Ekphrasis: Unterschied zwischen den Versionen

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(Ekphrasis – hörend und lesend sehen)
(Ekphrasis und Kunstbeschreibung)
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Vor allem antike literarische Ekphrasen wurden in der Frühen Neuzeit Vorlage bildkünstlerischen Schaffens, wie beispielsweise Tizians ''Venusfest'' (1518-19, Madrid, Prado), das Passagen aus Philostrats ''Eikónes'' bildkünstlerisch umsetzt (<bib id='Rosen 2001a'>Rosen 2001</bib>, 92ff; für weitere Bsp. <bib id='Löhr 2003a'>Löhr 2003</bib>, 78-79).
 
Vor allem antike literarische Ekphrasen wurden in der Frühen Neuzeit Vorlage bildkünstlerischen Schaffens, wie beispielsweise Tizians ''Venusfest'' (1518-19, Madrid, Prado), das Passagen aus Philostrats ''Eikónes'' bildkünstlerisch umsetzt (<bib id='Rosen 2001a'>Rosen 2001</bib>, 92ff; für weitere Bsp. <bib id='Löhr 2003a'>Löhr 2003</bib>, 78-79).
  
Seit den 1990er Jahren steht die Ekphrasis im besonderen Interesse der literatur-, sprach- , kunst- und bildwissenschaftlichen Forschung vor allem im Hinblick auf intermediale Bezüge und Zeichenhaftigkeit, wobei immer auch definitorische Aktualisierungen und Präzisierungen unternommen werden (<bib id='Boehm & Pfotenhauer 1995a'>Boehm & Pfotenhauer 1995</bib>; <bib id='Boehm 1995a'>Boehm 1995</bib>; <bib id='Pfotenhauer 1996a'>Pfotenhauer 1996</bib>; <bib> id='Wagner 1996a'>Wagner 1996</bib>; <bib id='Wandhoff 2001a'>Wandhoff 2001</bib>;  <bib id='Schaefer & Rentsch 2004a'>Schaefer & Rentsch 2004</bib>; <bib id='Drügh 2006a'>Drügh 2006</bib>; <bib id='Baumann 2011'>Baumann 2011</bib>) oder für die ausschließliche Verwendung des Begriffs im antiken Kontext plädiert wird (<bib id='Rosenberg 2007a'>Rosenberg 2007</bib>; <bib id='Webb 2009a'>Webb 2009</bib>).
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Seit den 1990er Jahren steht die Ekphrasis im besonderen Interesse der literatur-, sprach- , kunst- und bildwissenschaftlichen Forschung vor allem im Hinblick auf intermediale Bezüge und Zeichenhaftigkeit, wobei immer auch definitorische Aktualisierungen und Präzisierungen unternommen werden (<bib id='Boehm & Pfotenhauer 1995a'>Boehm & Pfotenhauer 1995</bib>; <bib id='Boehm 1995a'>Boehm 1995</bib>; <bib id='Pfotenhauer 1996a'>Pfotenhauer 1996</bib>; <bib id='Wagner 1996a'>Wagner 1996</bib>; <bib id='Wandhoff 2001a'>Wandhoff 2001</bib>;  <bib id='Schaefer & Rentsch 2004a'>Schaefer & Rentsch 2004</bib>; <bib id='Drügh 2006a'>Drügh 2006</bib>; <bib id='Baumann 2011'>Baumann 2011</bib>) oder für die ausschließliche Verwendung des Begriffs im antiken Kontext plädiert wird (<bib id='Rosenberg 2007a'>Rosenberg 2007</bib>; <bib id='Webb 2009a'>Webb 2009</bib>).
  
 
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Version vom 14. Februar 2013, 16:07 Uhr


Unterpunkt zu: Sprechen über Bilder


Ekphrasis – hörend und lesend sehen

„Ekphrasis“ ist ein aus der Rhetorik stammender Begriff, der eine besonders anschauliche, weil wirkmächtige sprachliche Darstellung bezeichnet. Im Gegensatz zum heutigen Sprachgebrauch, der unter „Ekphrasis“ die Kunstbeschreibung versteht, begriff die Antike darunter noch jedwede Beschreibung von Gegenständen, darunter auch von Kunstwerken, aber ebenso von Personen, Landschaften und Bauwerken.

