Text als Bild, konkrete Poesie: Unterschied zwischen den Versionen

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K (Visuelle Poesie im Computerzeitalter)
 
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==Theoretischer Hintergrund: Schrift&shy;gestalt und Schrift&shy;bildlich&shy;keit in lite&shy;rari&shy;schen Texten ==
  
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Schriftliche Texte haben immer auch eine “Textge&shy;stalt”, und als solche wirken sie immer auch bildlich bzw. schrift&shy;bildlich in dem Sinne, dass sie nicht nur linear gele&shy;sen, sondern auch auf einen Blick in ihrer [[Gestalt]] auf der Fläche ange&shy;schaut bzw. erfasst werden. Wolfgang Raible  spricht von der „Semio&shy;tik der Textge&shy;stalt“ und verweist darauf, dass die Zweidi&shy;mensio&shy;nali&shy;tät der Schreib&shy;fläche vielfäl&shy;tig für die Struktu&shy;rierung von Texten genutzt wird: etwa durch Über&shy;schriften, Absät&shy;ze, Ein&shy;rückun&shy;gen, Fuß&shy;noten und End&shy;noten (vgl. <bib id='Raible 1991a'></bib>). Ande&shy;re Autor&shy;Innen sprechen allge&shy;meiner von der „Sichtbar&shy;keit der Schrift“ (vgl. <bib id='Strätling & Witte 2006a'>Strät&shy;ling & Witte 2006a</bib>). Diese Sichtbar&shy;keit, die Gestalt&shy;haftig&shy;keit schriftli&shy;cher Texte, kann in unter&shy;schiedli&shy;cher Weise gehand&shy;habt und in verschie&shy;denem Maße reflek&shy;tiert werden. Dies trifft auch und insbe&shy;sonde&shy;re für Texte aus dem Bereich der Lite&shy;ratur zu.  
=====Theoretischer Hintergrund: Schriftgestalt und Schriftbildlichkeit in literarischen Texten =====
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Die Sichtbarkeit der Schrift wird in den verschie&shy;denen lite&shy;rari&shy;schen Genres unter&shy;schiedlich stark ausge&shy;beutet, eini&shy;ge Genres konsti&shy;tuieren sich über&shy;haupt erst als solche über die Textge&shy;stalt. Pola&shy;schegg zum Beispiel macht auf die genu&shy;ine Schrift&shy;bild&shy;lichkeit der Lyrik als lite&shy;rari&shy;scher Gattung aufmerk&shy;sam, indem sie gegen die tradi&shy;tionel&shy;le Auffas&shy;sung von der Lyrik als einer akus&shy;tischen Kunst zur Geltung bringt, dass Gedich&shy;te immer schon „auf einen Blick“, das heißt anhand ihrer schrift&shy;bildli&shy;chen Erschei&shy;nung, als solche erkannt werden (vgl. <bib id='Polaschegg 2011a'>Pola&shy;schegg 2011a</bib>. So ist es vor allem die durch Zeilen&shy;umbrü&shy;che markier&shy;te Vers&shy;form, die dem Gedicht seinen unver&shy;wechsel&shy;baren visu&shy;ellen Charak&shy;ter gibt. Lyrik lebt von der spannungs&shy;vollen Diffe&shy;renz zwischen dem simul&shy;tanen Sehen der Gestalt und der sukzes&shy;siven Lektü&shy;re der Schrift&shy;zeichen. Auch Witte verweist auf die visu&shy;elle Dimen&shy;sion der Lyrik, die durch die graphisch markier&shy;te Vers&shy;form, das „Vers&shy;bild“, gekenn&shy;zeichnet ist (vgl. <bib id='Witte 2011a'></bib>). Die Bezeich&shy;nung ‘Vers&shy;bild’ impli&shy;ziert für ihn dabei die spezi&shy;fische (schrift&shy;bildli&shy;che) Sichtbar&shy;keit einer komple&shy;xen Form der verba&shy;len Sequen&shy;tiali&shy;sierung, die zwischen [[Sehen]] und Lesen produk&shy;tiv zu changie&shy;ren ermög&shy;licht, und z.B. einzel&shy;ne Wörter eines Gedich&shy;tes über Zeilen&shy;umbrü&shy;che „erra&shy;tisiert“, „trans&shy;gramma&shy;tika&shy;lisiert“ und diese in ganz neuen Konstel&shy;lationen wahrnehm&shy;bar werden lässt. Jedoch lässt sich auch für lite&shy;rari&shy;sche Prosa-Texte plausi&shy;bel machen, dass Texte in ihrer Gestalt, und in diesem Sinne in ihrer (schrift-)bild&shy;lichen Dimen&shy;sion wahrge&shy;nommen werden und wirken (können) (vgl. <bib id='Giertler 2011a'></bib>).  