Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago': Unterschied zwischen den Versionen

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Das Lateinische verfügt über ein breites, vari&shy;anten&shy;reiches und sich oft ändern&shy;des Voka&shy;bular, um Bilder zu bezeich&shy;nen. Außer den im Weite&shy;ren aufge&shy;führten Aus&shy;drücken sind hier ‘signum’, ‘statua’, ‘pictu&shy;ra’ (abge&shy;leitet von ‘pinge&shy;re’, dem latei&shy;nischen Ausdruck für das Malen) und ‘reprae&shy;senta&shy;tio’ zu nennen. In der Regel gilt, dass sich die verwen&shy;deten Aus&shy;drücke ursprüng&shy;lich auf plasti&shy;sche Gebilde wie [[Skulptur|Skulptu&shy;ren]], Plasti&shy;ken, Büsten, [[Maske]]n und (dann auch) Reliefs bezie&shy;hen und dass sie erst später anfan&shy;gen, Bilder im uns heute geläu&shy;figen Sinne – also plane, flächi&shy;ge Objekte – zu meinen. Das Latei&shy;nische knüpft einer&shy;seits des Öfte&shy;ren, teils sogar einfach nur durch Lati&shy;nisie&shy;rung, an das  [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|griechi&shy;sche Bildvo&shy;kabu&shy;lar]] an, ande&shy;rerseits stellt es viele Grundla&shy;gen für das moder&shy;ne Bildvo&shy;kabu&shy;lar.
  
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==Der »Eigennamen-Typus«==
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
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Wie schon im Griechischen besteht im Latei&shy;nischen die Möglich&shy;keit, Bilder, genau&shy;er: Götter&shy;bilder, auch indi&shy;rekt zu bezeich&shy;nen. Zunächst ist das insbe&shy;sonde&shy;re im Kontext der [[Bildmagie|magi&shy;schen Bildauf&shy;fassung]] der Fall:
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
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<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
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:''Die Sprache kann mit dem bloßen Eigen&shy;namen einer Gottheit das Bild des betref&shy;fenden Gottes oder der Göttin benen&shy;nen, ohne eines der übli&shy;chen bildbe&shy;zeichnen&shy;den Worte wie ‘effi&shy;gies’, ‘ima&shy;go’, ‘signum’, ‘simu&shy;lacrum’ oder ‘statua’ zu verwen&shy;den. Mit diesem Eigen&shy;namen-Typus drückte der frühe&shy;re Mensch seinen Glauben an die Iden&shy;tität von Bild und Gottheit aus, der noch durch keine Refle&shy;xion über den künstle&shy;risch-techni&shy;schen Vorgang bei der Schöpfung des Götter&shy;bildes gebro&shy;chen war'' (<bib id='Daut 1975a'></bib>: S. 14).
<!-- ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
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<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
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Vermutlich ist der Eigennamen-Typus – also beispiels&shy;weise ‘Venus’ sagen und (zugleich auch) ihre Skulptur meinen – im vorli&shy;tera&shy;rischen Latein der eigent&shy;liche Modus, in dem über Götter&shy;bilder  gespro&shy;chen wird. Gera&shy;de in Bezug auf die Laren und Pena&shy;ten, die priva&shy;ten Götter des Haushalts, der Orte und Fami&shy;lien, hält er sich bis in die römi&shy;sche Spätzeit. Darü&shy;ber hinaus findet sich der Eigen&shy;namen-Typus in zwei weite&shy;ren Funkti&shy;onen (vgl. im Folgen&shy;den <bib id='Daut 1975a'></bib>: S. 21, 29). In der Termi&shy;nolo&shy;gie der Kunst&shy;schrift&shy;steller ist es eine belieb&shy;te Abkür&shy;zung, den Namen des darge&shy;stellten Gottes in Verbin&shy;dung mit dem Geni&shy;tiv des Künstler&shy;namens anzu&shy;geben; der «Iuppi&shy;ter Lysi&shy;ppi» etwa ist hier die von Lysipp gefer&shy;tigte Jupi&shy;ter-Statue. Die sati&shy;rische Bilder&shy;kritik schließlich verwen&shy;det den Eigen&shy;namen-Typus, um den magi&shy;schen Bilder&shy;glauben zu verspot&shy;ten. Dabei konter&shy;kariert sie handeln&shy;de und reden&shy;de Götter&shy;bilder mit Hinwei&shy;sen auf ihren Status als Arte&shy;fakt und auf ihre [[Material|Mate&shy;rialbe&shy;schaffen&shy;heit]] – wie Horaz, der dem Priapus die Rede in den Mund legt, einst ein Feigen&shy;baum&shy;strunk gewe&shy;sen zu sein («Sati&shy;ren» 1,8,1-4).
  