Nikolaos von Myra definiert Ekphrasis als „eine ausführliche Rede, die das zu Zeigende deutlich zu Gesicht bringt” und grenzt sie von einem Bericht ab, in dem schlicht eine Abfolge von Ereignissen geschildert wird. Ekphrasis zielt auf höchste Anschaulichkeit, sie versucht durch das Wort zur Imagination von Bildern anzuleiten, also „die Hörer zu Zuschauern zu machen”.[1] Durch die Verwendung von Metaphern, lautmalerischen Wendungen und Synästhesien wird ein mentales Vor-Augen-stellen erreicht, wobei der „Modus der Erzählung” nicht unterbrochen, sondern um eine allegorische Ebene erweitert wird ([Löhr 2003]Löhr, Wolf-Dietrich (2003).
Ekphrasis.
In Metzler-Lexikon Kulturwissenschaft: Ideen, Methoden, Begriffe, 76-80.

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, 76).

Das griechische Wort „Ekphrasis” (ek: aus, hervor; phrazéin: sagen, aussprechen) bezeichnet eine besonders anschauliche Beschreibung oder eine mit allen Sinnen vergegenwärtigende Darstellung eines Geschehens in einer Rede. Das Gegenstück in der lateinischen Rhetorik ist descriptio, allerdings setzte sich der griechische Terminus durch. Die descriptio war im Gegensatz zur Ekphrasis keine eigene Gattung, sondern nur Beschreibung im allgemeinen Sinn, und sie wurde auch nicht wie die Ekphrasis institutioneller Bestandteil der Anfängerübungen, der so genannten progymnasmata.[2].

In der neuzeitlichen und modernen Bildbeschreibung bezeichnet „Ekphrasis“ die charakterisierende Beschreibung eines meist real existierenden Kunstwerks, was auch in einer neueren Definition von Ekphrasis Ausdruck findet: „ekphrasis is the verbal representation of visual representation” ([Heffernan 1999]Heffernan, James A.W. (1999).
Speaking for Pictures: The rhetoric of art criticism. In Word & Image, 15, 19-33.

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, XX).[3]

Ziel und Funktion der Ekphrasis

Die visuelle Qualität der Sprache soll genutzt werden, um die abwesenden Bilder wie anwesend erscheinen zu lassen. Dabei ist die faktische Existenz des beschriebenen Objekts keine notwendige Bedingung. Vor allem in antiken Texten finden sich Ekphrasen, die ein nur in der textuellen Fiktion existierendes Kunstwerk beschreiben. Nach Giuliani stellt vor allem „die Abwesenheit der Bilder eine notwendige Bedingung des ästhetischen Spiels” dar ([Giuliani 2006]Giuliani, Luca (2006).
Die unmöglichen Bilder des Philostrat: Ein antiker Beitrag zur Paragone-Debatte. In Pegasus. Berliner Beiräge zum Nachleben der Antike, 8, 91-116.

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, 94). Ziel ist dabei immer, in den Zuhöreren Emotionen auszulösen (vgl. [Webb 1999]Webb, Ruth (1999).
Ekphrasis ancient and modern: the invention of a genre. In Word & Image, 15, 7-18.

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, 13). In der Rhetorikausbildung sollte durch Ekphrasis die affektive Wirkung der Beschreibung auf die Zuhörer eingeübt werden. Durch Ekphrasis soll ein maximaler Anschaulichkeitseffekt (enargeia/evidentia) erzielt werden. Nach Quintilian ist enargeia die Eigenschaft der Rede, Vergangenes oder allgemein nicht Gegenwärtiges vor dem inneren Auge sichtbar zu machen und dabei durch die Kraft des Wortes und die emotionale Bewegtheit des Rhetors den Wortcharakter des Textes aufzuheben,[4] was in der Formel „an die äußere tritt die innere Schau” programmatisch zusammengefasst werden kann ([Graf 1995]Graf, Fritz (1995).
Ekphrasis. Die Entstehung der Gattung in der Antike.
In Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart, 143-156.

