Medialität: Unterschied zwischen den Versionen

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# zur Realisierung des Mediums verwendeten Techniken als auch
 
# zur Realisierung des Mediums verwendeten Techniken als auch
 
# seine gesellschaftliche Institutionalisierung und Verwendungsweise bestimmt wird.
 
# seine gesellschaftliche Institutionalisierung und Verwendungsweise bestimmt wird.
„Medialität“ kann somit sowohl zur Abgrenzung der Medien untereinander dienen, als auch Eigenschaften bezeichnen, die allen Medien gemeinsam sind. Man kann sich damit also einerseits auf das „Bildspezifische“ des Bildes, andererseits auf medienübergreifende Phänomene beziehen. Die für ein bestimmtes Medium als charakteristisch erkannte Medialität ist dabei, wie bereits angedeutet, oft auch von technischen Entwicklungen sowie bestimmten historisch-kulturellen Verhältnissen abhängig. So definierte Marshall McLuhan (1998: 22) in den sechziger Jahren das Fernsehen als „kaltes Medium“, also als eines, das eine hohe ergänzend-interpretative Beteiligung des Nutzers erfordert, um es überhaupt verstehen zu können. Diese Einschätzung beruht im Wesentlichen auf dem damaligen Entwicklungsstand des Fernsehens, dessen auf der Kathodenstrahlröhre präsentiertes Bild relativ detailarm und oft noch schwarz-weiß war. Angesichts der anhaltenden Tendenz zu immer besseren Aufnahme- und Wiedergabetechniken wäre Fernsehen, wenn man McLuhans Unterscheidung folgt, mittlerweile vielmehr als sehr detailreiches, „heißes Medium“ zu betrachten.  
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„Medialität“ kann somit sowohl zur Abgrenzung der Medien untereinander dienen, als auch Eigenschaften bezeichnen, die allen Medien gemeinsam sind. Man kann sich damit also einerseits auf das „Bildspezifische“ des Bildes, andererseits auf medienübergreifende Phänomene beziehen. Die für ein bestimmtes Medium als charakteristisch erkannte Medialität ist dabei, wie bereits angedeutet, oft auch von technischen Entwicklungen sowie bestimmten historisch-kulturellen Verhältnissen abhängig. So definierte Marshall McLuhan (1998: 22) in den sechziger Jahren das Fernsehen als „kaltes Medium“, also als eines, das eine hohe ergänzend-interpretative Beteiligung des Nutzers erfordert, um es überhaupt verstehen zu können. Diese Einschätzung beruht im Wesentlichen auf dem damaligen Entwicklungsstand des Fernsehens, dessen auf der Kathodenstrahlröhre präsentiertes Bild relativ detailarm und oft noch schwarz-weiß war. Angesichts der anhaltenden Tendenz zu immer besseren Aufnahme- und Wiedergabetechniken wäre Fernsehen, wenn man McLuhans Unterscheidung folgt, mittlerweile vielmehr als sehr detailreiches, „heißes Medium“ zu betrachten.
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Demgegenüber sind traditionelle Formen der Medialität nicht an bestimmte Medien gekoppelt, sondern verweisen auf die Kultur als Ganzes: so wird in der Regel die ältere, vorrangig über Gespräche vermittelte Kultur der Oralität gegenüber der jüngeren, durch Schrift geprägten Kultur der Literalität abgegrenzt. Beide Formen schließen sich jedoch keineswegs aus, sondern koexistieren in der heutigen Welt. Dabei ist zu beachten, dass die etwa im Radio vorkommende Oralität eine nur scheinbare ist. Dies ist zum einen auf den Aspekt der technischen Transformation, zum anderen aber auch auf die schriftlichen Vorformulierungen, auf denen Sprache im Radio häufig basiert, zurückzuführen. (Hickethier 2010: 27)
 
Demgegenüber sind traditionelle Formen der Medialität nicht an bestimmte Medien gekoppelt, sondern verweisen auf die Kultur als Ganzes: so wird in der Regel die ältere, vorrangig über Gespräche vermittelte Kultur der Oralität gegenüber der jüngeren, durch Schrift geprägten Kultur der Literalität abgegrenzt. Beide Formen schließen sich jedoch keineswegs aus, sondern koexistieren in der heutigen Welt. Dabei ist zu beachten, dass die etwa im Radio vorkommende Oralität eine nur scheinbare ist. Dies ist zum einen auf den Aspekt der technischen Transformation, zum anderen aber auch auf die schriftlichen Vorformulierungen, auf denen Sprache im Radio häufig basiert, zurückzuführen. (Hickethier 2010: 27)
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Als eine der gegenwärtig wichtigsten Formen der Medialität ist die Audiovisualität zu betrachten. Nicht nur mit Film und Fernsehen, sondern seit Mitte der 2000er Jahre zunehmend auch mit dem Internet in Form des „Web 2.0“ kann die damit bezeichnete Verbindung von Sprache, Geräusch und Musik mit stehenden sowie bewegten Bildern als bedeutendes Paradigma gegenwärtiger Medientechnik und Medienerfahrung gelten. Wichtige technische Standards für die Audiovisualität sind zum einen die Elektrifizierung des in seinen Anfängen optomechanischen Films (und damit auch die Ermöglichung von Radio und Fernsehen) sowie zum anderen die mit dem Computer eingeführte Digitalisierung, die mehr und mehr auch in anderen Medien wie Film, Fernsehen und Radio, aber auch in Buch (E-Book) und Zeitung (E-Paper) Anwendung findet. (Hickethier 2010: 28ff.)
 
