Typologien der Medien

Aus GIB - Glossar der Bildphilosophie
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Unterpunkt zu: Medientheorien: Übersicht


Typen von Medien

Da innerhalb des Medienbegriffs verschie­dene Binnen­gliede­rungen vorkom­men, stellt sich die Frage, ob Bilder in jedem der entspre­chenden Medien­typen verwen­det werden können oder ob die Zuord­nung zu einer Medien­klasse auf eine den Bildge­brauch spezi­fisch beein­flussen­de Art einge­schränkt ist.

Wenig relevante Typo­logien

Offensichtlich gibt es einige Auftei­lungen, für die die Antwort trivial ist, so etwa die Unter­gliede­rung nach den verwen­deten Sinnes­moda­litä­ten, also in audi­tive, visu­elle, olfak­tori­sche, gusta­tori­sche und hapti­sche Medien: Bilder sind, wenn von meta­phori­schen Über­tragun­gen des Begriffs auf ande­re Sinnes­moda­litä­ten abge­sehen wird (⊳ Bildhaf­tes und unei­gentli­che Bilder), spezi­fisch visu­elle Phäno­mene, kommen also nur in einem der so unter­schiede­nen Medien­typen vor. Übli­cherwei­se wird diese Auftei­lung aller­dings in zwei wichti­gen Hinsich­ten erwei­tert: Indem nämlich einer­seits sprachli­cher Infor­mations­austausch – als eine Form der Kommu­nika­tion, die gleicher­maßen in mehre­ren Sinnes­moda­litä­ten (audi­tiv, visu­ell, in Braille sogar haptisch) vorkom­men kann – als eigen­ständi­ge Klasse dieser Auftei­lung verstan­den wird; und indem ande­rerseits Kommu­nika­tionsfor­men zu einer Klasse ‘Multi­media’ zusam­menge­fasst werden, die gleichzei­tig über mehre­re Sinnes­kanä­le, also multi­modal, funkti­onieren. In dieser Typo­logie spielen Bilder also nur für zwei Typen – visuell und multi­medial – über­haupt eine Rolle.

Bei anderen Gliederungsprinzipien gibt es hinge­gen kaum rele­vante Zusam­menhän­ge mit der Bildver­wendung: So werden etwa Kommu­nika­tionsme­dien nach den dabei einge­setzten (i) Herstel­lungs- oder (ii) Verbrei­tungsver­fahren unter­schieden. Auf diese Weise kann etwa von ‘Printme­dien’ (i) bzw. von ‘Massen­medien’ (ii) gespro­chen werden: Die jewei­ligen Verfah­ren sind dabei zwar etwas, dass das Medium bestimmt, weil sie auf je beson­dere Weise Kommu­nika­tion ermög­lichen und struktu­rieren, aber ob dabei Bilder oder ande­re Zeichen­arten vermit­telt werden ist für diese Typen von Medium weitge­hend unwe­sentlich.[1]

Primär-, Sekundär- und Tertiär­medien

Die zentrale Binnengliederung, die von der Medien­wissen­schaft für Kommu­nika­tionsme­dien vorge­schlagen wurde, ist die in Primär­medien, Sekun­därme­dien und Tertiär­medien – manchmal auch unter der Bezeich­nung ‘Medien vom Typ 1, 2 oder 3’ (vgl. [Pross 1972a]Pross, Harry (1972).
Medienforschung. Film, Funk, Presse, Fernsehen. Darmstadt: Habel.

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: S. 10f.). Dabei erfolgt die Unter­scheidung zunächst danach, in welchem Ausmaß techni­sche Hilfsmit­tel verwen­det werden.

Folgt man den üblichen Erklärungen, dann handelt es sich um ein Primär­medium genau in den Fällen, wenn keiner­lei techni­sche Hilfsmit­tel bei der Vermitt­lung von Infor­mation einge­setzt werden. Gesprä­che von Ange­sicht zu Ange­sicht finden demnach mit einem Medium vom Typ 1 statt.[2] Wenn nur der Absen­der der Infor­mation techni­sche Hilfsmit­tel in Anspruch nimmt, wird von einem Sekun­därme­dium gespro­chen: Da z.B. Foto­grafien mit Kame­ra und Drucker oder einem vergleich­baren techni­schen Gerät herge­stellt werden müssen, aber übli­cherwei­se ohne techni­sche Hilfe betrach­tet werden können, erfolgt hier der Infor­mations­fluss über ein Medium vom Typ 2. Ein Tertiär­medium liegt schließlich vor, wenn sowohl Sender wie auch Empfän­ger beim Infor­mations­austausch auf techni­sche Geräte ange­wiesen sind. Das ist etwa der Fall beim Tele­fonieren. Aber auch das Fernse­hen erfüllt diese Bedin­gung für ein Medium vom Typ 3.

