Figur/Grund-Differenzierung

Aus GIB - Glossar der Bildphilosophie
Version vom 29. Februar 2012, 08:45 Uhr von Elisabeth Birk (Diskussion | Beiträge) (Darstellung des gr. Zusammenhangs)
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Unterpunkt zu: Bildwahrnehmung


Darstellung des gr. Zusammenhangs

Die Figur/Grund Illusion wurde um 1915 durch den dänischen Psychologen Edgar Rubin (1886–1951) theoretisch untersucht. Die sogenannte „Rubinsche Vase“, bei der die Wahrnehmung zweier Gesichter in die Wahrnehmung einer Vase umspringt, spielt in Rubins zweibändigem Werk Synsoplevede Figurer (Visuell wahrgenommene Figuren) (im Original dänisch) zum ersten Mal eine wichtige Rolle. Rubin führte eine Reihe ähnlicher Bilder ein (etwa das schwarz-weiße Malteserkreuz), aber am bekanntesten wurde die Rubinsche Vase. Rubin kam aus Kopenhagen, verbrachte aber einige Zeit in Göttingen, so daß sich eine phänomenologische Perspektive in seiner Auffassung von visueller Wahrnehmung erkennen läßt. Offensichtlicher ist allerdings seine Nähe zur Gestaltphilosophie. Die Rubinsche Vase lieferte einen weiteren Beleg für die These, daß das Netzhautbild nicht mit dem visuell Wahrgenommenen identisch ist und stellt einen Spezialfall der sogenannten multistabilen Wahrnehmung dar. (Man spricht von multistabiler Wahrnehmung, wenn wir uns visuell zweideutigen Darstellungen wie der Rubinsche Vase, dem Necker-Würfel oder Fällen von ??? gegenübersehen.) An der Figur/Grund Illusion läßt sich so das Prinzip der Emergenz deutlich machen (daß wir Gegenstände unserer Umgebung als Ganze und auf einmal wahrnehmen) sowie der produktive Anteil der Wahrnehmung, d.h. die Gegenstandskonstitution (daß das in unserer Erfahrung Wahrgenommene mehr Information über die Raumlage eines Gegenstands enthält als die reinen Sinnesdaten).


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Literatur                            [Sammlung]

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Verantwortlich:

Kapust, Antje

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra [28], Klaus Sachs-Hombach [15], Dimitri Liebsch [7] und Elisabeth Birk [3] — (Hinweis)