektivische Konstruktionen in einer quasi kausalen Ableitung besonders natürlich wirkende Bildzeichen zu erzeugen. Doch um diese Zeichen geht es nun gar nicht. Vielmehr ist die Konstruktion selbst – als Zeichen für das jene Natürlichkeit allererst begründende [[Sehen]] genommen – nur eine (historisch gewachsene) Möglichkeit unter vielen anderen; eine Möglichkeit, die, da sie ein einäugiges, simultanes Sehen mit starrem Blick unterstellt, trotz aller ikonischer Anteile (d.h. bestehenden Ähnlichkeiten zur Bedeutung dieses Zeichens, dem zweiäugigen, sakkadischen Sehen mit beweglichen Augen) auch stark von tradiert-konventionellen Faktoren abhängt: der Konvention nämlich, dass eben auf genau diese Weise das Sehen darzustellen sei (vgl. <bib id='Cassirer 1930a'></bib>).
 
Ein Beispiel für diesen Zusammenhang kann man in der Diskussion um die [[Perspektive und Projektion|Perspektive]] als einer symbolischen Form<ref>Cassirer bezeichnet mit dem Ausdruck ‘symbolische Form’ „jede Energie des Geistes [...], durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem Zeichen innerlich zugeeignet wird“ (<bib id='Cassirer 2009a'></bib>, S. 67). Der Ausdruck ‘Zeichen’ wird dabei offensichtlich im Sinn von ‘Zeichenträger’ verwendet und ‘Symbol’ (als dritte hier erwähnte Bedeutungsvariante dieses Ausdrucks) analog zu ‘Zeichen<sub><small>''P''</small></sub>’ (s.o.).</ref> “sehen” (vgl. <bib id='Panofsky 1924a'></bib>). Zwar scheinen zentralperspektivische Konstruktionen in einer quasi kausalen Ableitung besonders natürlich wirkende Bildzeichen zu erzeugen. Doch um diese Zeichen geht es nun gar nicht. Vielmehr ist die Konstruktion selbst – als Zeichen für das jene Natürlichkeit allererst begründende [[Sehen]] genommen – nur eine (historisch gewachsene) Möglichkeit unter vielen anderen; eine Möglichkeit, die, da sie ein einäugiges, simultanes Sehen mit starrem Blick unterstellt, trotz aller ikonischer Anteile (d.h. bestehenden Ähnlichkeiten zur Bedeutung dieses Zeichens, dem zweiäugigen, sakkadischen Sehen mit beweglichen Augen) auch stark von tradiert-konventionellen Faktoren abhängt: der Konvention nämlich, dass eben auf genau diese Weise das Sehen darzustellen sei (vgl. <bib id='Cassirer 1930a'></bib>).
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==Zur Anwendung auf Bilder: Ein (kom&shy;ple&shy;xes) Beispiel==
 
==Zur Anwendung auf Bilder: Ein (kom&shy;ple&shy;xes) Beispiel==

Version vom 27. Dezember 2013, 15:57 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Einteilung der Zeichen bei Peirce

Abbildung 1: Kleine Übersicht über die dreifache Basis-Dreiteilung der Peirceschen Zeichenbegriffe

Charles S. Peirce (1839-​1914) gilt als einer der Grün­dungs­väter der moder­nen Zei­chen­theorie. Auf ihn geht auch eine diffe­renzier­te Eintei­lung der Zeichen­arten zu­rück (Abb. 1), von der zu­min­dest ein Teil sehr weite Ver­breitung gefun­den hat. Grob skizziert unter­scheidet Peirce drei zeichen­rele­vante Ebe­nen, die unge­fähr mit der Eintei­lung in Pragma­tik, Seman­tik und Syntax über­einstim­men. In jeder dieser Ebenen setzt er eine weite­re Dreitei­lung an. Syntak­tisch diffe­renziert er Zeichen in​​​ »Sinzei­chen«,​​​ »Le­gi­zeichen«​ und​ »Quali­zei­chen«,​ während​​​ »The­ma«,​ »Rhema«​ und​ »Dicent«​ pragma­tische​ (wirkungs­bezo­gene) Zei­chen­­unter­kate­gori­en bilden.[1]

Es ist vor allem die semantische Ebene, deren Peircesche Dreiteilung unter Semiotikern und Theoretikern benachbarter Disziplinen, wie Sprach­philo­sophie und Kunstgeschichte, machtvoll nachwirkt und nicht zuletzt in seinem Begriff der Ikonizität für die Bildtheorie große Relevanz aufweist.[2]

Semantische Dreiteilung: Eigenheiten der Bedeu­tungsbe­ziehung

Da sie auf die semantische Ebene fokussiert sind, differenzieren die Peirceschen Zeichenkategorien​​​ »Index«,​ »Ikon«​ und​​​ »Symbol«​ die Klasse der Zeichen gemäß dem Charakter der Beziehung, die zwischen dem Zeichenträger und dem damit Bezeichneten besteht (in Abb. 1 als ‘Objektbezug’ charakterisiert). Diese “Objekt”­beziehung gilt als konstitutiv für die Bedeutung, die dem Zeichenträger zugeschrieben wird.[3] Genau genommen handelt es sich bei den drei Kategorien um Idealtypen; in konkreten Fällen wirken die zugehörigen Bedeu­tungsre­latio­nen oft auf komplizierte Weise zusammen (vgl. das ausführliche Beispiel unten).