  
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==‘Effigies’==
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Die Regel, dass sich Bildausdrücke ursprüng&shy;lich nicht auf plane, flächi&shy;ge Objek&shy;te bezie&shy;hen, zeigt sich im Fall von ‘effi&shy;gies’ beson&shy;ders deutlich; dieser Bildaus&shy;druck leitet sich ety&shy;molo&shy;gisch vom Verb ‘effin&shy;gere’ ab, womit anfangs das plasti&shy;sche Bilden – und wahrschein&shy;lich vor allem das Arbei&shy;ten in Ton – bezeich&shy;net wurde. Bis in die euro&shy;päische Neuzeit ist er zur Bezeich&shy;nung von Bildern und Abbil&shy;dern gebräuch&shy;lich, weist aber außer&shy;dem noch zwei Beson&shy;derhei&shy;ten auf, nämlich im Begräb&shy;niskult und im Recht (vgl. <bib id='Olbrich 1987a'></bib>: Bd. 2, S. 265). In den Begräb&shy;niskul&shy;ten von der Anti&shy;ke bis in die Neuzeit begeg&shy;net mit der ''effi&shy;gies'' ein meist aus vergäng&shy;lichen Mate&shy;riali&shy;en wie Wachs, Leder, Weiden&shy;geflecht, Ton oder Ähnli&shy;chem geform&shy;tes plasti&shy;sches Abbild eines Verstor&shy;benen, für dessen Gesichts&shy;darstel&shy;lung auch die Toten&shy;maske heran&shy;gezo&shy;gen werden konnte. Als Scheinleib dient die ''effi&shy;gies'' bei herrschaft&shy;lichen Begräb&shy;nisze&shy;remo&shy;nien vor allem dann, wenn die Anfor&shy;derun&shy;gen der poli&shy;tischen Reprä&shy;senta&shy;tion mit dem echten Leichnam – vor allem bei länge&shy;rer Dauer der Feier&shy;lichkeit – nicht mehr zu bewäl&shy;tigen sind. Noch länger, mindes&shy;tens bis ins 19. Jahrhun&shy;dert, hält sich im Recht die Praxis, ein Urteil ''in effi&shy;gie'', also im oder am Bild zu voll&shy;strecken. Bei einer Exe&shy;kution ''in effi&shy;gie'' konnte anstel&shy;le des abwe&shy;senden, flüchti&shy;gen Verur&shy;teilten beispiels&shy;weise ein Gemäl&shy;de von ihm verbrannt oder eine plasti&shy;sche Darstel&shy;lung gehängt werden.
  
  
=====Engere Begriffsbestimmung=====
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==‘Species’==
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Keine Beschränkung auf einzelne Bildar&shy;ten ist mit dem Ausdruck ‘species’ gege&shy;ben. Seine Grundbe&shy;deutung lautet ›Erschei&shy;nung‹, was ihn auch zur Über&shy;setzung des griechi&shy;schen ‘[[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'#‘Phantasma’|phantas&shy;ma’]] quali&shy;fiziert. Er wird schon früh auch auf Gemäl&shy;de ange&shy;wendet (vgl. <bib id='Daut 1975a'></bib>: S. 40f.). Neben die vielsei&shy;tige Verwen&shy;dung im Bereich der mate&shy;rialen, sichtba&shy;ren Bilder tritt im Mittel&shy;alter auch der Bezug auf Bilder im über&shy;trage&shy;nen, menta&shy;len Sinne, denn die mittel&shy;alter&shy;liche Erkennt&shy;nistheo&shy;rie disku&shy;tiert ausführ&shy;lich den Status von ''species sensi&shy;bilis'' und ''species intel&shy;ligi&shy;bilis''. Deren Aufga&shy;be ist es, im Erkennt&shy;nispro&shy;zeß zwischen Körper und Geist, zwischen Sinnes&shy;wahrneh&shy;mung und diskur&shy;sivem Denken zu vermit&shy;teln: Die ''species sensi&shy;biles'' reprä&shy;sentie&shy;ren dabei – ähn&shy;lich wie die Aris&shy;tote&shy;lischen ''phantas&shy;mata'' – die von den Sinnen wahrge&shy;nomme&shy;nen Objek&shy;te, während es sich bei den ''species intel&shy;ligi&shy;biles'' um Abstrak&shy;tionen handelt, die der Verstand auf dieser Grundla&shy;ge vornimmt (vgl. <bib id='Spruit 1994a'></bib>: S. 22). Die neuzeit&shy;liche Erkennt&shy;nistheo&shy;rie wird sich von ihnen distan&shy;zieren und wieder&shy;holt kriti&shy;sieren, dass der Erkennt&shy;nispro&shy;zeß nicht in Ana&shy;logie zur Verfer&shy;tigung mate&shy;rialer Bilder erklärt werden könne. René Des&shy;cartes verspot&shy;tet die ''species'' daher als kleine, von den Objek&shy;ten durch die Luft hin zum Geist fliegen&shy;de Bilder, als „petits images volti&shy;geantes“ (<bib id='Descartes 1965a'>Des&shy;cartes 1965a</bib>: S. 85; vgl. auch  [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'#‘Eidolon’|Grie&shy;chisch: ‘agal&shy;ma’, ‘phantas&shy;ma’, ‘eido&shy;lon’, ‘typos’, ‘eikon’, Ab&shy;schnitt ‘Eido&shy;lon’]]).
  