Als eine der gegenwärtig wichtigsten Formen der Medialität ist die Audiovisualität zu betrachten. Nicht nur mit Film und Fernsehen, sondern seit Mitte der 2000er Jahre zunehmend auch mit dem Internet in Form des „Web 2.0“ kann die damit bezeichnete Verbindung von Sprache, Geräusch und Musik mit stehenden sowie bewegten Bildern als bedeutendes Paradigma gegenwärtiger Medientechnik und Medienerfahrung gelten. Wichtige technische Standards für die Audiovisualität sind zum einen die Elektrifizierung des in seinen Anfängen optomechanischen Films (und damit auch die Ermöglichung von Radio und Fernsehen) sowie zum anderen die mit dem Computer eingeführte Digitalisierung, die mehr und mehr auch in anderen Medien wie Film, Fernsehen und Radio, aber auch in Buch (E-Book) und Zeitung (E-Paper) Anwendung findet. (Hickethier 2010: 28ff.)
  

Version vom 7. Juni 2013, 17:56 Uhr


Unterpunkt zu: Medientheorien: Übersicht


Ausgangspunkte
„Medialität“ ist keineswegs erst mit den Entwicklungen moderner Medientechnik eine für entsprechende Diskurse grundlegende Begrifflichkeit geworden. Bereits seit der Antike wird sie als essenzielles Element des menschlichen Weltverhältnisses ebenso intensiv reflektiert, wie auch diskutiert. Paradigmatisch in dieser Hinsicht sind die Auffassungen von Platon und Aristoteles über Bilder und die Art, wie diese mit der Wirklichkeit verbunden sind. Für Aristoteles besteht die Medialität eines Bildes in einem Darstellen, einem Vermitteln einer als solchen gegeben Wirklichkeit. Bilder erinnern also im eigentlichen Sinn an sie, funktionieren anamnetisch. Für Platon hingegen sind Bilder mimetisch. Sie ahmen eine Wirklichkeit nach, die jedoch nicht für sich selbst steht, sondern selbst ein Bild, eine Nachahmung ideeller Urformen ist. Medialität ist nach diesen Überlegungen keine direkte Erinnerung an Wirklichkeit wie bei Aristoteles, sondern eine Art metaphysische Rückbesinnung auf die sogenannte Ideenschau, die nach dem platonischen Modell präexistent erfahren wird. Dies wird von Platon aber keineswegs positiv bewertet. Künstler als Hersteller von Bildern und anderen Kunstformen haben für ihn keinen Zugang zu den Ideen. In der von Bildern verkörperten Nachahmung einer Nachahmung, ihrer Reproduktion von Scheinbildern, ist ihre in dieser Hinsicht ontologische Medialität negativ konnotiert. Aristoteles beginnt demgegenüber, Medialität von einer ontologischen Vereinnahmung zu lösen und sieht sie stattdessen als Manifestation menschlicher Erkenntnis- und Handlungsmöglichkeiten. (Vgl. [Matzker 2008a]Matzker, Reiner (2008).
Äs­the­tik der Medi­ali­tät. Zur Vermitt­lung von künst­le­rischen Welten und ästhe­tischen Theorien. Reinbek b. Ham­burg: Rowohlt.

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: 11ff.) Ausgehend von den beiden hier gegenübergestellten Denkrichtungen lässt sich auf dem Weg zur Moderne ein grundlegender Wandel im Verständnis von Medialität [1] konstatieren: von einer mimetischen Medialität der Wirklichkeitsnachahmung hin zu einer interpretativen Medialität der Wirklichkeitserzeugung und -objektivierung. Ernst Cassirer ([Cassirer 1996a]Cassirer, Ernst (1996).
Ver­such über den Menschen. Einfüh­rung in eine Philo­sophie der Kultur. Ham­burg: Meiner.

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: 221) fasst das Mediale der Kunst in ähnlicher Weise als „Intensivierung von Wirklichkeit“ und sieht sie als „kontinuierlichen Konkretionsprozeß“. John Dewey ([Dewey 2006a]Dewey, John (2006).
Kunst als Er­fah­rung. Frank­furt/M.: Suhr­kamp.

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: 97) verortet sie in seiner Ästhetik sowohl als Zeichen als auch als konstitutives Element „für ein vereintes Kollektivleben“. Medialität oszilliert gemäß dieser Vorstellungen zwischen einer Bestimmung als Realisierungsoption und als (technischer) Möglichkeitsraum (vgl. [Hubig 2006]Hubig, Christoph (2006).
Tech­nik­philo­sophie als Refle­xion der Media­lität. Biele­feld: Transcript.