Ikonizität und Ähnlich­keiten

Der Peircesche Ausdruck ‘Ikon’ (Plural: ‘Ikone’),[4] der seine altgriechische Wurzel (εἰκών, etwa ‘Abbild’) ganz offensichtlich sowohl mit der mittelalterlich-religiösen Ikone als auch mit dem englischen Leihwort ‘Icon’ des Informationszeitalters (dazu ⊳ Bilderschrift und Piktogramm) teilt, mit beidem aber nicht verwechselt werden sollte, bezeichnet solche Zeichen, deren Bedeutungs­beziehung sich einer Ähnlichkeitsrelation zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem verdankt (vgl. [Peirce 1983a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 64). Dies trifft unter anderem auf “natürliche” Bilder (Spiegelbild) wie “normale” abbildende Bilder (Phantomskizze),[5] auf “Foleys” (von einem Geräuschespezialisten für Hörspiel, Film oder Computerspiel erzeugte “Geräuschattrappen”) und synthetische Gerüche (künstliches Erdbeeraroma), sowie im sprachlichen Bereich auf onomatopoetische Wörter (‘Kuckuck’), form-ikonische Ausdrücke (‘T-Träger’) und – in gewisser Weise – auf Metaphern (“Sprachbilder”) zu.

Abbildung 2: Skizze zu verschiedenen Ähnlich­keitskonzep­tionen: (a) “Selbst­ähnlich­keit” als Exempli­fikation (genuines Ikon bei Peirce: ‹Hirsch exempli­fiziert Geweih­förmig­keit›); (b) onto­logischer Ähnlich­keitsbe­griff; (c) episte­mischer Ähnlich­keitsbe­griff; (d) handlungs­theore­tischer Ähnlich­keitsbe­griff

Tatsäch­lich liegen bei Peirce echte (genu­ine) Iko­ne nur dann vor, wenn man eine Eigen­schaft eines (als Zeichen­trä­ger) wahrge­nomme­nen Gegen­stands dazu benutzt, sich (oder einen ande­ren) auf eben diese Eigen­schaft aufmerk­sam zu machen – wenn also, in Good­mans Begriff­lichkeit, eine Ex­em­pli­fi­ka­ti­on vor­liegt.[6] Zei­chen, bei denen wegen geteil­ter Eigen­schaften ein Gegen­stand auf einen ande­ren Gegen­stand verweist, bezeich­net Peirce genau­er als ‘Hypo­iko­ne’ (auch ‘dege­nerier­te Iko­ne’ [Peirce 1998a]Literaturangabe fehlt.
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, §276). Doch hat sich genau diese abge­leite­te Charak­teri­sierung für den in der Semiotik zumeist verwen­deten Begriff​ »Ikon«​ durchge­setzt. Offen bleibt dabei zunächst, welche Konzep­tion eigent­lich von​ »Ähnlich­keit«​ zu verwen­den ist. Geht man von einem “onto­logisch” gefass­ten Ähnlich­keits­begriff aus, so stellt die Ähnlich­keits­bezie­hung eine “an sich” bestehende Rela­tion zwischen zwei Gegen­ständen dar, die nicht von spezi­fischen Wahrneh­mungs- und Er­kenntnis­fähig­keiten eines über Ähnlich­keit Urtei­lenden abhängt. Ein “epis­temisch” gefass­ter Ähnlich­keitsbe­griff würde hinge­gen auf das zurück­greifen, was einem bestimm­ten Betrach­ter[7] als ähnlich erscheint. Nur insofern sich ein Teil der (als objektiv oder subjektiv gefassten) “Eigenschafts­struktur” eines Dings in der Eigenschafts­struktur eines anderen Dings spiegelt, kann dieses als ikonisches Zeichen für jenes verwendet werden – und umgekehrt.[8] Bei einem “behavioristischen” (genauer: handlungstheoretischen) Ähnlichkeitsbegriff verschiebt sich der Fokus darauf, dass ein Beobachter beurteilt, ob ein beobachtetes Wesen in seinem Verhalten Anlass zu der Behauptung gibt, etwas als etwas anderem ähnlich erkannt zu haben.[9] Diese Ansätze tragen dem Sachverhalt Rechnung, dass introspektive Begründungen für Ähnlichkeitszuschreibungen alleine nicht ausreichen, um über Ikonizität intersujektiv Einigkeit zu erreichen (vgl. [Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Literaturangabe fehlt.
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).

Im Prinzip genügt jeweils bereits eine einzige (objektive bzw. subjektive) Eigenschaft, die – neben beliebig vielen differierenden – von den betrachteten Gegenständen geteilt wird, um die Ikonizität einer Zeichenbeziehung zwischen jenen zu gewährleisten. Je größer die Ähnlichkeit, desto stärker ist die Ikonizität, wenn der eine Gegenstand als Zeichen für den anderen betrachtet wird. Probleme ergeben sich hingegen, wenn alle Eigenschaften übereinstimmen: Als im engen Sinne​ »ähnlich«​ werden üblicherweise zwei Gegenstände nur dann betrachtet, wenn es mindestens auch eine Eigenschaft gibt, in der sie sich nicht gleichen.[10]