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==‘Simulacrum’==
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Vom Verb ‘simulare’, das in erster Linie ›[[Ähnlichkeit|ähnlich]] machen‹ bedeu&shy;tet, leitet sich ‘simu&shy;lacrum’ ab. Wenngleich damit ganz allge&shy;mein das Eben&shy;bild, Abbild oder Bildnis bezeich&shy;net werden kann, wird in der Anti&shy;ke darun&shy;ter zumeist das kultisch verehr&shy;te Götter&shy;bild verstan&shy;den (vgl. <bib id='Georges 1998a'></bib>: Bd. 2, S. 2678, <bib id='Pearcy 1975a'></bib>: S. 122). Da es sich dabei um eine plasti&shy;sche und ganzfi&shy;guri&shy;ge Darstel&shy;lung handelt (vgl. <bib id='Daut 1975a'></bib>: S. 34), bietet es sich an, ‘simu&shy;lacrum’ in diesem Sinne als mate&shy;riales Bild zu begrei&shy;fen. In Anbe&shy;tracht des kulti&shy;schen Zusam&shy;menhangs und des für ihn ausschlag&shy;geben&shy;den magi&shy;schen Bildver&shy;ständnis&shy;ses ist diese Kate&shy;gori&shy;sierung aller&shy;dings mit einer gewis&shy;sen Vorsicht zu verwen&shy;den. Neben dieser Bedeu&shy;tung findet sich ‘simu&shy;lacrum’ auch, um [["natürliche" Bilder|Schatten-, Spiegel-]], [[Traumbild|Traum-]] und Phanta&shy;siebil&shy;der zu bezeich&shy;nen oder Schatten&shy;bilder der Verstor&shy;benen und auch Gespens&shy;ter (vgl. <bib id='Georges 1998a'></bib>: Bd. 2, S. 2678); in diesen Hinsich&shy;ten eignet sich ‘simu&shy;lacrum’ als Über&shy;setzung des [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'#‘Eidolon’|griechi&shy;schen ‘eido&shy;lon’]]. Auch und gera&shy;de im Zusam&shy;menhang mit den letztge&shy;nannten Bedeu&shy;tungen etab&shy;liert sich eine nega&shy;tive Konno&shy;tation, nämlich die des Trugs und der Täuschung. Dieser eher bedenk&shy;liche Aspekt von ‘simu&shy;lacrum’ verstärkt sich im christli&shy;chen Latein nicht zuletzt deswe&shy;gen, weil die paga&shy;nen ''Götter''&shy;bilder nun als ''Götzen''&shy;bilder dem Verdikt der Unwahr&shy;heit ausge&shy;setzt werden. Wirkmäch&shy;tig ist hier die große Enzy&shy;klopä&shy;die mittel&shy;alter&shy;lichen Wissens, Isi&shy;dor von Sevil&shy;las «Ety&shy;molo&shy;giae», die in Buch VIII, 11 auch eine neue Kompo&shy;nente bei der ety&shy;molo&shy;gischen Ablei&shy;tung des Wortes ins Spiel bringt: „Daher (werden) sie ‘simu&shy;lacra’ (genannt), entwe&shy;der weil sie ähnlich (‘simi&shy;lia’) sind oder weil sie unecht (‘simu&shy;lata’) sind und erfun&shy;den (‘confic&shy;ta’), weshalb sie auch falsch sind“ (<bib id='Isidor von Sevilla 2008a'>Isi&shy;dor von Sevil&shy;la 2008a</bib>: S. 309).
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Einen bemerkenswerten Aufschwung erfährt ‘simu&shy;lacrum’ in der wissen&shy;schaftli&shy;chen Termi&shy;nolo&shy;gie des 20. Jahrhun&shy;derts. Hier erweist sich gera&shy;de der bedenk&shy;liche Aspekt  von ‘simu&shy;lacrum’, nämlich gerade ''kein'' verläss&shy;liches oder treues Abbild von etwas ande&shy;rem zu sein, als rele&shy;vant und anschluss&shy;fähig. Um zwei Beispie&shy;le aus dieser Entwick&shy;lung zu nennen: In der poststruk&shy;tura&shy;listi&shy;schen Medien&shy;theorie gelten Bilder verstärkt als nicht mehr auf Reali&shy;tät verwei&shy;sende, als refe&shy;renzlo&shy;se [[Simulation, Simulakrum|Simu&shy;lakren]] (vgl. <bib id='Baudrillard 1978a'>Baudril&shy;lard 1978a</bib>: S. 10-16). Und der jünge&shy;ren Wissen&shy;schaftsthe&shy;orie zufol&shy;ge lassen sich Wahrheit und Falschheit physi&shy;kali&shy;scher Geset&shy;ze nicht direkt an der Reali&shy;tät erpro&shy;ben, vielmehr bedarf es dazu der Bildung von Model&shy;len, in denen von der Reali&shy;tät abwei&shy;chende Simu&shy;lakren die realen Objek&shy;te vertre&shy;ten (<bib id='Cartwright 1983a'></bib>: S. 3f.).
  