Auch [[Kalligraphie|Kalli&shy;graphie]] und [[Typographie|Typo&shy;graphie]] sind Fel&shy;der/Prak&shy;tiken, in denen mit der Sicht&shy;barkeit der Schrift bzw. mit der Textge&shy;stalt gear&shy;beitet wird.
Schriftliche Texte haben immer auch eine „Textgestalt“, und als solche wirken sie immer auch bildlich bzw. schriftbildlich in dem Sinne, dass sie nicht nur linear gelesen, sondern auch auf einen Blick in ihrer [[Gestalt]] auf der Fläche angeschaut bzw. erfasst werden. Wolfgang Raible  spricht von der „Semiotik der Textgestalt“ und verweist darauf, dass die Zweidimensionalität der Schreibfläche vielfältig für die Strukturierung von Texten genutzt wird: etwa durch Überschriften, Absätze, Einrückungen, Fußnoten und Endnoten (vgl. <bib id='Raible 1991a'></bib>). Andere AutorInnen sprechen allgemeiner von der „Sichtbarkeit der Schrift“ (vgl. <bib id='Strätling & Witte 2006a'></bib>). Diese Sichtbarkeit, die Gestalthaftigkeit schriftlicher Texte, kann in unterschiedlicher Weise gehandhabt und und in verschiedenem Maße reflektiert werden. Dies trifft auch und insbesondere für Texte aus dem Bereich der Literatur zu. Die Sichtbarkeit der Schrift wird in den verschiedenen literarischen Genres unterschiedlich stark ausgebeutet, einige Genres konstituieren sich überhaupt erst als solche über die Textgestalt. Polaschegg zum Beispiel macht auf die genuine Schriftbildlichkeit der Lyrik als literarischer Gattung aufmerksam, indem sie gegen die traditionelle Auffassung von der Lyrik als einer akustischen Kunst zur Geltung bringt, dass Gedichte immer schon „auf einen Blick“, das heißt anhand ihrer schriftbildlichen Erscheinung, als solche erkannt werden (vgl. <bib id='Polaschegg 2011a'></bib>. So ist es vor allem die durch Zeilenumbrüche markierte Versform, die dem Gedicht seinen unverwechselbaren visuellen Charakter gibt. Lyrik lebt von der spannungsvollen Differenz zwischen dem simultanen Sehen der Gestalt und der sukzessiven Lektüre der Schriftzeichen. Auch Witte verweist auf die visuelle Dimension der Lyrik, die durch die graphisch markierte Versform, das „Versbild“, gekennzeichnet ist (vgl. <bib id='Witte 2011a'></bib>). Der Begriff des „Versbildes“ impliziert für ihn dabei die spezifische (schriftbildliche) Sichtbarkeit einer komplexen Form der verbalen Sequentialisierung, die zwischen Sehen und Lesen produktiv zu changieren ermöglicht, und z.B. einzelne Wörter eines Gedichtes über Zeilenumbrüche „erratisiert“, „transgrammatikalisiert“ und diese in ganz neuen Konstellationen wahrnehmbar werden lässt. Jedoch lässt sich auch für literarische Prosa-Texte plausibel machen, dass Texte in ihrer Gestalt, und in diesem Sinne in ihrer (schrift-)bildlichen Dimension wahrgenommen werden und wirken (können) (vgl. <bib id='Giertler 2011a'></bib>).  Auch [[Kalligraphie]] und [[Typographie]] sind Felder/Praktiken, in denen mit der Sichtbarkeit der Schrift bzw. mit der Textgestalt gearbeitet wird.
 