Indexikalität und raumzeitliche Zu­sammen­hänge

Von einem ‘Index’ (Plural ‘Indizes’) spricht Peirce bei einem Zeichen, dessen Träger aufgrund seines raumzeitlichen und insbesondere kausalen Zusammenhangs mit dem Bezeichneten als Zeichen für letzteres verwendet wird (vgl. [Peirce 1983a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 65): wenn also beispielsweise Rauch das Zeichen für Feuer oder rote Hautflecken das Zeichen für (eine Infektion mit) Masern bilden. Alles was in den entsprechenden Naturwissenschaften von Physik bis Medizin als Auswirkung, Anzeichen oder Symptom für ein Phänomen X gilt, stellt mithin auch einen Peirceschen Index für X dar.[11] Genau genommen verweist ein indexikalisches Zeichen daher weniger auf einen anderen Gegenstand als vielmehr auf die Anwesenheit eines anderen Gegenstands in direkter Nähe zum Zeichenträger. Das unterscheidet Indizes deutlich von den beiden anderen Zeichenarten, die eher dazu verwendet werden, Abwesendes zu bezeichnen.[12] Was genau als »Nähe zum Zeichenträger« zu verstehen ist kann dabei allerdings von verschiedenen Faktoren abhängen. Bei einer Spur etwa kann die zeitliche Koinzidenz mehr oder weniger stark in die Vergangenheit ausgedehnt sein: Der die Spur erzeugende Hase beispielsweise mag längst über alle Berge sein, wenn der Jäger sie als indexikalisches Zeichen für den Hasen (oder genauer seine Anwesenheit) nutzt. Kausalketten können zu einer fast beliebig großen räumlichen Ausdehnung der Nähe-Region beitragen. Wesentlich ist für Indexikalität, dass der Bereich, den der Zeichennutzer als (erweitertes) “Hier und Jetzt” betrachtet, neben dem Zeichenträger stets auch das Bezeichnete enthält, so dass man gewissermaßen auch mit dem Finger darauf deuten könnte.[13]

Zu beachten ist allerdings, dass die Definition der Indexikalität nicht notwendig von einer natürlichen Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ausgeht: Auch das Ortseingangsschild am Rand einer Stadt steht in direkter, wenn auch absichtlich erzeugter raumzeitlicher Beziehung zu dem Bezeichneten (eben dem Rand jener Stadt). Gleiches gilt für das auf dieser Glossarseite links oben gezeigte Logo (das markiert: ›dies ist eine Seite des Glossars der Bildphilosophie‹), die farblichen Markierungen, die in diesem Glossartext anzeigen, an welchen Stellen durch Mausklick eine andere Seite erreicht werden kann, oder auch generell Pfeile und Zeiger. Nicht alle Indizes sind mithin auch Symptome im engen (physikalisch-kausalen) Sinn, oder, wie es dann auch heißt: ‘natürliche Indizes’. Im Gegensatz zu den natürlichen ist die raumzeitliche Beziehung, die zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem vermittelt, bei den künstlichen Indizes mit Absicht erzeugt – Intentionalität ersetzt also in diesen Fällen Kausalität.[14] Gleichwohl besteht die semantische Pointe auch bei dieser Unterklasse darin, dass allein die raumzeitliche Nähe bereits die Bedeutung des Zeichens bei der Verwendung zu induzieren scheint.

Sprachliche Ausdrücke, wie insbesondere ‘hier’ und ‘jetzt’, aber auch ‘ich’, ‘wir’, ‘du’, ‘ihr’ hängen in ihrer jeweiligen Bedeutung ebenfalls stark ab vom Kontext ihrer Verwendung: Die raumzeitliche Beziehung zu Ort und Zeit ihrer Äußerung bestimmt, welcher Ort mit ‘hier’, welche Person mit ‘du’ gemeint ist. Gleiches gilt natürlich auch für ‘içi’ oder ‘here’, für ‘tu’ oder ‘you’ – um nur zwei andere europäische Sprachen als Beispiele zu bemühen. Neben aller Konventionalität, die diese Art von Ausdrücken eigentlich zu Symbolen im Sinne von Peirce werden lässt, bleibt ihnen ein Moment an Indexikalität wesentlich, weshalb man auch von ‘indexikalischen Ausdrücken’ spricht.

Einen weiteren Sonderfall indexikalischer Zeichen stellen Photographien (und die Produkte verwandter technischer Bildgebungsverfahren) dar: Offenkundig beruhen die hier betrachteten Produktionsverfahren für Zeichenträger darauf, dass eine mehr oder weniger lange, aber durchgehende Kette streng kausaler, physikalisch-chemischer Schritte den Zeichenträger automatisch aus dem Bezeichneten (‘Abgebildeten’) ableiten.[15] Obwohl als Bilder eigentlich den ikonischen Zeichen zuzuordnen, schwingt zumindest bei dieser Untermenge auch Indexikalität in ihrem Begriff mit.[16]

Symbolhaftigkeit und Bedeu­tungs­konven­tionen

Ikone gleichen Indizes in einer wichtigen Hinsicht, in der die dritte semantische Zeichenkategorie von Peirce abweicht: Wegen des direkt erkennbaren Zusammenhangs zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem scheint die Bedeutung des Zeichens nicht erst durch einen geeigneten Taufakt etabliert werden zu müssen. Indizes und Ikone funktionieren ohne vorangehende Festlegung einer entsprechenden Bedeutungskonvention. Das gilt für viele der von uns im Alltag verwendeten Zeichengebräuche keineswegs, wie jeder leicht selbst feststellen kann, wenn er eine fremde Sprache erlernen will. Zeichen, deren Bedeutungsbeziehung mithilfe einer Konvention festgelegt werden müssen, nennt Peirce ‘Symbole’ (vgl. [Peirce 1983a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 65ff.).[17]