=====optional Beispiele=====
 
  
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==‘Imago’==
  
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Bei ‘imago’ handelt es sich nicht allein um den am weites&shy;ten verbrei&shy;teten Ausdruck aus dem latei&shy;nischen Bildvo&shy;kabu&shy;lar, sondern auch um den facet&shy;tenreichs&shy;ten. Er ist mit ‘imi&shy;tari’ (›nachma&shy;chen‹) und ‘ima&shy;gina&shy;ri’ (›sich vorstel&shy;len‹) verwandt und bezeich&shy;net zunächst vor allem das römi&shy;sche Ahnen&shy;bild (<bib id='Asmuth 1998a'></bib>: S. 228).<ref>Zu ‘imi&shy;ta&shy;ri’ und Imi&shy;ta&shy;tio(n) vgl. ⊳ [[Mimesis|Mi&shy;me&shy;sis]] und zu ‘ima&shy;gi&shy;na&shy;ri’ und Ima&shy;gi&shy;na&shy;ti&shy;on vgl. ⊳ [[Einbildungskraft|Ein&shy;bil&shy;dungs&shy;kraft]].</ref> Beim Ahnen&shy;bild handelt es sich um die Büste eines verstor&shy;benen Menschen, ursprüng&shy;lich vermut&shy;lich um seine Toten&shy;maske, die im Toten&shy;kult auf verschie&shy;dene Weise einge&shy;setzt werden konnte. Wenn eine römi&shy;sche Adels&shy;fami&shy;lie das Recht auf bildli&shy;che Darstel&shy;lung, das ''ius ima&shy;ginis'', besaß, durfte sie die Ahnen&shy;bilder im Tempel&shy;schrein des Atriums aufbe&shy;wahren und bei Begräb&shy;nissen die Bilder des Verstor&shy;benen und der Ahnen (auch ''‘ima&shy;gines maiorum’'' genannt) in der feier&shy;lichen Prozes&shy;sion mitfüh&shy;ren. Im Zusam&shy;menhang mit dieser Praxis bürgert es sich ein, ''ima&shy;go'' als ein Bild oder Porträt eines Menschen zu begrei&shy;fen, das der „Vorstel&shy;lung abbild&shy;hafter, veris&shy;tischer Ähnlich&shy;keit“ zu entspre&shy;chen hat (vgl. <bib id='Daut 1975a'></bib>: S. 54).
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Noch vor der Zeitenwende wird jedoch ‘ima&shy;go’ auch in allge&shy;meine&shy;rer Bedeu&shy;tung verwen&shy;det. Der Ausdruck ist nun weder zwangsläu&shy;fig auf den genann&shy;ten kultischen Zusam&shy;menhang noch auf die Darstel&shy;lung eines einzel&shy;nen Menschen bezo&shy;gen, sondern kann verwen&shy;det werden, um die Darstel&shy;lung von Tieren, Natur&shy;gegen&shy;ständen (wie das Meer), Göttern und Szenen mit mehre&shy;ren Menschen (also Handlun&shy;gen) sowie auch Feldzei&shy;chen (die in der Schlacht das Bild des Kaisers trugen) zu bezeich&shy;nen. Damit wird »ima&shy;go« zum Oberbe&shy;griff, unter den jedes künstle&shy;risch bzw. handwerk&shy;lich gefer&shy;tigte Bild fallen kann (vgl. <bib id='Daut 1975a'></bib>: S. 141-145).
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Wie sich teils schon der Etyomologie von ‘ima&shy;go’ entneh&shy;men lässt, kann der Ausdruck auch zur Bezeich&shy;nung von Schatten-, Traum- und [[Vorstellungsbilder|Vorstel&shy;lungsbil&shy;dern]] dienen (vgl. <bib id='Georges 1998a'></bib>: Bd. 2, S. 59). Zwei beson&shy;dere Funkti&shy;onen kommen den ''ima&shy;gines'' als Vorstel&shy;lungsbil&shy;dern in der Rheto&shy;rik zu. Bilder abwe&shy;sender Gegen&shy;stände dem Publi&shy;kum möglichst eindring&shy;lich vor Augen zu stellen ist das Mittel der Wahl, um bei den Hörern Gefühls&shy;wirkun&shy;gen hervor&shy;zuru&shy;fen (vgl. <bib id='Quintilian 1995a'>Quinti&shy;lian 1995a</bib>: S. 709f.). Eine verwand&shy;te Funktion über&shy;nehmen ''ima&shy;gines'' in der Mnemo&shy;technik; hier soll das Verknüp&shy;fen mit auffäl&shy;ligen Vorstel&shy;lungsbil&shy;dern dazu dienen, sich Sachver&shy;halte einzu&shy;prägen. Im späte&shy;ren, christli&shy;chen Latein schließlich werden ''ima&shy;gines'' ubi&shy;quitär. Nicht nur wird Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit als ‘ima&shy;go dei’ wieder&shy;gege&shy;ben – in der Alle&shy;gorik des Mittel&shy;alters ist jedes Geschöpf, jeder Teil der Schöpfung eine ''ima&shy;go'' Gottes (vgl. <bib id='Bauch 1994a'></bib>: S. 276f.). Die Psycho&shy;ana&shy;lyse des 20. Jahrhun&shy;derts schließlich kennt im Anschluss an Carl Gustav Jung die Ima&shy;go als „Unbe&shy;wußtes Vorbild von Perso&shy;nen, das elek&shy;tiv die Art und Weise bestimmt, wie das Subjekt den ande&shy;ren erfaßt“ (vgl. <bib id='Laplanche & Pontalis 1973b'>La&shy;planche & Ponta&shy;lis 1973b</bib>: S. 229).
  