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, 145-146). Männlein-Robert stellt den besonderen Anteil des Lesers/Betrachters an der Konstitution des imaginierten Bildes heraus, denn die Beschreibung der Kunstwerke vor allem in der hellenistischen Dichtung sei in der Regel „ausschnitthaft und auf Wesentliches konzentriert” ([Männlein-Robert 2007]Männlein-Robert, Irmgard (2007).
Stimme, Schrift und Bild: zum Verhältnis der Künste in der hellenistischen Dichtung. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.

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, 2).

Ekphrasis und Kunstbeschreibung

Aus der Ekphrasis als rhetorischer Form entwickelt sich in der Spätantike eine selbstständige literarische Textgattung der Bild- bzw. Kunstbeschreibung.[5] Die um 200 n. Chr. entstandenen Eikónes des Philostrat gelten als ihr frühestes Beispiel ([Giuliani 2006]Giuliani, Luca (2006).
Die unmöglichen Bilder des Philostrat: Ein antiker Beitrag zur Paragone-Debatte. In Pegasus. Berliner Beiräge zum Nachleben der Antike, 8, 91-116.

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, Graf 1995). In der einleitenden Vorrede wird der vermeintliche Entstehungskontext des Werkes erläutert – angeblich eine Demonstration der Redekunst des Autors vor jugendlichen Rhetorikschülern. Die folgenden 65 Beschreibungen von Kunstwerken weisen aber eine ganz eigene Narrativität auf, die über die bloße Beschreibung eines Bildes hinaus gehen und einen eigenen narrativen Fiktionsraum schaffen. Mit seinem Text lobt Philostrat die Bildkunst und stellt zugleich die Überlegenheit (seiner) Wortkunst unter Beweis (vgl. [Giuliani 2006]Giuliani, Luca (2006).
Die unmöglichen Bilder des Philostrat: Ein antiker Beitrag zur Paragone-Debatte. In Pegasus. Berliner Beiräge zum Nachleben der Antike, 8, 91-116.

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, 95). Mit der Entwicklung der Kunsttheorie in der Frühen Neuzeit verändert sich auch die Form der Kunstbeschreibungen, die nicht mehr "nur" Teil eines literarischen Werks sind wie beispielsweise in den zahlreichen Künstlerviten. Die Vergegenwärtigung eines spezifischen Bildes durch eine detailgenaue Beschreibung rückt in den Mittelpunkt, und es werden, u.a. von Giorgio Vasari, Gian Pietro Bellori, André Félibien und später auch von Denis Diderot, systematische Kriterien entwickelt - wie die Beachtung der Komposition, der Stilidiome, der Ikonographie -, die eine Beschreibung im Hinblick auf Wiedererkennbarkeit des einzelnen Kunstwerks zum Ziel haben ([Rosenberg 1995]Rosenberg, Raphael (1995).
Von der Ekphrasis zur wissenschaftlichen Bildbeschreibung : Vasari, Agucchi, Félibien, Burckhardt. In Zeitschrift für Kunstgeschichte, 58, 297-318.

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, 306). Bildbeschreibungen sind ein zentrales Element in Kunstkritik und Kunstwissenschaft, die aus der Rhetorik eigene Maßstäbe für die Bewertung von Kunstwerken entwickelten ([Rosenberg 2007]Rosenberg, Raphael (2007).
Inwiefern Ekphrasis keine Bildbeschreibung ist.
In Zeitschrift für Kunstgeschichte, 271-282.