Abbildung 3: Skizze zum Problem um die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’

Dieser Wortgebrauch differiert deutlich von einer anderen, vor allem im deutschsprachigen Raum verbreiteten (auch von Saussure benutzten) Kon­ven­tion, die dem ‘Zeichen’ das ‘Symbol’ gegenüberstellt, wobei ‘Symbol’ in diesem Sinn häufig synonym zu ‘Sinnbild’ ge­braucht wird.[18] Markiert man die unterschiedlichen Wortgebräuche mit den Indizes ‘D’ (deutsch) und ‘P’ (Peirce), so ergibt sich (Abb. 3):​ »SymboleD«​ sind gerade keine​ »ZeichenD«,​ während​ »SymboleP«​ eine Unterart von​ »Zei­chenP«​ sind; des weiteren entsprechen​ »SymboleP«​ weitgehend​ »Zei­chenD«,​ während​ »SymboleD«​ in etwa den Peirceschen​ »Iko­nen«​ entsprechen, also zwar keine​ »ZeichenD«,​ wohl aber​ »Zei­chenP«​ sind.[19] Es empfiehlt sich daher, – besonders in der bildwissenschaftlichen Dikussion – sehr genau darauf zu achten, in welcher Bedeutung die Ausdrücke ‘Zeichen’ und ‘Symbol’ jeweils verwendet werden.[20]

Eine konventionelle Bedeutungszuschreibung liegt im Übrigen nicht nur dann vor, wenn eine Regel, auf die man sich im Zweifelsfall berufen kann, ausdrücklich festgelegt wird (Taufakt im weiten Sinn). Es kann sich auch um historisch gewachsene Gewohnheiten oder stillschweigende (implizite) Übereinkünfte handeln, wie sie bei den meisten Zeichen der “natürlichen” Sprachen, etwa den Wörtern und Sätzen des Deutschen, vorliegen. Hier existieren keine vorweisbaren Situationen mit entsprechenden bedeutungs­stiftenden Akten, auf die man beim Verdacht einer falschen Verwendungsweise des symbolischen Zeichens verweisen könnte. Zudem wirken in aller Regel die sozialen Mecha­nismen, die zur Bildung der Tradition beitragen haben, immer weiter, weswegen sich die Tradi­tionen konti­nuierlich “unter der Hand” ändern​ (»Sprachwandel«).​ Im Gegensatz zu den tradierten Bedeutungskonventionen können ausdrück­lich verein­barte Zeichen­bedeu­tungen hingegen nur wieder durch weitere ausdrück­liche Verein­barungen der betroffenen Zeichen­nutzer verändert werden.[21]

Obwohl verwandt sollten die Begriffe​ »Konven­tion«​ und​ »Will­kür­lich­keit«​ (auch​ »Arbi­trari­tät«)​ in diesem Zusam­menhang nicht mitein­ander verwech­selt werden: Auch tradierte Konven­tionen sind in der Regel auf die eine oder andere Weise motiviert und nicht rein willkürlich.[22] Und selbst die an sich frei verfügbaren Assoziationsmöglichkeiten werden bei explizit vereinbarten Konventionen aus guten (etwa mnemotechnischen) Gründen kaum je wirklich ausgeschöpft. Historisch bildete zwar die Frage nach der Willkürlichkeit der Bedeutungsbeziehung in Gestalt der phýsei/thései-Debatte in der griechischen Antike den wesentlichen Ausgangspunkt für die sukkzessive Differenzierung möglicher Objektrelationen bis hin zu Peirce (und darüber hinaus). Doch ergab sich im Verlauf dieser begrifflichen Entfaltung, dass es weniger um die Frage nach einer natürlich (sprich: unabhängig von Zeichenverwendern) bestehenden Beziehung zwischen Zeichen(träger) und Bezeichnetem geht, als vielmehr um verschiedene Möglichkeiten, Aspekte eines als Zeichenträger verwendeten Objekts in das komplexe Geschehen von Zeichenhandlungen zu integrieren (vgl. [Trabant 1996a]Literaturangabe fehlt.
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, Abschn. II.4).[23]

Ein Beispiel für diesen Zusammenhang kann man in der Diskussion um die Perspektive als einer symbolischen Form[24] “sehen” (vgl. [Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998).
Die Perspektive als symbolische Form (1924).
In Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze Bd. 2, S. 664-757, Erstpublikation in: Vorträge der Bibliothek Warburg (1924/25). Leipzig, 1927, 258-330.

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). Zwar scheinen zentralperspektivische Konstruktionen in einer quasi kausalen Ableitung besonders natürlich wirkende Bildzeichen zu erzeugen. Doch um diese Zeichen geht es nun gar nicht. Vielmehr ist die Konstruktion selbst – als Zeichen für das jene Natürlichkeit allererst begründende Sehen genommen – nur eine (historisch gewachsene) Möglichkeit unter vielen anderen; eine Möglichkeit, die, da sie ein einäugiges, simultanes Sehen mit starrem Blick unterstellt, trotz aller ikonischer Anteile (d.h. bestehenden Ähnlichkeiten zur Bedeutung dieses Zeichens, dem zweiäugigen, sakkadischen Sehen mit beweglichen Augen) auch stark von tradiert-konventionellen Faktoren abhängt: der Konvention nämlich, dass eben auf genau diese Weise das Sehen darzustellen sei (vgl. [Cassirer 1930a]Literaturangabe fehlt.
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).