Rein formal wäre in dem Schema der drei Medien­typen natür­lich auch noch der Fall zu betrach­ten, wenn nur der Empfän­ger auf techni­sche Unter­stützung ange­wiesen ist. Man mag sich etwa folgen­de Situ­ation dazu vorstel­len: Eine Person möchte einer ande­ren, die deutlich außer­halb der natür­lichen Hörwei­te ist, etwas sagen. Dazu benutzt der Empfän­ger ein empfind­liches Richtmi­kro­phon. Praktisch taucht ein solcher Fall selten auf. Das mag der Grund dafür sein, dass er übli­cherwei­se nicht geson­dert erwähnt wird. Doch ist tatsäch­lich schon offen­sichtlich, um welchen Medien­typ es sich dabei handelt? Ist es eine der drei vorge­stellten oder sollte es sich um eine zusätz­liche Klasse handeln?[3]

Die Unklarheit der Zuordnung für diesen Fall ist ein Indiz dafür, dass die Unter­scheidung der Medien­klassen inhalt­lich weni­ger an dem Vorhan­densein techni­scher Gerä­te hängt: Das ist ledig­lich ein Symptom für eine tiefer liegen­de Diffe­renzie­rung, das zwar in der Regel aussa­gekräf­tig ist, aber nicht unmit­telbar den Witz der Unter­scheidung trifft. Recht über­legt fällt auf, dass die techni­schen Hilfsmit­tel ganz allge­mein dazu dienen, Beschrän­kungen der Kommu­nika­tion in Raum und Zeit zu über­winden.


Die Situiertheit der Kommu­nizie­renden als Unter­scheidungs­krite­rium

Primärmedien

Ab­bil­dung 1: Skiz­ze zur Si­tu­iert­heit bei Pri­mär­me­di­en

Von Pri­mär­me­di­en soll­te bes­ser ge­nau dann die Re­de sein, wenn Sen­der und Emp­fän­ger der vom Me­di­um ver­mit­tel­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer zur glei­chen Zeit am glei­chen Ort sein müs­sen – un­ab­hän­gig da­von, ob ir­gend­wel­che tech­ni­schen Ge­rä­te be­tei­ligt sind.[4] Oh­ne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel ver­mit­teln ih­nen ih­re Sin­nes­or­ga­ne oh­ne­hin im­mer nur das je­wei­li­ge Hier und Jetzt (⊳ Modalität). Ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ei­nem an­de­ren kann da­her oh­ne Hilfs­mit­tel stets nur in ei­ner von bei­den ge­teil­ten, d.h. der je ak­tu­el­len Si­tu­a­ti­on statt­fin­den. Das Beson­dere an primär­medi­aler Kommu­nika­tion ist u.a. die Möglich­keit für deikti­sche und im weiten Sinn inde­xika­lische Aspek­te: Man kann nur auf etwas (im engen Sinn) zeigen, was da ist, und man kann diese Zeige­geste nur kommu­nika­tiv verwen­den, wenn das Gegen­über eben­falls die Geste und ihr Ziel wahrneh­men kann (vgl. Abb. 1).[5] Der wesent­liche Unter­schied zwischen Sekun­där- und Tertiär­medien liegt nun darin, wie diese die Beschrän­kung der Situ­iertheit bei den Primär­medien jeweils erwei­tern:

Sekundärmedien

Ab­bil­dung 2: Skiz­ze zur Si­tu­iert­heit bei Se­kun­där­me­di­en

Für Se­kun­där­me­dien ist die zeit­li­che Di­men­si­on die ent­schei­den­de: Der Ein­satz ei­nes tech­ni­schen Ge­räts hat näm­lich ins­be­son­de­re die Funk­ti­on, ein die Zeit über­dau­ern­des (per­sis­ten­tes) Nach­rich­ten­ar­te­fakt zu schaf­fen, so dass ein an­de­rer lan­ge Zeit nach der Her­stel­lung durch den Sen­der als ein Emp­fän­ger die­ser Nach­richt auf­tre­ten kann (vgl. Abb. 2). Dass die­se per­sis­ten­ten Zei­chen­trä­ger in der Zwi­schen­zeit auch den Ort ge­wech­selt ha­ben kön­nen ist da­bei eher zweit­ran­gig, denn zu­nächst ein­mal gilt, dass Sen­der und Emp­fän­ger in zeit­li­cher Dis­tanz si­tu­iert sind. Aus dieser Situ­ierung folgt zum einen, dass sekun­därme­diale Kommu­nika­tion immer uni­direk­tional erfol­gen muss: Echte Dialo­ge sind hier nicht möglich. Zum ande­ren erge­ben sich spezi­elle pragma­tische Phäno­mene für die vermit­telten Inter­aktio­nen, da jeweils ein Inter­aktions­partner nur in der Vorstel­lung des ande­ren exis­tiert.

Tertiärmedien

Ab­bil­dung 3: Skiz­ze zur Si­tu­iert­heit bei Ter­ti­är­me­di­en

Dem­ge­gen­über hat der Ein­satz tech­ni­scher Hilfs­mit­tel auf bei­den Sei­ten des In­for­ma­ti­ons­flus­ses vor al­lem den Zweck, räum­lich weit von­ein­an­der ent­fern­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner mehr oder we­ni­ger gleich­zei­tig mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Das funk­ti­o­niert nur, wenn die Über­tra­gungs­dau­er ge­gen­über der Dau­er der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zyk­len sehr kurz ist. Die­se re­la­ti­ve Gleich­zei­tig­keit von Sen­de- und Emp­fangs­teil­hand­lun­gen ist die Vo­raus­set­zung da­für, dass ein sol­ches Raum über­win­den­des Me­di­um im Ge­gen­satz zu Se­kun­där­me­di­en auch in bei­de Rich­tun­gen funk­ti­o­nie­ren kann (vgl. Abb. 3).[6]


Quartäre Medien

Mit der Verbreitung computer­basier­ter Kommu­nika­tion haben manche neue­ren Auto­ren vorge­schlagen, bei Verwen­dung vernetz­ter Compu­tertech­nolo­gie von ‘Quartär­medien’ (‘Medien vom Typ 4’) zu sprechen ([Faßler 1997a]Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation. ). Zwar erlaubt es die vernetz­te Digi­taltech­nolo­gie in der Tat, sehr viele ande­re Medien auf verhält­nismä­ßig einfa­che, leicht zugäng­liche und unkomp­liziert zu erler­nende Art und Weise zu emu­lieren. Allei­ne daraus aber erge­ben sich noch keine spezi­fisch medien­theore­tisch rele­vanten Neue­rungen, ganz abge­sehen davon, dass Compu­terge­brauch nicht mit dem erwähn­ten tatsäch­lichen Krite­rium der raumzeit­lichen Situ­iertheit zusam­menpasst.

Das gilt hingegen nicht für die Klasse der inter­akti­ven Syste­me, zu denen sowohl die sprachver­stehen­den und -gene­rieren­den Syste­me der KI zählen,[7] wie auch inter­akti­ve Graphik­syste­me[8] und insbe­sonde­re die immer­siven Syste­me[9] inklu­sive der Compu­terspie­le. Von der Inter­aktion zwischen Kommu­nika­tionspart­nern über (oder durch) das Medium ist nämlich der Gebrauch des Ausdrucks ‘Inter­akti­vität’ zu unter­scheiden, wenn er gewis­serma­ßen die Wechsel­wirkun­gen mit dem Medium betrifft.[10]