=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
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{{GlossarSiehe}}
 
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* [[Ähnlichkeit]]
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* [[Bildmagie]]
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* [[Einbildungskraft]]
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* [[Englisch: 'image' und 'picture'|Englisch: ‘image’ und ‘picture’]]
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* [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’]]
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* [[Maske]]
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* [[Material]]
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* [[Mimesis]]
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* [["natürliche" Bilder]]
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* [[Simulation, Simulakrum]]
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* [[Skulptur]]
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* [[Traumbild]]
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* [[Vorstellungsbilder]]
  
 
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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, J.R.J.]]
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<bib id='Liebsch 2013g-d'></bib>
 
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Aktuelle Version vom 15. Dezember 2019, 17:51 Uhr

Unterpunkt zu: Bildtermini anderer Sprachen


Das Lateinische verfügt über ein breites, vari­anten­reiches und sich oft ändern­des Voka­bular, um Bilder zu bezeich­nen. Außer den im Weite­ren aufge­führten Aus­drücken sind hier ‘signum’, ‘statua’, ‘pictu­ra’ (abge­leitet von ‘pinge­re’, dem latei­nischen Ausdruck für das Malen) und ‘reprae­senta­tio’ zu nennen. In der Regel gilt, dass sich die verwen­deten Aus­drücke ursprüng­lich auf plasti­sche Gebilde wie Skulptu­ren, Plasti­ken, Büsten, Masken und (dann auch) Reliefs bezie­hen und dass sie erst später anfan­gen, Bilder im uns heute geläu­figen Sinne – also plane, flächi­ge Objekte – zu meinen. Das Latei­nische knüpft einer­seits des Öfte­ren, teils sogar einfach nur durch Lati­nisie­rung, an das griechi­sche Bildvo­kabu­lar an, ande­rerseits stellt es viele Grundla­gen für das moder­ne Bildvo­kabu­lar.


Der »Eigennamen-Typus«

Wie schon im Griechischen besteht im Latei­nischen die Möglich­keit, Bilder, genau­er: Götter­bilder, auch indi­rekt zu bezeich­nen. Zunächst ist das insbe­sonde­re im Kontext der magi­schen Bildauf­fassung der Fall:

Die Sprache kann mit dem bloßen Eigen­namen einer Gottheit das Bild des betref­fenden Gottes oder der Göttin benen­nen, ohne eines der übli­chen bildbe­zeichnen­den Worte wie ‘effi­gies’, ‘ima­go’, ‘signum’, ‘simu­lacrum’ oder ‘statua’ zu verwen­den. Mit diesem Eigen­namen-Typus drückte der frühe­re Mensch seinen Glauben an die Iden­tität von Bild und Gottheit aus, der noch durch keine Refle­xion über den künstle­risch-techni­schen Vorgang bei der Schöpfung des Götter­bildes gebro­chen war ([Daut 1975a]Literaturangabe fehlt.
Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als:
- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
: S. 14).