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:148f.).


Gegenwart

Die Medialität eines Mediums wird nach Hickethier (2010: 25) vor allem durch drei miteinander zusammenhängende Aspekte bestimmt:

  1. Die spezifischen Eigenschaften des betreffenden Mediums, die oft in eine charakteristische Ästhetik münden. Man könnte hier von einer Medialität im engeren Sinn sprechen, die sowohl durch die
  2. zur Realisierung des Mediums verwendeten Techniken als auch
  3. seine gesellschaftliche Institutionalisierung und Verwendungsweise bestimmt wird.

„Medialität“ kann somit sowohl zur Abgrenzung der Medien untereinander dienen, als auch Eigenschaften bezeichnen, die allen Medien gemeinsam sind. Man kann sich damit also einerseits auf das „Bildspezifische“ des Bildes, andererseits auf medienübergreifende Phänomene beziehen. Die für ein bestimmtes Medium als charakteristisch erkannte Medialität ist dabei, wie bereits angedeutet, oft auch von technischen Entwicklungen sowie bestimmten historisch-kulturellen Verhältnissen abhängig. So definierte Marshall McLuhan (1998: 22) in den sechziger Jahren das Fernsehen als „kaltes Medium“, also als eines, das eine hohe ergänzend-interpretative Beteiligung des Nutzers erfordert, um es überhaupt verstehen zu können. Diese Einschätzung beruht im Wesentlichen auf dem damaligen Entwicklungsstand des Fernsehens, dessen auf der Kathodenstrahlröhre präsentiertes Bild relativ detailarm und oft noch schwarz-weiß war. Angesichts der anhaltenden Tendenz zu immer besseren Aufnahme- und Wiedergabetechniken wäre Fernsehen, wenn man McLuhans Unterscheidung folgt, mittlerweile vielmehr als sehr detailreiches, „heißes Medium“ zu betrachten.

Demgegenüber sind traditionelle Formen der Medialität nicht an bestimmte Medien gekoppelt, sondern verweisen auf die Kultur als Ganzes: so wird in der Regel die ältere, vorrangig über Gespräche vermittelte Kultur der Oralität gegenüber der jüngeren, durch Schrift geprägten Kultur der Literalität abgegrenzt. Beide Formen schließen sich jedoch keineswegs aus, sondern koexistieren in der heutigen Welt. Dabei ist zu beachten, dass die etwa im Radio vorkommende Oralität eine nur scheinbare ist. Dies ist zum einen auf den Aspekt der technischen Transformation, zum anderen aber auch auf die schriftlichen Vorformulierungen, auf denen Sprache im Radio häufig basiert, zurückzuführen. (Hickethier 2010: 27)

Als eine der gegenwärtig wichtigsten Formen der Medialität ist die Audiovisualität zu betrachten. Nicht nur mit Film und Fernsehen, sondern seit Mitte der 2000er Jahre zunehmend auch mit dem Internet in Form des „Web 2.0“ kann die damit bezeichnete Verbindung von Sprache, Geräusch und Musik mit stehenden sowie bewegten Bildern als bedeutendes Paradigma gegenwärtiger Medientechnik und Medienerfahrung gelten. Wichtige technische Standards für die Audiovisualität sind zum einen die Elektrifizierung des in seinen Anfängen optomechanischen Films (und damit auch die Ermöglichung von Radio und Fernsehen) sowie zum anderen die mit dem Computer eingeführte Digitalisierung, die mehr und mehr auch in anderen Medien wie Film, Fernsehen und Radio, aber auch in Buch (E-Book) und Zeitung (E-Paper) Anwendung findet. (Hickethier 2010: 28ff.)

optional Beispiele
Auswirkungen auf andere Begriffe
Anmerkungen
  1. Mit dieser Formulierung soll jedoch explizit keine Linearität im Denken über Medialität suggeriert werden. Wie auch in zahlreichen anderen Diskursen konkurrierten mehrere Positionen miteinander.
Literatur                             [Sammlung]

[Cassirer 1996a]: Cassirer, Ernst (1996). Ver­such über den Menschen. Einfüh­rung in eine Philo­sophie der Kultur. Ham­burg: Meiner.

[Dewey 2006a]: Dewey, John (2006). Kunst als Er­fah­rung. Frank­furt/M.: Suhr­kamp. [Hubig 2006]: Hubig, Christoph (2006). Tech­nik­philo­sophie als Refle­xion der Media­lität. Biele­feld: Transcript. [Matzker 2008a]: Matzker, Reiner (2008). Äs­the­tik der Medi­ali­tät. Zur Vermitt­lung von künst­le­rischen Welten und ästhe­tischen Theorien. Reinbek b. Ham­burg: Rowohlt.


Hilfe: Nicht angezeigte Literaturangaben

Verantwortlich:

Eichler, Toni

Seitenbearbeitungen durch: Toni Eichler [105], Joerg R.J. Schirra [26] und Tobias Schöttler [1] — (Hinweis)