Tatsächlich übermittelt ein inter­akti­ves System als Medium nicht, wie eine Zeitung, einzel­ne Zeichen­handlun­gen, wie komplex diese auch immer sein mögen. Vielmehr wird mit ihm eine ganze Reihe poten­tieller Zeichen­handlun­gen über­tragen, nämlich alle vom System gene­rierba­ren Zeichen. Der Nutzer wählt durch seine Akti­vität mehr oder weni­ger expli­zit jeweils eins davon aus, dass es ihm präsen­tiert wird. Zwar tritt auch bei sekun­dären Medien eine Aufspal­tung in parti­elle Zeichen­handlun­gen mit unter­schiedli­chen, jeweils nur vorge­stellten Teilneh­mern auf.[11] Doch geht es in diesen Fällen natür­lich stets nur um ein einzi­ges, wenn auch, etwa bei Büchern, sehr komple­xes, syntak­tisch aber eindeu­tig bestimm­tes Zeichen. Diese Bedin­gung gilt für das Medium der inter­akti­ven Syste­me gera­de nicht: Jeder Empfän­ger erhält jeweils auf ihn abge­stimmte, perso­nali­sierte Nachrich­ten.

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Ab­bil­dung 4: Skiz­ze zur kom­ple­xen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­tu­a­ti­on bei Quar­tär­me­di­en

Ei­ner­seits kom­mu­ni­ziert da­bei der Nut­zer mit sich selbst:[12] Wie bei ei­nem Selbst­ge­spräch zeigt man sich et­wa ei­ne Stra­ßen­karte oder ei­ne ana­to­mi­sche Skiz­ze. An­de­rer­seits sind die Kar­ten, Skiz­zen und Ant­wor­ten ja durch­aus nicht nur der Vor­stel­lung des Nut­zers ent­sprun­gen. Die­je­ni­gen, die das in­ter­ak­ti­ve Sys­tem kon­stru­iert und mit In­halt ge­füllt ha­ben, kom­men eben­falls als kom­mu­ni­ka­ti­ves Ge­gen­über des Nut­zers in Fra­ge und müs­sen in der Re­gel ja auch für Kor­rekt­heit in den Zei­chen­hand­lun­gen mit dem in­ter­ak­ti­ven Sys­tem Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Es macht durch­aus Sinn, die Ver­wen­dung ei­nes in­ter­ak­ti­ven Sys­tems als ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Her­stel­ler (oder He­raus­ge­ber) des Sys­tems und Sys­tem­nut­zer zu ver­ste­hen, ganz so, wie man das Le­sen ei­ner Zei­tung auch als Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Au­tor bzw. He­raus­ge­ber und Le­ser re­kon­stru­ie­ren kann. Auch die “mo­no­lo­gi­sche” Va­ri­an­te setzt letzt­lich auf die­se Ba­sis­kom­mu­ni­ka­ti­on auf.

Die Interaktivität wird in einem 3D-​Compu­terspiel sogar noch komple­xer, sind es doch nicht nur die mehr oder weni­ger direk­ten Anwei­sungen des Nutzers, welche die Reak­tionen des Systems bestim­men. Vielmehr werden hier seine stili­sierten Bewe­gungen im (wirkli­chen) Raum (z. B. Mausbe­wegun­gen) ana­lysiert und als Krite­rium für teilwei­se sehr komple­xe System­reakti­onen verwen­det: Diese reichen bekannt­lich von entspre­chenden Bewe­gungen eines Ava­tars im virtu­ellen Raum (⊳ Cyber­space) bis zu Inter­akti­onen mit virtu­ellen, vom Spielsys­tem gesteu­erten Spielfi­guren.

Offensichtlich hängt Inter­akti­vität in diesem Sinne entschie­den an der Verwen­dung von Compu­tern, denn ohne diese spezi­ellen Medien­maschi­nen wäre es schlechter­dings nicht möglich, die Akti­vitä­ten des Nutzers auto­matisch und ohne allzu merkli­chen Zeitver­lust in entspre­chende Reakti­onen umzu­setzen. Zugleich eröff­net Inter­akti­vität eine grundsätz­lich ande­re Art der Medien­verwen­dung als die, die in den Typen 1 bis 3 betrach­tet werden: Der primä­re Sender ist nur noch partiell dafür verant­wortlich, welche Nachricht der Empfän­ger tatsäch­lich bekommt, denn dieser über­nimmt zum Teil selbst die Rolle des Senders.