 
 
=====Text als Bild: Visuelle Poesie=====
 
 
 
In ganz besonders intensiver und radikaler und zugleich reflektierter Weise wurde und werden die Sichtbarkeit der Schrift und die Gestalthaftigkeit schriftlicher Texte in den unterschiedlichen Formen visueller Poesie genutzt bzw. ausgestellt. Visuelle Poesie ist in diesem Sinne als ein Sammelbegriff für alle Arten von Dichtung zu verstehen, bei denen die visuelle Präsentation eines Textes ein wesentliches Element der künstlerischen Konzeption darstellt, bei der der Schöpfer/die Schöpferin des Textes also die (schrift-)bildlichen Gestaltqualitäten der Schrift bewusst und intensiv nutzt. Im engeren Sinne verbunden wird der Begriff visuelle Poesie meistens mit experimentellen Arbeiten der literarischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts: etwa dem Dadaismus oder dem italienischen und russischen Futurismus in der ersten Jahrhunderthälfte sowie mit der literarischen Strömung der sogenannten „Konkreten Poesie“, die sich insbesondere im deutschsprachigen Raum ab den 1950er Jahren formierte, wie aber auch mit der sowjetischen Samisdat-Literatur. 
 
 
 
Die „visuelle Poesie“ in diesem (mit der Avantgarde-Literatur verknüpften engeren) Sinne muss wohl als eine spezifisch europäische Gegenbewegung gegen das ansonsten im europäischen Kulturkreis dominierende Lesbarkeits-Paradigma der Schrift, das mit einer „Sichtbarkeitsvergessenheit“ einhergeht, verstanden werden. Diese Sichtbarkeits- und Materialitätsvergessenheit in Bezug auf die Schrift hat es in außereuropäischen Schriftkulturen in dieser Art vermutlich nie gegeben, da hier z.B. die Kalligraphie eine viel größere Wertschätzung genießt. Darüber hinaus ist zu bemerken, dass es Artefakte visueller Poesie auch in Europa bereits seit der Antike gegeben hat. Man denke an antike und barocke Figurengedichte (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 583ff.).
 
 
 
In der visuellen Poesie werden dabei ganz unterschiedliche schriftbildliche Gestaltqualitäten von Texten erzeugt, entweder über die Handschrift, die Schreibmaschinenschrift oder über die Typographie. Eine, aber eben nur eine Möglichkeit unter vielen ist dabei, dass der Text – wie im Fall der gerade erwähnten Figurengedichte – so geschrieben oder gesetzt wird, dass die Gestaltumrisse von raumzeitlichen Gegenständen oder visuellen Symbolen (die in bestimmter Weise mit dem Inhalt des geschriebenen Textes spielerisch korrespondieren) an der Gestalt des Textes selber sichtbar werden Diese Art Texte sind in ihrer buchstäblichen Figürlichkeit dann in derselben Weise als bildhaft-ikonisch aufzufassen wie die figürliche Zeichnung oder die gegenständliche Malerei. Um auch die anderen möglichen visuellen Gestaltungsaspekte von literarischen Texten im allgemeinen – und dann eben in diesem Falle der visuellen Poesie – in den Blick zu bekommen, ist vorgeschlagen worden, begrifflich zwischen dem Gestaltaspekt von Schriften und dem Bildaspekt von Schriften zu differenzieren und von Schriften als Bildern nur dann zu reden, wenn tatsächlich Figuren ikonisch abgebildet werden (vgl. <bib id='Polaschegg 2011a'></bib>).
 