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, 271).[6] Vor allem antike literarische Ekphrasen wurden in der Frühen Neuzeit Vorlage bildkünstlerischen Schaffens, wie beispielsweise Tizians Venusfest (1518-19, Madrid, Prado), das Passagen aus Philostrats Eikónes bildkünstlerisch umsetzt ([Rosen 2001]Rosen, Valeska von (2001).
“Diletto dei sensi” und “diletto dell'intelletto”. Bellinis und Tizians ‘bacchanalien’ für Alfonso d'Este in ihrem Rezeptionskontext. In Städel-Jahrbuch, N.F. 18, 81-112.

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, 92ff; für weitere Bsp. [Löhr 2003]Löhr, Wolf-Dietrich (2003).
Ekphrasis.
In Metzler-Lexikon Kulturwissenschaft: Ideen, Methoden, Begriffe, 76-80.

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, 78-79). Seit den 1990er Jahren steht die Ekphrasis im besonderen Interesse der literatur-, sprach- , kunst- und bildwissenschaftlichen Forschung vor allem im Hinblick auf intermediale Bezüge und Zeichenhaftigkeit, wobei immer auch definitorische Aktualisierungen und Präzisierungen unternommen werden ([Boehm & Pfotenhauer 1995]Boehm, Gottfried; Pfotenhauer, Helmut (1995).
Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. München: Fink.

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; [Boehm 1995]Boehm, Gottfried (1995).
Bildbeschreibung. Über die Grenzen von Bild und Sprache.
In Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart, 23-40.

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; [Pfotenhauer 1996]Pfotenhauer, Helmut (1996).
Die nicht mehr abbildenden Bilder: zur Verräumlichung der Zeit in der Prosaliteratur um 1800. In Poetica : Zeitschrift für Sprach- und Literaturwissenschaft, 28, 3/4, 345-355.

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; [Wagner 1996]Literaturangabe fehlt.
Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als:
- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
; [Wandhoff 2001]Wandhoff, Heiko (2001).
Ekphrasis. Bildbeschreibungen in der Literatur von der Antike bis in die Gegenwart.
In Audiovisualität vor und nach Gutenberg. Zur Kulturgeschichte der medialen Umbrüche, 175-184.

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; [Schaefer & Rentsch 2004]Schaefer, Christina & Rentsch, Stefanie (2004).
Ekphrasis. Anmerkungen zur Begriffsbestimmung in der neueren Forschung. In Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, 114, 2, 132-165.

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; [Drügh 2006]Drügh, Heinz J. (2006).
Ästhetik der Beschreibung - poetische und kulturelle Energie deskriptiver Texte (1700-2000). Studien und Texte zur Kulturgeschichte deutschsprachiger Literatur. Tübingen: Francke.

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; [Baumann 2011]Literaturangabe fehlt.
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- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
) oder für die ausschließliche Verwendung des Begriffs im antiken Kontext plädiert wird ([Rosenberg 2007]Rosenberg, Raphael (2007).
Inwiefern Ekphrasis keine Bildbeschreibung ist.
In Zeitschrift für Kunstgeschichte, 271-282.

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; [Webb 2009]Webb, Ruth (2009).
Ekphrasis, imagination and persuasion in ancient rhetorical theory and practice. Farnham [u.a.]: Ashgate.

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).

Beispiele

Gewissermaßen als Urtext der literarischen Ekphrasis gilt die Beschreibung des Schildes des Achill in der Ilias des Homer (18. Gesang, 478-608, Hampe 1979). Die besondere narrative Qualität des Textes lässt Hörer bzw. Leser dem Entstehungsprozess des Schildes in der Schmiede des Hephaistos beiwohnen. Die Rezipienten werden sukzessive zu einer vollständigen Imagination und Vergegenwärtigung angeleitet (ausführlich dazu: [Moog-Grünewald 2001]Moog-Grünewald, Maria (2001).
Der Sänger im Schild - oder: Über den Grund ekphrastischen Schreibens.
In Behext von Bildern? Ursachen, Funktionen und Perspektiven der textuellen Faszination durch Bilder.