Zur Anwendung auf Bilder: Ein (kom­ple­xes) Beispiel

Nach diesen Prämissen sind Bilder häufig als der Prototyp des ikonischen Zeichens interpretiert und gelegentlich sogar mit dem Ikon überhaupt verwechselt worden [...] Es gibt aber Bilder, die in größerem Maße ikonisch, solche, die eher indexikalisch, und andere, die überwiegend symbolisch sind. Das Kriterium des Anteils an ikonischen, indexikalischen und symbolischen Elementen erlaubt es, in der Kulturgeschichte des Bildes drei Prototypen zu bestimmen. Prototyp des ikonischen Bildes ist danach nicht die gegenständliche, sondern vielmehr die nichtgegenständliche, die abstrakte Malerei. Prototyp des indexikalischen Bildes sind ebenso die Photographie wie die gegenständliche Malerei, und Prototyp des symbolischen Bildes ist die ikonologisch beziehungsweise ikonographisch kodifizierte Malerei. ([Nöth 2009]Literaturangabe fehlt.
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, S. 243f.)

Aus bildwissenschaftlicher Perspektive spielen Ikonizität (insofern »Bild« und »Ähnlichkeit« zusammenhängen) und Indexikalität (vor allem bei den kausalen Bildgebungsverfahren) die grössere, aber keineswegs die alleinige Rolle. Auch bei Bilverwendungen treten zahlreiche symbolische Aspekte auf. Nöths Zuordnung der ikonischen Prototypikalität mit der nichtgegenständlichen Malerei in obigem Zitat mag zunächst verwundern, ist aber dem Umstand geschuldet, dass er die beiden Pole der Assoziation auf je spezielle Weise interpretiert: Mit solchen Bildträgern würde erstens nämlich nur auf eine Eigenschaft des jeweiligen Bildträgers verwiesen, was zweitens eben genau dem ursprünglichen Peirceschen genuinen Ikon entspricht. Allerdings sind einerseits andere Interpretationen des Phänomens ungegenständlicher Bilder möglich (⊳ Bild in reflexiver Verwendung, Abschnitt «Zusammenhänge mit anderen Begrif­fen»), und andererseits eine weiter gefasste Verwendungsweise von ‘Ikon’ bildphilosophisch durchaus üblicher. In der Praxis dürften prototypische Fälle von Ikonizität, Indexikalität oder Symbolhaftigkeit in der Tat weder bei Bildern noch auch bei anderen Zeichentypen häufig auftreten. Mischformen dominieren unseren Bild(Zeichen)gebrauch.

Abbildung 4: Ein Schatten in Hiroshima — 6. August 1945, 8:15

Die Anwendung der drei Aspek­te auf ein konkretes Beispiel mag besser verdeut­lichen, wie vielfäl­tig die seman­tischen Re­la­tio­nen letztendlich für einen einzigen Bildträger zusam­menwir­ken: Abbil­dung 4 gibt das Schwarz-​Weiß-​Photo eines unbe­kannten Photo­graphen wieder, das vermut­lich in den letzten Tagen des Jahres 1945 aufge­nommen wurde und im Hiro­shima Peace Memo­rial Muse­um aufbe­wahrt wird. Zu sehen sind zwei Stufen einer steiner­nen Treppe, die zum Eingang des Gebäu­des der Sumi­tomo-​Bank im Zentrum der japa­nischen Stadt Hiro­shima führt, sowie ein kleiner Ausschnitt der Wand des Gebäudes. Auf den Treppen­stufen zeichnen sich schwärzli­che Spuren im perspek­tivisch verzerr­ten Umriß eines menschli­chen Körpers ab. Es wird angenommen, dass sie entstanden sind, als am 6. August 1945 um 8 Uhr 15 eine Atombombe die Stadt zerstörte und Druck, Hitze und Strahlung die verglühenden Überreste einer Person, die zufällig zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude auf den Stufen stand, in den Stein eingebrannt haben.

Ikonizität, Indexikalität und Symbol­haftigkeit der Beispiel­photographie

Wegen der längeren, aber durchweg kausalen Kette von optischen, photochemischen und digitaltechnischen Transformationen, die den hier betrachteten Zeichenträger mit der Aufnahmesituation in Hiroshima zu einem unbekannten Zeitpunkt kurz nach der Bombenexplosion verbinden, hat das damit verwendete Zeichen offensichtlich Index-Charakter. Da zudem eine visuelle Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Treppenstufen in Japan besteht, ist auch ein deutlicher ikonischer Anteil gegeben. Symbolhaftigkeit tritt hinzu, weil die Signifikanz dieses Bildes erst klar werden kann, wenn man es in seinen historischen Kontext einordnen kann: Zwar ist – ikonisch – eine Art menschlicher Schatten zu sehen, der – indexikalisch – als Teil einer real in Raum und Zeit existierenden (d.h. mit dem Hier und Jetzt der Rezeptionssituation kausal verbundenen) Szene verstanden wird, doch dass diese Photographie etwa auch als Zeichen für die schreckliche Gewalt einer Atombombenexplosion über bewohntem Gebiet dienen mag, erschließt sich nur in einem durch Konventionen etablierten Verständnisrahmen.