Vermutlich ist der Eigennamen-Typus – also beispiels­weise ‘Venus’ sagen und (zugleich auch) ihre Skulptur meinen – im vorli­tera­rischen Latein der eigent­liche Modus, in dem über Götter­bilder gespro­chen wird. Gera­de in Bezug auf die Laren und Pena­ten, die priva­ten Götter des Haushalts, der Orte und Fami­lien, hält er sich bis in die römi­sche Spätzeit. Darü­ber hinaus findet sich der Eigen­namen-Typus in zwei weite­ren Funkti­onen (vgl. im Folgen­den [Daut 1975a]Literaturangabe fehlt.
Bitte in der Bibliographie-Sammlung einfügen als:
- Buch,
- Artikel in Zeitschrift,
- Beitrag in Sammelband,
- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
: S. 21, 29). In der Termi­nolo­gie der Kunst­schrift­steller ist es eine belieb­te Abkür­zung, den Namen des darge­stellten Gottes in Verbin­dung mit dem Geni­tiv des Künstler­namens anzu­geben; der «Iuppi­ter Lysi­ppi» etwa ist hier die von Lysipp gefer­tigte Jupi­ter-Statue. Die sati­rische Bilder­kritik schließlich verwen­det den Eigen­namen-Typus, um den magi­schen Bilder­glauben zu verspot­ten. Dabei konter­kariert sie handeln­de und reden­de Götter­bilder mit Hinwei­sen auf ihren Status als Arte­fakt und auf ihre Mate­rialbe­schaffen­heit – wie Horaz, der dem Priapus die Rede in den Mund legt, einst ein Feigen­baum­strunk gewe­sen zu sein («Sati­ren» 1,8,1-4).


‘Effigies’

Die Regel, dass sich Bildausdrücke ursprüng­lich nicht auf plane, flächi­ge Objek­te bezie­hen, zeigt sich im Fall von ‘effi­gies’ beson­ders deutlich; dieser Bildaus­druck leitet sich ety­molo­gisch vom Verb ‘effin­gere’ ab, womit anfangs das plasti­sche Bilden – und wahrschein­lich vor allem das Arbei­ten in Ton – bezeich­net wurde. Bis in die euro­päische Neuzeit ist er zur Bezeich­nung von Bildern und Abbil­dern gebräuch­lich, weist aber außer­dem noch zwei Beson­derhei­ten auf, nämlich im Begräb­niskult und im Recht (vgl. [Olbrich 1987a]Literaturangabe fehlt.
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- Sammelband,
- andere Publikation,
- Glossarlemma.
: Bd. 2, S. 265). In den Begräb­niskul­ten von der Anti­ke bis in die Neuzeit begeg­net mit der effi­gies ein meist aus vergäng­lichen Mate­riali­en wie Wachs, Leder, Weiden­geflecht, Ton oder Ähnli­chem geform­tes plasti­sches Abbild eines Verstor­benen, für dessen Gesichts­darstel­lung auch die Toten­maske heran­gezo­gen werden konnte. Als Scheinleib dient die effi­gies bei herrschaft­lichen Begräb­nisze­remo­nien vor allem dann, wenn die Anfor­derun­gen der poli­tischen Reprä­senta­tion mit dem echten Leichnam – vor allem bei länge­rer Dauer der Feier­lichkeit – nicht mehr zu bewäl­tigen sind. Noch länger, mindes­tens bis ins 19. Jahrhun­dert, hält sich im Recht die Praxis, ein Urteil in effi­gie, also im oder am Bild zu voll­strecken. Bei einer Exe­kution in effi­gie konnte anstel­le des abwe­senden, flüchti­gen Verur­teilten beispiels­weise ein Gemäl­de von ihm verbrannt oder eine plasti­sche Darstel­lung gehängt werden.


‘Species’

Keine Beschränkung auf einzelne Bildar­ten ist mit dem Ausdruck ‘species’ gege­ben. Seine Grundbe­deutung lautet ›Erschei­nung‹, was ihn auch zur Über­setzung des griechi­schen ‘phantas­ma’ quali­fiziert. Er wird schon früh auch auf Gemäl­de ange­wendet (vgl. [Daut 1975a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 40f.). Neben die vielsei­tige Verwen­dung im Bereich der mate­rialen, sichtba­ren Bilder tritt im Mittel­alter auch der Bezug auf Bilder im über­trage­nen, menta­len Sinne, denn die mittel­alter­liche Erkennt­nistheo­rie disku­tiert ausführ­lich den Status von species sensi­bilis und species intel­ligi­bilis. Deren Aufga­be ist es, im Erkennt­nispro­zeß zwischen Körper und Geist, zwischen Sinnes­wahrneh­mung und diskur­sivem Denken zu vermit­teln: Die species sensi­biles reprä­sentie­ren dabei – ähn­lich wie die Aris­tote­lischen phantas­mata – die von den Sinnen wahrge­nomme­nen Objek­te, während es sich bei den species intel­ligi­biles um Abstrak­tionen handelt, die der Verstand auf dieser Grundla­ge vornimmt (vgl. [Spruit 1994a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 22). Die neuzeit­liche Erkennt­nistheo­rie wird sich von ihnen distan­zieren und wieder­holt kriti­sieren, dass der Erkennt­nispro­zeß nicht in Ana­logie zur Verfer­tigung mate­rialer Bilder erklärt werden könne. René Des­cartes verspot­tet die species daher als kleine, von den Objek­ten durch die Luft hin zum Geist fliegen­de Bilder, als „petits images volti­geantes“ ([Des­cartes 1965a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 85; vgl. auch Grie­chisch: ‘agal­ma’, ‘phantas­ma’, ‘eido­lon’, ‘typos’, ‘eikon’, Ab­schnitt ‘Eido­lon’).