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).[7]


Erst nun formt' er den Schild, den ungeheuren und starken,
Ganz ausschmückend mit Kunst. Ihn umzog er mit schimmerndem Rande,
Dreifach und blank, und fügte das silberne schöne Gehenk an.
Aus fünf Schichten gedrängt war der Schild selbst; oben darauf nun
Bildet' er mancherlei Kunst mit erfindungsreichem Verstande.
Drauf nun schuf er die Erd', und das wogende Meer, und den Himmel,
Auch den vollen Mond, und die rastlos laufende Sonne; [...]

Drauf zwei Städt' auch schuf er der vielfach redenden Menschen,
Blühende: voll war die ein' hochzeitlicher Fest' und Gelage.
Junge Bräut' aus den Kammern, geführt beim Scheine der Fackeln,
Gingen einher durch die Stadt; und hell erhob sich das Brautlied:
Tanzende Jünglinge drehten behende sich unter dem Klange,
Der von Flöten und Harfen ertönete; [...]


Vasaris Vite dei più illustri pittori, scultori ed architetti (1550/ 1568) enthalten zahlreiche ekphrastische Passagen nach rhetorischem Muster, in denen die Bilder vorrangig in Hinblick auf ihre narrativen Qualitäten beschrieben werden (Alpers 1960/1995). Ausführlicher sind die zahlreiche Bildbeschreibungen in Belloris Le vite de' pittori, scultori et architetti moderni (1672). In der Kunstgeschichte bzw. -wissenschaft ist die Beschreibung von Kunstwerken zentral und wirft immer wieder die Frage auf, inwiefern Sprache abbildet und abbilden kann ([Baxandall 1990]Baxandall, Michael (1990).
Ursachen der Bilder. Über das historische Erklären von Kunst. Berlin: Reimer, zuerst engl.: Patterns of intentention, 1985.

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; [Bätschmann 2009]Bätschmann, Oskar (2009).
Beschreibung und Illustration.
In Ekstatische Kunst - besonnenes Wort. Aby Warburg und die Denkräume der Ekphrasis, 55-66.

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). Beispielhaft sei Aby Warburg genannt, der in seiner amorphen, an Neologismen reichen Sprache in Bezug auf die sprachwissenschaftlichen Theorien seiner Zeit versucht hat in „sprachlicher Bildkonzeption verbunden mit bildlicher Sprachkonzeption” ([Schiffermüller 2009]Literaturangabe fehlt.
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- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
, 9) bildlichen Ausdruckswerten ein sprachliches Abbild zu verleihen. Die Beispiele literarischer Ekphrasis sind zahlreich.[8] Eine besondere Rolle kommt der Ekphrasis in der Lyrik, im so genannten Bildgedicht zu ([Kranz 1976]Kranz, Gisbert (1976).
Gedichte auf Bilder. Anthologie und Galerie. München: Dt. Taschenbuch Verlag.

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; Hollander 1995; [Frangenberg 2003]Frangenberg, Thomas (2003).
Poetry on art : Renaissance to Romanticism. Donington: Schaun Tyas.

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).

Ekphrasis im Kontext

Schon qua definitionem ist Ekphrasis eine Form der Intermedialität, da es um die Übertragung eines bildkünstlerischen Mediums in Sprachkunst geht ([Reulecke 2002]Reulecke, Anne-Kathrin (2002).
Geschriebene Bilder - zum Kunst- und Mediendiskurs in der Gegenwartsliteratur. München: Fink.

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). In diesem Kontext wird natürlich auch der Topos des paragone, des Wettstreits der Künste, aufgerufen und damit die auf Horaz zurückgehende Formel Ut pictura poiesis, in der das Verhältnis von Malerei und Dichtung thematisiert wird. Im Kontext der Ekphrasis steht auch immer die Frage nach der Narration bzw. nach dem Verhältnis von Beschreibung und Erzählung, von histoire und discours ([Fowler 1991]Fowler, D.P. (1991).
Narrate and describe: The problem of ekphrasis. In The Journal of Roman Studies, 81, 25-35.