 
 
Was sind nun diese anderen – über die Figürlichkeit hinausgehenden –Gestaltungsmöglichkeiten von Texten, die in der visuellen Poesie experimentell und spielerisch genutzt bzw. exemplifiziert werden? Es finden sich Experimente mit der räumlichen Dimension der Schrift, z. B. mit verschiedenen Schriftgrößen oder -farben für Buchstaben oder Wörter, und Experimente mit der räumlichen Positionierung der Buchstaben/Worte auf der Schreibfläche, ihrem konstellativen (Re-)Arrangement auf der Buchseite. Darüber hinaus finden sich Versuche, das Gestische der jeweiligen Schreibhandlung im Geschriebenen als Spur sichtbar zu machen sowie Hybridbildungen aus Schrift und Bild (wie bei den sogenannten „Sprachblättern“ von Carlfriedrich Claus), begrifflich häufig als skripturale Malerei zusammengefasst, bei der die Übergänge zwischen Bild, Ornament und Schrift nicht eindeutig sind, und meistens bewusst an der Schnittstelle von Lesbarkeit/Unlesbarkeit operiert wird. Dabei wird beim Leser/Betrachter ein Spiel von Semantisierung / Desemantisierung / Resemantisierung in Gang gesetzt. Für die Arbeiten der russischen Avantgarde der 1910er und 20er Jahre hat Georg Witte eine Typologie schriftbildlicher Verfahren entwickelt (vgl. <bib id='Witte 2005a'></bib>).
 
 
 
=====Konkrete Poesie=====
 
 
 
Die „Konkrete Poesie“ ist eine künstlerische Strömung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich im Anschluss an den Begriff bzw. die Bewegung der „Konkreten Kunst“, vertreten vor allem durch den Schweizer Max Bill, seit den 1950er Jahren den materialen Basiselementen der Poesie in ihren einerseits visuellen und andererseits akustischen Darstellungsmedien zuwendet. Wichtige deutschsprachige Vertreter sind Eugen Gomringer, Franz Mon, Helmut Heißenbüttel, Hansjörg Mayer, Max Bense  und Claus Bremer, international ist der Schwede Öyvind Fahlström zu nennen, der 1953 ein „Manifest für konkrete Poesie“ verfasste und damit auch den Namen prägte, die brasilianische Gruppe Noigandres sowie die Wiener Gruppe um H.C. Artmann.  Die Aufmerksamkeit dieser Autoren gilt den einzelnen Buchstaben, Satzzeichen und Wörtern im Geschriebenen und den Lauten, (bzw. auch dem Klang der Stimme) im Gesprochenen.
 
 
 
Im Visuellen soll dabei die experimentelle graphische Anordnung der Wörter, Buchstaben und/oder Sätze neue „Konstellationen“ und damit auch neue – makrotypographische – Bedeutungsdimensionen eröffnen. Mit dem Begriff der Konstellation greift Gomringer in seiner programmatischen Schrift „vom vers zur konstellation“ (1955 erstmals publiziert, im folgenden zitiert nach <bib id='Gomringer 1997a'></bib>) auf einen Begriff Mallarmés zurück und bezeichnet damit „die einfachste gestaltungsmöglichkeit der auf dem wort beruhenden dichtung. [...] sie erlaubt das spiel. sie erlaubt die reihenbildung der wortbegriffe a, b, c und deren mögliche variationen“ (<bib id='Gomringer 1997a'></bib>: S. 16). Er bezieht sich also auf die Anordnung von verknapptem und syntaktisch unverbundenem Wortmaterial auf der weißen Papierfläche inklusive der Zwischen- und Umgebungsräume.  
 
  
Ein weiteres Kennzeichen der ansonsten als künstlerische Strömung durchaus heterogenen Konkreten Poesie ist die akustische Dimension ihrer Wortkunst: So werden die visuellen Konstellationen von einigen Autoren, etwa von Ernst Jandl, intoniert , wodurch allein durch die Prosodie eine Art Dialog (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 631) entstehen kann. Die deutschsprachige Strömung der Konkreten Poesie sowie die ihr am nächsten stehende brasilianische Künstlergruppe Noigandres haben durch ihre Programmatik wie keine anderen eine selbstbewusste Identität entwickelt, die bis heute zur Weiterentwicklung visueller Dichtung inspiriert (<bib id='Drucker 1996a'></bib>: S. 58).
 