Ikonizität, Indexikalität und Symbol­haftigkeit des abgebildeten “Schattens”

Tatsächlich lassen sich Ikonizität, Indexikalität und Symbolhaftigkeiten in diesem Beispiel (wie übrigens bei fast allen Bildern) auch noch auf einer zweiten Ebene anwenden: Denn auch der “Schatten” selbst wird in der Regel ja zeichenhaft gelesen. Als Symptom der ihn verursachenden Explosion kann er als Index für alle der in der zu ihm führenden Kausalkette enthaltenen Faktoren verwendet werden: Dominant in dieser Hinsicht sind sicherlich die Person, die in jenem verhängnisvollen Augenblick an jener Stelle stand, die Strahlungen, die in jenem Moment den Schatten in den Stein brannten, sowie das Ereignis, das die Strahlung ausgelöst hat: die Explosion von «Little Boy».[25] Voraussetzung für eine solche indexikalische Zeichenverwendung mit einer dieser Bedeutungen ist die Einbettung des “Schattens” in eine kommunikative Interaktion (inklusive Selbstdarstellung des Senders) mit bewusster Kontrolle des kommunikativen Zwecks der Handlung (Reflexivierung inklusive Antizipation des Kommunikationspartners; ⊳ Bildrezeption als Kommunikationsprozess). Diese Bedingung ist auch erfüllt, wenn sich jemand selbst vor Ort mithilfe des “Schattens” auf die entsprechende Ursache aufmerksam macht.

Insofern der “Schatten” eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem Menschen hat, kann er zudem als ein ikonisches Zeichen für jenen stehen. Auch hier ist die Einbettung in den komplexen Handlungszusammenhang einer Zeichenverwendung Voraussetzung. Analog zur Verlängerung der indexikalischen Aspekte des Dargestellten durch die Indexikalität der Darstellung “verlängert” die Ikonizität des Bildes die ikonischen Aspekte des im Bild Dargestellten.[26]

Als einem symbolischen Zeichen kann man sich dem “Schatten” schließlich zuwenden, wenn man damit etwa die eigene Aufmerksamkeit oder die eines anderen absichtlich auf den Sachverhalt lenken möchte, dass die Menschheit mit der in Hiroshima erstmals grauenvoll demonstrierten Fähigkeit, Atombomben über bewohnten Städten explodieren zu lassen, eine gefährliche Grenze überschritten hat.

Ikonizität, Indexikalität und Symbol­haftigkeit des reflexiv genutzten Photos

Eine dritte Bedeutungsebene ergibt sich, wenn wir in Betracht ziehen, dass jedes Bild auch dazu benutzt werden kann, als Zeichen für einen Aspekt des Zeichengebrauchs selbst zu dienen (⊳ Bild in reflexiver Verwendung). Eben dies ist ja unter anderem in diesem Glossarartikel mit dem Zeichenträger aus Abbildung 4 geschehen. Auch auf dieser Ebene können die drei Arten von Objektbezügen auftreten:

  • Ikonizität als Exemplifikation einer konkreten Eigenschaft des aktuellen Zeichenhandlungsschemas: Z.B. kann mithilfe des Bildträgers darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bedeutungen jeder seiner Zeichenverwendungen ikonische, indexikalische und symolische Aspekte umfasst, indem eben diese Eigenschaft am Exempel demonstriert wird.
  • Indexikalität als Verweis auf die gerade im Kontext ablaufende Zeichenhandlungsinstanzen und ihre Eigenheiten: So kann sich ein Leser dieses Text-Bild-Ensembles etwa mithilfe des Zeichenträgers aus Abbildung 4 darauf aufmerksam machen, dass die Bedeutungen, die er ihm in verschiedenen Instanziierungen der Zeichenhandlung im Verlauf der Lektüre des umgebenden Textes gibt, sich wandeln und etwa mal mehr, mal weniger ikonisch oder indexikalisch bestimmt sind.
  • Symbolhaftigkeit, insofern alle abstrakten Eigenschaften des Zeichenhandlungsschemas, auf die mit der reflexiven Verwendung des Bildträgers verwiesen werden kann, wegen ihrer Abstraktheit konventionell (oder traditionell) etabliert worden sind: Dass eine Bildverwendung Begriffe wie​ »syntaktische Dichte«,​ »genuine Ikonizität«​ oder​ »Ästhetisierung eines Sujets«​ exemplifizieren kann hat stets auch eine regelbezogene Komponente. Das gilt insbesondere für Fälle negativer Exemplifikation, bei denen definitionsgemäß keine ikonischen oder indexikalischen Momente auftreten können.

— In jedem konkreten Gebrauch des in Abbildung 4 wiedergegebenen Zeichenträgers können auf den erwähnten drei Zeichenebenen die drei von Peirce inspirierten Objektbezüge in jeweils verschiedenen Ausprägungen und variierenden Kombinationen die effektive Kommunikation semantisch prägen. Vor diesem Hintergrund ist die Vorstellung von einer einzigen »Bedeutung eines Bildträgers« bestenfalls stark verkürzt und stets abhängig von einer – meist nur implizit – als Standard festgelegten Referenzverwendungsweise, zu der ein Begriff von standardisierten Kommunizierenden mit bestimmtem Hintergrundwissen ebenso wie standardisierte Kommunikationsziele gehören (z.B. ikonische, nicht-reflexive Verwendung). Semiose – bei Peirce als fortlaufende Erzeugung weiterer Interpretanten gedacht, genauer: als Folge (mentaler) Zeichen, die die Bedeutung des ersten Zeichens elaborieren – kann offensichtlich auch noch in einem anderen Sinn verstanden werden: als ein sukzessives Ausarbeiten der verschiedenen Möglichkeiten, einen Zeichenträger als Zeichen zu verwenden.