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).

Hollander stellt einen Bezug zu Emblemen (imprese) her und weist auf die Beziehung von Bild und Text hin. Der bildbegleitende Text sei eine „reductive ecphrasis” (Hollander 1995).

Problemstellungen in der Semiotik führen zu der Frage, wie denn Wörter bildhaften, in gewisser Weise abbildhaften, gegenständlichen Charakter annehmen können, wenn sie doch selber nur Abstrakta sind – und berühren damit den Kern der Ekphrasis ([Krieger 1992]Krieger, Murray (1992).
Ekphrasis - the illussion of the natural sign. Baltimore [u.a.]: John Hopkins University Press.

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und [Krieger 1995]Krieger, Murray (1995).
Das Problem der Ekphrasis: Wort und Bild, Raum und Zeit — und das literarische Werk.
In Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart, 41-57.

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).


Siehe auch:



Anmerkungen
  1. Das Zitat lautet im Weiteren: „Wir beschreiben aber Orte, Zeiten, Personen, Feste, Taten […]. Wann immer wir aber beschreiben möchten […] Statuen oder Bilder oder derartiges sonst, soll man aber versuchen, Überlegungen zu solchem oder solchem hinzuzufügen von Seiten der Verfassung des Malers oder des Bildhauers.” ([Spengel 1966a]Literaturangabe fehlt.
    Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als:
    - Buch,
    - Artikel in Zeitschrift,
    - Beitrag in Sammelband,
    - Sammelband,
    - andere Publikation,
    - Glossarlemma.
    , 491; [Boeder 1996]Boeder, Maria (1996).
    Visa et vox. Sprache und Bild in der spätantiken Literatur. Frankfurt a.M.: Lang.

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    , 40)
  2. Vier der Bücher mit progymnasmata aus dem 1. bis 5. Jahrhundert sind überliefert. Ihre Autoren sind Aelius Theon, Hermogenes, Aphtonius Sophistes und Nikolaos von Myra. Letzterer ist der einzige Autor, der explizit Kunstwerke als Gegenstand der Ekphrasis erwähnt ([Boeder 1996]Boeder, Maria (1996).
    Visa et vox. Sprache und Bild in der spätantiken Literatur. Frankfurt a.M.: Lang.

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    , 34-41.)
  3. Umstritten bleibt die Verwendung des Begriffs in der Musik(-wissenschaft) im Sinne von Komponieren nach Bildern bzw. von programmbezogenem Komponieren. (Weiterführend dazu beispielsweise [Fink 1988]Fink, Monika (1988).
    Musik nach Bildern. Programmbezogenes Komponieren im 19. und 20. Jahrhundert. Innsbruck: Helbling.

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    und [Bruhn 2000]Bruhn, Sieglind (2000).
    Mucial Ecphrasis: Composers Responding to Poetry and Painting. New York: Pendragon Press.

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    .
  4. Quintilian, De institutione oratoria, IV, 2, 63f.; VI, 2, 32; VIII, 3, 63.
  5. Ausführlich wird die Gattungsgeschichte dargestellt in: [Friedländer 1912]Friedländer, Paul (1912).
    Johannes von Gaza und Paulus Silentiarius. Kunstbeschreibungen justinianischer Zeit. Leipzig: Teubner.

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  6. Beispielsweise wurden die beiden ersten Produktionsstadien der Rede inventio und dispotio aus der Rhetorik für den Kunstdiskurs übernommen; die Kriterien der elocutio, memoria und pronuntiatio jedoch nicht (vgl. [Rosenberg 2007]Rosenberg, Raphael (2007).
    Inwiefern Ekphrasis keine Bildbeschreibung ist.
    In Zeitschrift für Kunstgeschichte, 271-282.