‘Simulacrum’

Vom Verb ‘simulare’, das in erster Linie ›ähnlich machen‹ bedeu­tet, leitet sich ‘simu­lacrum’ ab. Wenngleich damit ganz allge­mein das Eben­bild, Abbild oder Bildnis bezeich­net werden kann, wird in der Anti­ke darun­ter zumeist das kultisch verehr­te Götter­bild verstan­den (vgl. [Georges 1998a]Literaturangabe fehlt.
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: Bd. 2, S. 2678, [Pearcy 1975a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 122). Da es sich dabei um eine plasti­sche und ganzfi­guri­ge Darstel­lung handelt (vgl. [Daut 1975a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 34), bietet es sich an, ‘simu­lacrum’ in diesem Sinne als mate­riales Bild zu begrei­fen. In Anbe­tracht des kulti­schen Zusam­menhangs und des für ihn ausschlag­geben­den magi­schen Bildver­ständnis­ses ist diese Kate­gori­sierung aller­dings mit einer gewis­sen Vorsicht zu verwen­den. Neben dieser Bedeu­tung findet sich ‘simu­lacrum’ auch, um Schatten-, Spiegel-, Traum- und Phanta­siebil­der zu bezeich­nen oder Schatten­bilder der Verstor­benen und auch Gespens­ter (vgl. [Georges 1998a]Literaturangabe fehlt.
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: Bd. 2, S. 2678); in diesen Hinsich­ten eignet sich ‘simu­lacrum’ als Über­setzung des griechi­schen ‘eido­lon’. Auch und gera­de im Zusam­menhang mit den letztge­nannten Bedeu­tungen etab­liert sich eine nega­tive Konno­tation, nämlich die des Trugs und der Täuschung. Dieser eher bedenk­liche Aspekt von ‘simu­lacrum’ verstärkt sich im christli­chen Latein nicht zuletzt deswe­gen, weil die paga­nen Götter­bilder nun als Götzen­bilder dem Verdikt der Unwahr­heit ausge­setzt werden. Wirkmäch­tig ist hier die große Enzy­klopä­die mittel­alter­lichen Wissens, Isi­dor von Sevil­las «Ety­molo­giae», die in Buch VIII, 11 auch eine neue Kompo­nente bei der ety­molo­gischen Ablei­tung des Wortes ins Spiel bringt: „Daher (werden) sie ‘simu­lacra’ (genannt), entwe­der weil sie ähnlich (‘simi­lia’) sind oder weil sie unecht (‘simu­lata’) sind und erfun­den (‘confic­ta’), weshalb sie auch falsch sind“ ([Isi­dor von Sevil­la 2008a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 309).

Einen bemerkenswerten Aufschwung erfährt ‘simu­lacrum’ in der wissen­schaftli­chen Termi­nolo­gie des 20. Jahrhun­derts. Hier erweist sich gera­de der bedenk­liche Aspekt von ‘simu­lacrum’, nämlich gerade kein verläss­liches oder treues Abbild von etwas ande­rem zu sein, als rele­vant und anschluss­fähig. Um zwei Beispie­le aus dieser Entwick­lung zu nennen: In der poststruk­tura­listi­schen Medien­theorie gelten Bilder verstärkt als nicht mehr auf Reali­tät verwei­sende, als refe­renzlo­se Simu­lakren (vgl. [Baudril­lard 1978a]Baudrillard, Jean (1978).
Agonie des Realen. Berlin: Merve.

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: S. 10-16). Und der jünge­ren Wissen­schaftsthe­orie zufol­ge lassen sich Wahrheit und Falschheit physi­kali­scher Geset­ze nicht direkt an der Reali­tät erpro­ben, vielmehr bedarf es dazu der Bildung von Model­len, in denen von der Reali­tät abwei­chende Simu­lakren die realen Objek­te vertre­ten ([Cartwright 1983a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 3f.).