  
=====Visuelle Poesie im Computerzeitalter=====
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==Text als Bild: Visuelle Poesie==
  
Kinetische Poesie in vielfältiger Form beweglicher, veränderlicher Buchstaben- oder Wortfolgen findet sich nicht erst, seit es Computer gibt. Beispiele dafür sind filmische Realisationen, (Neon)Lichtinstallationen, Laufschriften und Projektionen (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 104ff.). Auch die durch den Computer leicht hervorrufbare Zufallskombinatorik zur Generierung von visueller Poesie findet sich schon in frühen Beispielen textpermutativer Techniken oder technisch analoger Poesie-Automaten (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 177ff.). Dennoch bietet die heutige Computertechnologie fraglos das weitaus größte Spektrum an medialer Kombinatorik: Durch die neuen Möglichkeiten des Gebrauchs der Schrift in Computerprogrammen bzw. im Internet bieten sich kaum begrenzte Möglichkeiten einer „animierten“ bzw. „operativen“ visuellen Poesie: Schriften/Texte werden nicht nur filmisch in Bewegung versetzt, sondern werden als ausführbare Programme oder Links programmiert (z.B. <bib id='Cramer 2011a'></bib>). Dencker  unterscheidet insgesamt elf Typen computergesteuerter kinetischer Poesie, die von ihm chronologisch sortiert eine große Bandbreite umfassen: von ersten, noch linear strukturierten Texten, die am Computer mit zufallsgesteuerten Programmen erstellt wurden über nicht-lineare Hypertexte, Hypermedia, Interaktions- und Kollaborationstexten bis hin zu code-basierten selbstagierenden Texten (vgl. (<bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 265f.).
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In ganz besonders intensiver, radika&shy;ler und zugleich reflek&shy;tierter Weise wurde und werden die Sichtbar&shy;keit der Schrift und die Gestalt&shy;haftig&shy;keit schriftli&shy;cher Texte in den unter&shy;schiedli&shy;chen Formen visu&shy;eller Poesie genutzt bzw. ausge&shy;stellt. »Visu&shy;elle Poesie« ist in diesem Sinne als ein Sammel&shy;begriff für alle Arten von Dichtung zu verste&shy;hen, bei denen die visu&shy;elle Präsen&shy;tation eines Textes ein wesent&shy;liches Element der künstle&shy;rischen Konzep&shy;tion darstellt, bei der der Schöpfer/die Schöpfe&shy;rin des Textes also die (schrift-)bild&shy;lichen Gestalt&shy;quali&shy;täten der Schrift bewusst und inten&shy;siv nutzt. Im enge&shy;ren Sinne verbun&shy;den wird der Ausdruck ‘visu&shy;elle Poesie’ meistens mit expe&shy;rimen&shy;tellen Arbei&shy;ten der lite&shy;rari&shy;schen Avant&shy;garden des 20. Jahrhun&shy;derts: etwa dem Dada&shy;ismus oder dem italie&shy;nischen und russi&shy;schen Futu&shy;rismus in der ersten Jahrhun&shy;derthälf&shy;te sowie mit der lite&shy;rari&shy;schen Strömung der soge&shy;nannten «Konkre&shy;ten Poesie», die sich insbe&shy;sonde&shy;re im deutsch&shy;sprachi&shy;gen Raum ab den 1950er Jahren formier&shy;te, wie aber auch mit der sowje&shy;tischen Samis&shy;dat-Lite&shy;ratur.
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Die ''visuelle Poesie'' in diesem (mit der Avant&shy;garde-Lite&shy;ratur verknüpf&shy;ten enge&shy;ren) Sinne muss wohl als eine spezi&shy;fisch euro&shy;päische Gegen&shy;bewe&shy;gung gegen das anson&shy;sten im euro&shy;päischen Kultur&shy;kreis domi&shy;nieren&shy;de Lesbar&shy;keits-Para&shy;digma der Schrift, das mit einer ''Sichtbar&shy;keitsver&shy;gessen&shy;heit'' einher&shy;geht, verstan&shy;den werden. Diese Sichtbar&shy;keits- und Mate&shy;riali&shy;tätsver&shy;gessen&shy;heit in Bezug auf die Schrift hat es in außer&shy;euro&shy;päischen Schrift&shy;kultu&shy;ren in dieser Art vermut&shy;lich nie gege&shy;ben, da hier z.B. die Kalli&shy;graphie eine viel größe&shy;re Wert&shy;schätzung genießt. Darü&shy;ber hinaus ist zu bemer&shy;ken, dass es Arte&shy;fakte visu&shy;eller Poesie auch in Euro&shy;pa bereits seit der Anti&shy;ke gege&shy;ben hat. Man denke an anti&shy;ke und ba&shy;rocke Figu&shy;renge&shy;dichte (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 583ff.).