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    , 272).
  7. Das Besondere der gesamten Schildbeschreibung ist die Selbstreferentialität des Textes. Der Vortragende tritt als Künstler in Erscheinung und der Text selbst wird als Kunstwerk vorgeführt. Somit wird offenbar, dass es sich auch bei dem Schild um ein fiktives Kunstwerk handelt (ebd.).
  8. Eine umfangreiche Liste ekphrastischer Werke von der Antike bis zum Mittelalter liefert [Downey 1959]Downey, G. (1959).
    Ekphrasis. In Reallexikon für Antike und Christentum, IV, Sp.921-944.

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    .
Literatur                             [Sammlung]

[Baumann 2011]:
Literaturangabe fehlt.
Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als:
- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
[Baxandall 1990]: Baxandall, Michael (1990). Ursachen der Bilder. Über das historische Erklären von Kunst. Berlin: Reimer, zuerst engl.: Patterns of intentention, 1985.

[Boeder 1996]: Boeder, Maria (1996). Visa et vox. Sprache und Bild in der spätantiken Literatur. Frankfurt a.M.: Lang. [Boehm & Pfotenhauer 1995]: Boehm, Gottfried; Pfotenhauer, Helmut (Hg.) (1995). Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. München: Fink. [Boehm 1995]: Boehm, Gottfried (1995). Bildbeschreibung. Über die Grenzen von Bild und Sprache. In: Boehm, Gottfried; Pfotenhauer, Helmut (Hg.): Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. München: Fink, S. 23-40. [Bruhn 2000]: Bruhn, Sieglind (2000). Mucial Ecphrasis: Composers Responding to Poetry and Painting. New York: Pendragon Press. [Bätschmann 2009]: Bätschmann, Oskar (2009). Beschreibung und Illustration. In: Kofler, Peter (Hg.): Ekstatische Kunst - besonnenes Wort. Aby Warburg und die Denkräume der Ekphrasis. Wien: Studien-Verlag, S. 55-66. [Downey 1959]: Downey, G. (1959). Ekphrasis. Reallexikon für Antike und Christentum, Band: IV, Sp.921-944. [Drügh 2006]: Drügh, Heinz J. (Hg.) (2006). Ästhetik der Beschreibung - poetische und kulturelle Energie deskriptiver Texte (1700-2000). Studien und Texte zur Kulturgeschichte deutschsprachiger Literatur. Tübingen: Francke. [Fink 1988]: Fink, Monika (1988). Musik nach Bildern. Programmbezogenes Komponieren im 19. und 20. Jahrhundert. Innsbruck: Helbling. [Fowler 1991]: Fowler, D.P. (1991). Narrate and describe: The problem of ekphrasis. The Journal of Roman Studies, Band: 81, S. 25-35. [Frangenberg 2003]: Frangenberg, Thomas (2003). Poetry on art : Renaissance to Romanticism. Donington: Schaun Tyas. [Friedländer 1912]: Friedländer, Paul (1912). Johannes von Gaza und Paulus Silentiarius. Kunstbeschreibungen justinianischer Zeit. Leipzig: Teubner. [Giuliani 2006]: Giuliani, Luca (2006). Die unmöglichen Bilder des Philostrat: Ein antiker Beitrag zur Paragone-Debatte. Pegasus. Berliner Beiräge zum Nachleben der Antike, Band: 8, S. 91-116. [Graf 1995]: Graf, Fritz (1995). Ekphrasis. Die Entstehung der Gattung in der Antike. In: Boehm, Gottfried; Pfotenhauer, Helmut (Hg.): Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. München: Fink, S. 143-156. [Heffernan 1999]: Heffernan, James A.W. (1999). Speaking for Pictures: The rhetoric of art criticism. Word & Image, Band: 15, S. 19-33. [Kranz 1976]: Kranz, Gisbert (Hg.) (1976). Gedichte auf Bilder. Anthologie und Galerie. München: Dt. Taschenbuch