Für die Frage nach der Identität bildhafter Zeichen verschiebt sich der Fokus von einem am physischen Bildträger orientierten Kriterium zu einem an der jeweiligen Verwendungssituation orientierten Kriterium.

Anmerkungen
  1. Vgl. [Peirce 1983a]Literaturangabe fehlt.
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    ; siehe auch: [Birk et al. 2014a]Literaturangabe fehlt.
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    .
  2. Ob sich die Bestimmung der entsprechenden Begriffe tatsächlich im rein semantischen Sinn durchführen lässt, oder nicht vielmehr tatsächlich notwendiger Weise pragmatische Aspekte berücksichtigt werden müssen, hängt letztlich an dem Status, den man der Semantik relativ zur Pragmatik zuschreibt.
  3. Offen bleibt an dieser Stelle, ob der “Objektbezug” einen Referenten im engeren (extensionalen) Sinn meint (⊳ Bedeutung und Referenz und Nomination) bzw. welches Verhältnis zu einem Sachbezug im engen (propositionalen) Sinn besteht. Vgl. auch [Schelske 2000a]Literaturangabe fehlt.
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    .
  4. Seltener, und laut Duden auch nicht ganz korrekt, findet sich auch die anglisierte Form ‘Ikons’ als Plural.
  5. Da die gezeichnete Person durchaus fiktiv sein kann, deutet das Beispiel​ »Phantombild«​ zugleich an, dass es sich auch um eine nur intentionale Abbildlichkeit handeln kann.
  6. Genau aus diesem Grund gelten genuine Ikone Peirce auch als die einfachste der in Zeichen vorkommenden Gegenstands­beziehungen: Im Gegensatz zu den beiden anderen Klassen richtet sich der Blick bei genuinen Ikonen nämlich nur auf einen Gegenstand (der “Eigenschafts­träger”), da Zeichenträger und Bezeichnetes in gewisser Weise zusammenfallen. Diese Identität lässt ihn andererseits aber auch von einem degenerierten Zeichen sprechen.
  7. Der Ausdruck ‘Betrachter’ ist hier natürlich recht weit gefasst, da er nicht auf die visuelle Sinnesmodalität eingeschränkt verwendet wird.
  8. Technisch wird oft von einer partiellen Isomorphie – einer teilweisen Strukturgleichheit – gesprochen. Da dieser Typ von Ähnlichkeitsbeziehung offensichtlich reflexiv ist, folgt dasselbe für die Ikonizität: Wenn X ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für Y ist, dann ist auch Y ähnlich zu bzw. ikonisches Zeichen für X.
  9. Diese um eine Ebene zurückverlegte Betrachtung erlaubt eine “Symmetrie-Brechung”, denn aus dem Vorliegen solcher Gründe, die B dafür vorbringt, dass W X für Y ähnlich hält, folgt eben keineswegs, dass B auch Gründe in W’s Verhalten dafür findet, dass W Y für X ähnlich hält.
  10. Ob jeder Gegenstand als sich selbst ähnlich verstanden werden sollte, ob der Begriff​ »Ähnlichkeit«​ also als Begriff einer reflexiven zweistelligen Relation angesetzt werden sollte, ist umstritten (vgl. etwa [Goodman 1970a]Literaturangabe fehlt.
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    ). Weitgehende Einigkeit herrscht hingegen darüber, dass ein Zeichenträger nur dann Zeichenfunktion erfüllen kann, wenn er nicht mit dem Gegenstand, auf den er verweist, identisch ist (vgl. bereits [Platon 1922a]Literaturangabe fehlt.
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    : 432a-c). Allerdings lässt sich der Unterschied zwischen tierischer Gegenstands­wahrnehmung und menschlicher Gegenstands­wahrnehmung (u.a. bei bei handlungstheoretischer Betrachtung) auch darauf zurückführen, dass bei letzterer prinzipiell und daher unabtrennbar eine reflektierende Distanz zum Wahrnehmen tritt: Das menschliche Gegenstands­sehen ist immer ein »sich selbst zu sehen geben« (wobei der dabei in der Erläuterung verwendete Ausdruck ‘Sehen’ auf die tierische, d.h. nicht reflektierte Version bezogen bleibt; ⊳ Sehen; vgl. auch Sortale Gegenstände und Individuation und Dezeptiver und immersiver Modus). In der Folge ist dann die Rede davon, dass Menschen sehen, indem sie sich – sich selbst gegenüber – als Sehende darstellen.
  11. Vgl. auch Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem: Anmerkung 8. — Da Symptome nicht kriterial (also weder hinreichend noch notwendig) für das, was sie anzeigen (können), sind – Rauch kann auch ohne Feuer auftreten (und Feuer ohne Rauch), so wie rote Hautflecken ohne Maserninfektion (und Maserninfektionen ohne das Ausbilden von roten Hautflecken) möglich sind – kann der Index-Charakter eines Zeichens recht labil sein.
  12. Wie oben erwähnt stellen nur genuine Ikone im Peirceschen Sinn eine Ausnahme davon dar.
  13. Wegen dieser Besonderheit spielen Indizes in Taufsituationen, wie sie zur Einführung von symbolischen Zeichen verwendet werden, eine wichtige Rolle. — Die Bezeichnung ‘Index’ leitet sich vom lateinischen Wort für Zeigefinger ab.