‘Imago’

Bei ‘imago’ handelt es sich nicht allein um den am weites­ten verbrei­teten Ausdruck aus dem latei­nischen Bildvo­kabu­lar, sondern auch um den facet­tenreichs­ten. Er ist mit ‘imi­tari’ (›nachma­chen‹) und ‘ima­gina­ri’ (›sich vorstel­len‹) verwandt und bezeich­net zunächst vor allem das römi­sche Ahnen­bild ([Asmuth 1998a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 228).[1] Beim Ahnen­bild handelt es sich um die Büste eines verstor­benen Menschen, ursprüng­lich vermut­lich um seine Toten­maske, die im Toten­kult auf verschie­dene Weise einge­setzt werden konnte. Wenn eine römi­sche Adels­fami­lie das Recht auf bildli­che Darstel­lung, das ius ima­ginis, besaß, durfte sie die Ahnen­bilder im Tempel­schrein des Atriums aufbe­wahren und bei Begräb­nissen die Bilder des Verstor­benen und der Ahnen (auch ‘ima­gines maiorum’ genannt) in der feier­lichen Prozes­sion mitfüh­ren. Im Zusam­menhang mit dieser Praxis bürgert es sich ein, ima­go als ein Bild oder Porträt eines Menschen zu begrei­fen, das der „Vorstel­lung abbild­hafter, veris­tischer Ähnlich­keit“ zu entspre­chen hat (vgl. [Daut 1975a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 54).

Noch vor der Zeitenwende wird jedoch ‘ima­go’ auch in allge­meine­rer Bedeu­tung verwen­det. Der Ausdruck ist nun weder zwangsläu­fig auf den genann­ten kultischen Zusam­menhang noch auf die Darstel­lung eines einzel­nen Menschen bezo­gen, sondern kann verwen­det werden, um die Darstel­lung von Tieren, Natur­gegen­ständen (wie das Meer), Göttern und Szenen mit mehre­ren Menschen (also Handlun­gen) sowie auch Feldzei­chen (die in der Schlacht das Bild des Kaisers trugen) zu bezeich­nen. Damit wird »ima­go« zum Oberbe­griff, unter den jedes künstle­risch bzw. handwerk­lich gefer­tigte Bild fallen kann (vgl. [Daut 1975a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 141-145).

Wie sich teils schon der Etyomologie von ‘ima­go’ entneh­men lässt, kann der Ausdruck auch zur Bezeich­nung von Schatten-, Traum- und Vorstel­lungsbil­dern dienen (vgl. [Georges 1998a]Literaturangabe fehlt.
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: Bd. 2, S. 59). Zwei beson­dere Funkti­onen kommen den ima­gines als Vorstel­lungsbil­dern in der Rheto­rik zu. Bilder abwe­sender Gegen­stände dem Publi­kum möglichst eindring­lich vor Augen zu stellen ist das Mittel der Wahl, um bei den Hörern Gefühls­wirkun­gen hervor­zuru­fen (vgl. [Quinti­lian 1995a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 709f.). Eine verwand­te Funktion über­nehmen ima­gines in der Mnemo­technik; hier soll das Verknüp­fen mit auffäl­ligen Vorstel­lungsbil­dern dazu dienen, sich Sachver­halte einzu­prägen. Im späte­ren, christli­chen Latein schließlich werden ima­gines ubi­quitär. Nicht nur wird Gottes­eben­bildlich­keit als ‘ima­go dei’ wieder­gege­ben – in der Alle­gorik des Mittel­alters ist jedes Geschöpf, jeder Teil der Schöpfung eine ima­go Gottes (vgl. [Bauch 1994a]Literaturangabe fehlt.
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: S. 276f.). Die Psycho­ana­lyse des 20. Jahrhun­derts schließlich kennt im Anschluss an Carl Gustav Jung die Ima­go als „Unbe­wußtes Vorbild von Perso­nen, das elek­tiv die Art und Weise bestimmt, wie das Subjekt den ande­ren erfaßt“ (vgl. [La­planche & Ponta­lis 1973b]Literaturangabe fehlt.
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: S. 229).

Anmerkungen
  1. Zu ‘imi­ta­ri’ und Imi­ta­tio(n) vgl. ⊳ Mi­me­sis und zu ‘ima­gi­na­ri’ und Ima­gi­na­ti­on vgl. ⊳ Ein­bil­dungs­kraft.
Literatur                             [Sammlung]

[Asmuth 1998a]:
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[Bauch 1994a]:
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[Baudril­lard 1978a]: Baudrillard, Jean (1978). Agonie des Realen. Berlin: Merve.

[Cartwright 1983a]:
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[Daut 1975a]:
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[Des­cartes 1965a]:
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[Georges 1998a]:
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[Isi­dor von Sevil­la 2008a]:
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[La­planche & Ponta­lis 1973b]:
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[Olbrich 1987a]:
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[Pearcy 1975a]:
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[Quinti­lian 1995a]:
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Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch [108] und Joerg R.J. Schirra [31] — (Hinweis)

Zitierhinweis:

[Liebsch 2013g-d]Literaturangabe fehlt.
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[Bauch 1994a]:
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