Verlag. [Krieger 1992]: Krieger, Murray (1992). Ekphrasis - the illussion of the natural sign. Baltimore [u.a.]: John Hopkins University Press. [Krieger 1995]: Krieger, Murray (1995). Das Problem der Ekphrasis: Wort und Bild, Raum und Zeit — und das literarische Werk. In: Boehm, Gottfried; Pfotenhauer, Helmut (Hg.): Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. München: Fink, S. 41-57. [Löhr 2003]: Löhr, Wolf-Dietrich (2003). Ekphrasis. In: Pfisterer, Ulrich (Hg.): Metzler-Lexikon Kulturwissenschaft: Ideen, Methoden, Begriffe. Stuttgart [u.a.]: Metzler, S. 76-80. [Moog-Grünewald 2001]: Moog-Grünewald, Maria (2001). Der Sänger im Schild - oder: Über den Grund ekphrastischen Schreibens. In: Drügh, Heinz J. (Hg.): Behext von Bildern? Ursachen, Funktionen und Perspektiven der textuellen Faszination durch Bilder. Heidelberg: Winter. [Männlein-Robert 2007]: Männlein-Robert, Irmgard (2007). Stimme, Schrift und Bild: zum Verhältnis der Künste in der hellenistischen Dichtung. Heidelberg: Universitätsverlag Winter. [Pfotenhauer 1996]: Pfotenhauer, Helmut (1996). Die nicht mehr abbildenden Bilder: zur Verräumlichung der Zeit in der Prosaliteratur um 1800. Poetica : Zeitschrift für Sprach- und Literaturwissenschaft, Band: 28, Nummer: 3/4, S. 345-355. [Reulecke 2002]: Reulecke, Anne-Kathrin (2002). Geschriebene Bilder - zum Kunst- und Mediendiskurs in der Gegenwartsliteratur. München: Fink. [Rosen 2001]: Rosen, Valeska von (2001). “Diletto dei sensi” und “diletto dell'intelletto”. Bellinis und Tizians ‘bacchanalien’ für Alfonso d'Este in ihrem Rezeptionskontext. Städel-Jahrbuch, Band: N.F. 18, S. 81-112. [Rosenberg 1995]: Rosenberg, Raphael (1995). Von der Ekphrasis zur wissenschaftlichen Bildbeschreibung : Vasari, Agucchi, Félibien, Burckhardt. Zeitschrift für Kunstgeschichte, Band: 58, S. 297-318. [Rosenberg 2007]: Rosenberg, Raphael (2007). Inwiefern Ekphrasis keine Bildbeschreibung ist. In: Knape, Joachim (Hg.): Zeitschrift für Kunstgeschichte. Baden-Baden: Koerner, S. 271-282. [Schaefer & Rentsch 2004]: Schaefer, Christina & Rentsch, Stefanie (2004). Ekphrasis. Anmerkungen zur Begriffsbestimmung in der neueren Forschung. Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Band: 114, Nummer: 2, S. 132-165. [Schiffermüller 2009]:
Literaturangabe fehlt.
Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als:
- Buch,
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[Spengel 1966a]:
Literaturangabe fehlt.
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[Wagner 1996]:
Literaturangabe fehlt.
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[Wandhoff 2001]: Wandhoff, Heiko (2001). Ekphrasis. Bildbeschreibungen in der Literatur von der Antike bis in die Gegenwart. In: Wenzel, Horst (Hg.): Audiovisualität vor und nach Gutenberg. Zur Kulturgeschichte der medialen Umbrüche. Wien: Verlag des Kunsthistor. Museums Wien, S. 175-184. [Webb 1999]: Webb, Ruth (1999). Ekphrasis ancient and modern: the invention of a genre. Word & Image, Band: 15, S. 7-18. [Webb 2009]: Webb, Ruth (2009). Ekphrasis, imagination and persuasion in ancient rhetorical theory and practice. Farnham [u.a.]: Ashgate.


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Verantwortlich:

Thönnes, Barbara

Seitenbearbeitungen durch: Barbara Thönnes [51], Joerg R.J. Schirra [23] und Dimitri Liebsch [21] — (Hinweis)