Da die Situiertheit der Kommu­nizie­renden bei inter­akti­ven Syste­men deutlich komple­xer ist und ganz eigen­ständi­ge Kombi­nati­onen von Teilkom­muni­kations­handlun­gen gegen­über den Klassen 1 bis 3 umfasst, ist es sinnvoll, für diese Situ­iertheit eine entspre­chende eige­ne Medien­klasse, die quartä­ren Medien (oder Medien der Klasse 4) einzu­führen.


Einfluss der Medienklasse auf darin ver­wen­dete Bilder

Bilder können offensichtlich in jedem der vier Medien­typen verwen­det werden. Doch hat die unter­schiedli­che rela­tive Situ­iertheit von Sender und Empfän­ger einen je spezi­fischen Einfluss auf die Bildver­wendung.

Ab­bil­dung 5: Ein com­pu­ter­vi­su­a­lis­tisch er­zeug­tes Bild als Bei­spiel

Ein Bild, wie das hier ge­zeig­te Bei­spiel­bild (Abb. 5), wä­re et­wa pri­mär­me­di­al ver­wen­det, wenn der Com­pu­ter­vi­su­a­list, der es er­zeugt hat, es ei­nem Kunst­his­to­ri­ker, der es be­auf­tragt hat, am Bild­schirm vor­führt. Die se­kun­där­me­di­a­le Ver­wen­dung er­gibt sich z.B., wenn das Bild in ei­nem Buch über die Darm­städ­ter Ma­thil­den­hö­he ver­wen­det wird: Der Au­tor, der das Bild et­wa zur Il­lus­tra­ti­on sei­nes Tex­tes ver­wen­det, und der Le­ser sind vor al­lem zeit­lich deut­lich se­pa­riert. Wird das Bild hin­ge­gen in ei­ner Vi­de­o­kon­fe­renz be­nutzt, in der zwei Grup­pen von Kunst­his­to­ri­kern in ver­schie­de­nen Städ­ten be­stimm­te Fra­gen zum Mu­sik­zim­mer des «Hau­ses Beh­rens» klä­ren wol­len, wird das Bild ter­ti­är­me­di­al ein­ge­setzt. Die quar­tär­me­di­a­le Nut­zung tritt schließ­lich auf, wenn eben die­ses Bild als Teil ei­ner gan­zen Se­rie com­pu­ter­ge­ne­rier­ter Bil­der in ei­nem im­mer­si­ven Sys­tem auf­taucht, in dem ein Be­nut­zer mit der Maus ei­nen vir­tu­el­len Rund­gang durch die vir­tu­el­le Re­kon­struk­ti­on des Hau­ses steu­ert.

Der Einfluß der Medienklasse auf das Bildhan­deln betrifft Inter­aktions-, Selbst- und Sachbe­zug. Hinsicht­lich des Sachbe­zugs ist es bei der primär­media­len Nutzung offen­sichtlich ganz unprob­lema­tisch, klären­de Rückfra­gen zu Bild oder Bildin­halt zu stellen und diese sogar mit deikti­schen Ele­menten zu kombi­nieren. Auch bei tertiär­media­lem Einsatz sind klären­de Rückfra­gen möglich; aller­dings werden nun Zeige­handlun­gen proble­matisch. Die Option für direk­te Rückfra­gen entfällt bei sekun­därme­dialer Nutzung, bei der höchstens durch beglei­tenden Text oder zusätz­liche, vor allem inhalt­lich damit zusam­menhän­gende Bilder vorge­fertig­te Erläu­terun­gen liefern können. Das gilt in etwas gerin­gerem Maße auch für die quartär­media­le Verwen­dung, die durch inter­akti­ve Mecha­nismen immer­hin eine genau­ere Adap­tion an die jewei­lige Empfän­gerreak­tion möglich wird.

Besonders betroffen von der Situ­iertheit der vermit­telten Kommu­nika­tion ist deren selbstbe­zügli­cher Anteil: Wie sich der jewei­lige Sender in der kommu­nika­tiven Inter­aktion mit dem Bild darstellt ist nur bei primär­media­ler Verwen­dung direkt nachvoll­ziehbar. In den Fällen mit abwe­sendem Produ­zenten spaltet sich die Kommu­nika­tion in zwei teilwei­se unab­hängi­ge Teilkom­muni­katio­nen auf, bei der jeweils als Kommu­nika­tionspart­ner eine Vorstel­lung vom Gegen­über – ein Partner­modell – die Rolle als Kommu­nika­tionspart­ner einnimmt.