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In der visuellen Poesie werden dabei ganz unter&shy;schiedli&shy;che schrift&shy;bildli&shy;che Gestalt&shy;quali&shy;täten von Texten erzeugt, entwe&shy;der über die Hand&shy;schrift, die Schreib&shy;maschi&shy;nenschrift oder über die Typo&shy;graphie. Eine, aber eben nur eine Möglich&shy;keit unter vielen ist dabei, dass der Text – wie im Fall der gerade erwähn&shy;ten Figu&shy;renge&shy;dichte – so geschrie&shy;ben oder gesetzt wird, dass die Gestalt&shy;umris&shy;se von raumzeit&shy;lichen Gegen&shy;ständen oder visu&shy;ellen Symbo&shy;len (die in bestimm&shy;ter Weise mit dem Inhalt des geschrie&shy;benen Textes spiele&shy;risch korres&shy;pondieren) an der Gestalt des Textes selber sichtbar werden. Diese Art Texte sind in ihrer buchstäb&shy;lichen Figür&shy;lichkeit dann in dersel&shy;ben Weise als bildhaft-[[Symbol, Index, Ikon|iko&shy;nisch]] aufzu&shy;fassen wie die figür&shy;liche Zeichnung oder die gegen&shy;ständli&shy;che [[Malerei|Male&shy;rei]].  
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Um auch die anderen möglichen visu&shy;ellen Gestal&shy;tungsas&shy;pekte von lite&shy;rari&shy;schen Texten im allge&shy;meinen – und dann eben in diesem Falle der visu&shy;ellen Poesie – in den Blick zu bekom&shy;men, ist vorge&shy;schlagen worden, begriff&shy;lich zwischen dem Gestalt&shy;aspekt von Schriften und dem Bildas&shy;pekt von Schriften zu diffe&shy;renzie&shy;ren und von Schriften als Bildern nur dann zu reden, wenn tatsäch&shy;lich Figuren iko&shy;nisch abge&shy;bildet werden (vgl. <bib id='Polaschegg 2011a'>Pola&shy;schegg 2011a</bib>).
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Was sind nun diese anderen – über die Figür&shy;lichkeit hinaus&shy;gehen&shy;den – Gestal&shy;tungsmög&shy;lichkei&shy;ten von Texten, die in der visu&shy;ellen Poesie expe&shy;rimen&shy;tell und spiele&shy;risch genutzt bzw. [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|exem&shy;plifi&shy;ziert]] werden? Es finden sich Expe&shy;rimen&shy;te mit der räumli&shy;chen Dimen&shy;sion der Schrift, z.B. mit verschie&shy;denen Schrift&shy;größen oder -farben für Buchsta&shy;ben oder Wörter, und Expe&shy;rimen&shy;te mit der räumli&shy;chen Posi&shy;tionie&shy;rung der Buchsta&shy;ben/Wor&shy;te auf der Schreib&shy;fläche, ihrem konstel&shy;lati&shy;ven (Re-)Ar&shy;range&shy;ment auf der Buch&shy;seite. Darü&shy;ber hinaus finden sich Versu&shy;che, das Gesti&shy;sche der jewei&shy;ligen Schreib&shy;handlung im Geschrie&shy;benen als Spur sichtbar zu machen sowie zudem Hybrid&shy;bildun&shy;gen aus Schrift und Bild (wie bei den soge&shy;nannten ‘Sprach&shy;blättern’ von Carlfried&shy;rich Claus), begriff&shy;lich häufig als »skriptu&shy;rale Male&shy;rei« zusam&shy;menge&shy;fasst, bei der die Über&shy;gänge zwischen Bild, Orna&shy;ment und Schrift nicht eindeu&shy;tig sind und meistens bewusst an der Schnitt&shy;stelle von Lesbar&shy;keit/Un&shy;lesbar&shy;keit ope&shy;riert wird. Dabei wird beim Le&shy;ser/Be&shy;trachter ein Spiel von Seman&shy;tisie&shy;rung / Dese&shy;manti&shy;sierung / Rese&shy;manti&shy;sierung in Gang gesetzt. Für die Arbei&shy;ten der russi&shy;schen Avant&shy;garde der 1910er und 20er Jahre hat Georg Witte eine Typo&shy;logie schrift&shy;bildli&shy;cher Verfah&shy;ren ent&shy;wickelt (vgl. <bib id='Witte 2005a'></bib>).
  