  14. Die intentionsbasierten Indizes stehen in enger Verbindung zum Begriff des Zeigens, d.h. der Deixis (›jemand zeigt jemandem etwas‹), während die kausalen Indizes höchstens als einfache Fälle von​ »Sich-Zeigen«​ (›etwas zeigt sich‹) begriffen werden können.
  15. Vgl. hierzu auch die Diskussion im Glossarbeitrag​ «Digitales Bild»​ zu deren (Nicht-)​Indexikalität.
  16. Eine analoge Argumentation gilt für “Tonkonserven”: Auch diese beinhalten offensichtlich stets sowohl ikonische als auch indexikalische Momente.
  17. Das Wort geht auf das griechiche ‘συμβάλλω’ zurück (symbállō – zusammenfügen).
  18. Vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu ‘Sinnbild’ im Artikel​ «Emblem». Eine grobe Übersicht findet sich unter Wikipedia: Symbol.
  19. Da zudem der wesentliche Unterschied zwischen »ZeichenD«​ und »SymbolenD«​ darin besteht, dass die Bedeutungsrelation bei ersteren als rein willkürlich, bei letzteren hingegen als aus dem Symbolisierten natürlich erwachsende Relation verstanden wird, schließen sich beide wechselseitig aus. Die Peirceschen Begriffsumfänge überlappen sich hingegen.
  20. Vor diesem Hintergrund mag jemand, der Bilder als (ikonische)​ »ZeichenP«​ betrachtet, schnell in ein Wortgefecht über die Zeichenhaftigkeit von Bildern geraten mit jemandem, der Bilder als​ »SymboleD«​ versteht.
  21. Als Alternative bleibt allerdings eine Entwicklung von der explizit vereinbarten Konvention zu einer die ursprüngliche “Taufsituation” vergessenden und im Weiteren als rein tradierte Konvention verstandenen Bedeutungs­relation möglich.
  22. Ein Beispiel für derartige Motivationen ist im Exkurs:Beispiel für motivierte Zeichenkonventionen dargestellt.
  23. In engem Zusammenhang zur “Willkürlichkeit” von Zeichenträgern für die zugehörigen Bedeutungen steht zudem die Diskussion um die Möglichkeit einer Rückwirkung des Zeichenträgers auf das Verständnis dessen, was dieser Ausdruck bedeutet: Unter der Bezeichnung ‘Prinzip der sprachlichen Relativität’ (auch: ‘Sapir-Whorf-Hypothese’; vgl. Wikipedia: Sapir-Whorf-Hypothese wird die Vorstellung diskutiert, dass die “Weltsicht”, das “Weltbild” einer Sprach- (oder allgemeiner: Zeichen-)gemeinschaft entscheidend durch die von ihren Mitgliedern verwendeten Sprachzeichen bestimmt wird; ⊳ Weltbild, Lebensform & Linguistic turn, pictorial turn, medial turn.
  24. Cassirer bezeichnet mit dem Ausdruck ‘symbolische Form’ „jede Energie des Geistes [...], durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem Zeichen innerlich zugeeignet wird“ ([Cassirer 2009a]Literaturangabe fehlt.
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    , S. 67). Der Ausdruck ‘Zeichen’ wird dabei offensichtlich im Sinn von ‘Zeichenträger’ verwendet und ‘Symbol’ (als dritte hier erwähnte Bedeutungsvariante dieses Ausdrucks) analog zu ‘ZeichenP’ (s.o.).
  25. Wegen der Transitivität der Kausalbeziehung “verlängert” die Photographie als Index die bereits signifikanten Kausalketten der abgebildeten Szene sozusagen bis zum Betrachter.
  26. Diese Transitivität ist allerdings weniger deutlich ausgeprägt als bei der Kausalität: Wenn A ähnlich zu B ist, B ähnlich zu C und schließlich C ähnlich zu D, folgt bekanntlich keineswegs zwingend, dass A auch ähnlich zu D ist – mit entsprechenden Konsequenzen für die Ikonizität entsprechender Darstellungsbeziehungen (etwa: die Kopie einer Kopie einer Kopie eines Bildes).
Literatur                             [Sammlung]

[Birk et al. 2014a]:
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[Cassirer 1930a]:
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[Cassirer 2009a]:
Literaturangabe fehlt.
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[Goodman 1970a]:
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[Nöth 2009]:
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[Panofsky 1924a]: Panofsky, Erwin (1998). Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: K. Michels & M. Warnke (Hg.): Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze Bd. 2. Berlin: Akademie, S. S. 664-757, Erstpublikation in: Vorträge der Bibliothek Warburg (1924/25). Leipzig, 1927, 258-330.

[Peirce 1983a]:
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[Peirce 1998a]:
Literaturangabe fehlt.
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[Platon 1922a]:
Literaturangabe fehlt.
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[Schelske 2000a]:
Literaturangabe fehlt.
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[Schirra & Sachs-Hombach 2013a]:
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[Trabant 1996a]:
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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra [60] und Klaus Sachs-Hombach [9] — (Hinweis)