Analog erlaubt auch hinsicht­lich des Inter­aktions­bezugs die primär­media­le Verwen­dung zunächst die direk­teste Möglich­keit klären­der Rückfra­gen, gefolgt von der tertiär­media­len Verwen­dung.

Insbesondere bei quartärmedi­aler Verwen­dung wird die Wahrschein­lichkeit erhöht, die Bildlich­keit des Bildes auszu­blenden, es also gar nicht mehr als Bild zu nutzen und das Darge­stellte als virtu­ellen Raum im dezep­tiven Modus zu erle­ben.


Weitere Anmerkungen zu Medien­typo­logien

Trotz ähnlicher Bezeichnun­gen sollte die hier darge­stellte Medien­typo­logie nicht mit der von Vogel vorge­schlage­nen Eintei­lung in Medien n-ter Ordnung (mit n > 0) verwech­selt werden ([Vogel 2003a]Vogel, Matthias (2003).
Medien als Voraussetzungen für Gedanken.
In Medienphilosophie. Beiträge zur Klärung eines Begriffs, 107-134 + 213-215 [Anmerkungen].

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), was nicht zuletzt an dem sehr spezi­ellen Medien­begriff Vogels liegt, den man durchaus als syno­nym zu ‘Zeichen­system’ verste­hen kann. Medien der Ordnung m sind Nota­tionssys­teme für Medien der Ordnung m-1.
Anmerkungen
  1. Wei­te­re Über­le­gun­gen zur Ty­pi­sie­rung von Bil­dern fin­den sich zu­dem in [Plü­ma­cher 2005a]Plümacher, Martina (2005).
    Bildtypologie als Grundlage der Bildwissenschaft.
    In Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung, 132-143.

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    .
  2. Die kör­per­ei­ge­ne Aus­stat­tung zählt hier al­so eben­so we­nig un­ter tech­ni­sche Hil­fen, wie das “Me­di­um” Luft mit sei­nen spe­zi­fi­schen phy­si­ka­li­schen Ei­gen­schaf­ten, Schall und Licht zu über­tra­gen.
  3. Ana­log: Wa­rum soll­te das Ver­wen­den ei­ner Bril­le nicht als tech­ni­sches Hilfs­mit­tel ge­wer­tet wer­den?
  4. Wird al­so in ei­ner sehr lau­ten Um­ge­bung (et­wa in ei­nem Hub­schrau­ber­cock­pit) oder in ei­ner Um­ge­bung oh­ne Schall­lei­tung (et­wa bei dem Au­ßen­ein­satz von As­tro­nau­ten im Welt­all) Funk­tech­nik zur münd­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­wen­det, kann es sich trotz der be­tei­lig­ten Tech­nik durch­aus um ei­ne pri­mär­me­di­a­le Kom­mu­ni­ka­ti­on han­deln.
  5. Da­mit wird im Übri­gen auch klar, wa­rum Hör­ge­rä­te, Bril­len oder Sprech­hil­fen nicht zu den für die Ty­po­lo­gi­sie­rung re­le­van­ten tech­ni­schen Hilfs­mit­teln ge­zählt zu wer­den brau­chen: Sie ver­än­dern die re­la­ti­ve Si­tu­ie­rung der Me­di­en­nut­zer nicht.
  6. We­gen der not­wen­di­gen Nach­rich­ten­lauf­zeit in je­dem Me­di­um ge­hen bei die­ser Be­stim­mung üb­ri­gens Ter­ti­är­me­di­en beim Über­brü­cken sehr gro­ßer Ent­fer­nun­gen schließ­lich mehr oder we­ni­ger flie­ßend in Se­kun­där­me­di­en über, ob­wohl bei­de Sei­ten tech­ni­sche Hil­fen ein­set­zen mö­gen: Wenn die Über­tra­gungs­dau­er zu groß wird, kann die zeit­li­che Syn­chro­ni­sa­ti­on zwi­schen Sen­der- und Emp­fän­ger­hand­lun­gen nicht mehr auf­recht er­hal­ten wer­den, was zu ganz ent­spre­chen­den Aus­wir­kun­gen auf die ver­mit­tel­ten Zei­chen­hand­lun­gen führt.
  7. Vgl.: Wiki­pe­dia: Künst­li­che In­tel­li­genz.
  8. Da­zu zäh­len bei­spiels­wei­se auch die mo­bi­len Na­vi­ga­ti­ons­ge­rä­te, die sich seit ei­ni­gen Jah­ren gro­ßer Be­liebt­heit er­freu­en; ⊳ In­ter­ak­ti­ves Bild.
  9. Vgl. auch Wi­ki­pe­dia: Im­mer­si­on​ (vir­tu­el­le Rea­li­tät).
  10. So ver­steht man bei­spiels­wei­se un­ter ei­ner in­ter­ak­ti­ven Stra­ßen­kar­te ein Com­pu­ter­sys­tem, mit des­sen Hil­fe man sich zu­nächst ein­mal ei­ne Stra­ßen­kar­te prä­sen­tie­ren kann; zu­dem ver­spricht die­se Be­zeich­nung aber auch, dass die ge­zeig­te Kar­te und eben­so ih­re Prä­sen­ta­ti­on vom Nut­zer auf nicht-​tri­vi­a­le Art und Wei­se be­ein­flusst wer­den kön­nen, et­wa durch Zoo­men, Ver­schie­ben des ge­zeig­ten Aus­schnitts, Ver­grö­ßern oder Ver­klei­nern der Be­schrif­tung, Weg­las­sen oder Zu­fü­gen von Bahn­li­ni­en, Flüs­sen oder Se­hens­wür­dig­kei­ten, Su­chen ei­ner Ad­res­se und Her­vor­he­bung des Re­sul­tats in der Kar­te, Be­rech­nung und Dar­stel­lung ei­ner Rou­te, usw.; vgl. auch [Schir­ra 2005a]Schirra, Jörg R.J. (2005).
    Foundation of Computational Visualistics. Wiesbaden: DUV, ISBN: 3-8350-6015-5 .