=====Vertreter visueller Poesie=====
 
* Pierre Albert-Birot (Frankreich) [http://fr.wikipedia.org/wiki/Pierre_Albert-Birot]
 
* H.C. Artmann (Österreich) [http://de.wikipedia.org/wiki/H.C._Artmann]
 
* Guillaume Apollinaire (Frankreich) [http://de.wikipedia.org/wiki/Guillaume_Apollinaire]
 
* Hugo Ball (D) [http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Ball]
 
* Josef Bauer (Österreich) [http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Bauer_%28K%C3%BCnstler%29]
 
* Max Bense (Deutschland) [http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Bense]
 
* Chris Bezzel (D)
 
* Claus Bremer (D)
 
* Theo Breuer (D)
 
* Joan Brossa (Spanien; Katalonien)
 
* Giorgio Camastro (D)
 
* Carlo Carrá (Italien)
 
* Carlfriedrich Claus (DDR)
 
* Guillermo Deisler (Chile; DDR)
 
* Reinhard Döhl (D)
 
* Klaus Peter Dencker (D)
 
* Lazar El Lissitzky (Russland)
 
* Öyvind Fahlström (Schweden)
 
* Brigitta Falkner (Österreich)
 
* León Ferrari (Argentinien)
 
* Lutz Fleischer (D)
 
* Heinz Gappmayr (Österreich)
 
* Ilse Garnier (Deutschland, Frankreich)
 
* Pierre Garnier (Frankreich)
 
* Eugen Gomringer (D)
 
* Ferreira Gullar (Brasilien)
 
* Raoul Hausmann (Österreich/D)
 
* Helmut Heißenbüttel (D)
 
* Werner Herbst (Österreich)
 
* Christine Huber (Österreich)
 
* Ernst Jandl (Österreich)
 
* Johannes Jansen (DDR)
 
* Gerhard Jaschke (Österreich)
 
* Eduardo Kac (Brasilien)
 
* Christian Katt (Österreich)
 
* Ilse Kilic (Österreich)
 
* Boris Konstriktor (Russland)
 
* Richard Kostelanetz (USA)
 
* Stéphane Mallarmé (Frankreich)
 
* Filippo Marinetti (Italien)
 
* Décio Pignatari (Brasilien)
 
* Alberto Pimenta (Portugal)
 
* Karl Riha (D)
 
* Rodchenko, Alexander (Russland)
 
* Axel Rohlfs (D)
 
* Mario Rotter (Österreich)
 
* Gerhard Rühm (Österreich)
 
* Konrad Balder Schäuffelen (Deutschland)
 
* Mira Schendel (Brasilien)
 
* Valeri Scherstjanoi (Russland, Deutschland)
 
* Kurt Schwitters (Deutschland)
 
* Rudolf Sikora (Tschechoslowakei)
 
* Christian Steinbacher (Österreich)
 
* José Juan Tablada (Mexiko) (1871-1945)
 
* Tristan Tzara (Rumänien/Frankreich)
 
* Liesl Ujvary (Österreich)
 
* Günter Vallaster (Österreich)
 
* Jiři Valoch (Tschechoslowakei)
 
* Fritz Widhalm (Österreich)
 
* Hansjörg Zauner (Österreich)
 