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    : Sec. 4.4.3.
  11. Ins­be­son­de­re sind das: (1) Au­tor (all­ge­mei­ner: ‘Pro­du­zent’ oder ‘Sen­der’) und sein vor­ge­stell­ter Le­ser (all­ge­mei­ner: ‘Re­zi­pi­ent’ oder ‘Emp­fän­ger’; Pro­duk­ti­ons­si­tu­a­ti­on wird fo­kus­siert) und (2) Le­ser und der von ihm ima­gi­nier­te Au­tor (bzw. ein ima­gi­nier­ter an­de­rer; Re­zep­ti­ons­si­tu­a­ti­on wird fo­kus­siert); ⊳ Bild­re­zep­ti­on als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess.
  12. Von der wei­te­ren Mög­lich­keit, dass ein Nut­zer das Er­geb­nis sei­ner Be­schäf­ti­gung mit dem in­ter­ak­ti­ven Sys­tem zu ei­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Drit­ten nutzt, se­hen wir hier ab.
Literatur                             [Sammlung]

[Faßler 1997a]:
Literaturangabe fehlt. Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als: Buch, Artikel in Zeitschrift, Beitrag in Sammelband, Sammelband, andere Publikation. [Plü­ma­cher 2005a]: Plümacher, Martina (2005). Bildtypologie als Grundlage der Bildwissenschaft. In: Sachs-Hombach, Klaus (Hg.): Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Köln: Herbert von Halem Verlag, S. 132-143.

[Pross 1972a]: Pross, Harry (1972). Medienforschung. Film, Funk, Presse, Fernsehen. Darmstadt: Habel. [Schir­ra 2005a]: Schirra, Jörg R.J. (2005). Foundation of Computational Visualistics. Wiesbaden: DUV, ISBN: 3-8350-6015-5 . [Vogel 2003a]: Vogel, Matthias (2003). Medien als Voraussetzungen für Gedanken. In: Münker, Stefan; Roesler, Alexander & Sandbothe, Mike (Hg.): Medienphilosophie. Beiträge zur Klärung eines Begriffs. Frankfurt a.M.: Fischer, S. 107-134 + 213-215 [Anmerkungen].


Hilfe: Nicht angezeigte Literaturangaben

Ausgabe 1: 2013

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Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra [61], Dimitri Liebsch [5] und Emilia Didier [1] — (Hinweis)