  
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==Konkrete Poesie==
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Die ''Konkrete Poesie'' ist eine künstle&shy;rische Strömung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun&shy;derts, die sich im Anschluss an den Begriff bzw. die Bewe&shy;gung der «Konkre&shy;ten Kunst», vertre&shy;ten vor allem durch den Schweizer Max Bill, seit den 1950er Jahren den mate&shy;rialen Basis&shy;elemen&shy;ten der Poesie in ihren einer&shy;seits visu&shy;ellen und ande&shy;rerseits akus&shy;tischen Darstel&shy;lungsme&shy;dien zuwen&shy;det. Wichti&shy;ge deutsch&shy;sprachi&shy;ge Vertre&shy;ter sind Eugen Gomrin&shy;ger, Franz Mon, Helmut Heißen&shy;büttel, Hansjörg Mayer, Max Bense und Claus Bremer, inter&shy;natio&shy;nal ist der Schwede Öyvind Fahl&shy;ström zu nennen, der 1953 ein «Mani&shy;fest für konkre&shy;te Poesie» verfass&shy;te und damit auch den Namen präg&shy;te, die brasi&shy;liani&shy;sche Gruppe «Noigan&shy;dres» sowie die Wiener Gruppe um H.C. Artmann.  Die Aufmerk&shy;samkeit dieser Autoren gilt den einzel&shy;nen Buchsta&shy;ben, Satzzei&shy;chen und Wörtern im Geschrie&shy;benen und den Lauten, (bzw. auch dem Klang der Stimme) im Gespro&shy;chenen.
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Im Visuellen soll dabei die experimentel&shy;le graphi&shy;sche Anord&shy;nung der Wörter, Buch&shy;staben und/oder Sätze neue „Konstel&shy;latio&shy;nen“ und damit auch neue – makro&shy;typo&shy;graphi&shy;sche – Bedeu&shy;tungsdi&shy;mensio&shy;nen eröff&shy;nen. Mit dem Begriff der Konstel&shy;lation greift Gomrin&shy;ger in seiner program&shy;mati&shy;schen Schrift «vom vers zur konstel&shy;lation» (1955 erstmals publi&shy;ziert, im Folgen&shy;den zitiert nach <bib id='Gomringer 1997a'>Gomrin&shy;ger 1997a</bib>) auf einen Begriff Mallar&shy;més zurück und bezeich&shy;net damit
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:''die einfachste gestaltungsmöglich&shy;keit der auf dem wort beru&shy;henden dichtung. [...] sie erlaubt das spiel. sie erlaubt die reihen&shy;bildung der wortbe&shy;griffe a, b, c und deren mögli&shy;che varia&shy;tionen'' (<bib id='Gomringer 1997a'>Gomrin&shy;ger 1997a</bib>: S. 16).
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Er bezieht sich also auf die Anordnung von verknapp&shy;tem und [[Pragmatik, Semantik, Syntax|syntak&shy;tisch]] unver&shy;bunde&shy;nem Wortma&shy;terial auf der weißen Papier&shy;fläche inklu&shy;sive der Zwischen- und Umge&shy;bungsräu&shy;me.
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Ein weiteres Kennzeichen der ansonsten als künstle&shy;rische Strömung durchaus hete&shy;roge&shy;nen Konkre&shy;ten Poesie ist die akus&shy;tische Dimen&shy;sion ihrer Wortkunst: So werden die visu&shy;ellen Konstel&shy;latio&shy;nen von eini&shy;gen Auto&shy;ren, etwa von Ernst Jandl, into&shy;niert, wodurch allein durch die Proso&shy;die eine Art Dialog (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 631) entste&shy;hen kann. Die deutsch&shy;sprachi&shy;ge Strömung der Konkre&shy;ten Poesie sowie die ihr am nächsten stehen&shy;de brasi&shy;liani&shy;sche Künstler&shy;gruppe Noigan&shy;dres haben durch ihre Program&shy;matik wie keine ande&shy;ren eine selbstbe&shy;wusste Iden&shy;tität ent&shy;wickelt, die bis heute zur Weiter&shy;entwick&shy;lung visu&shy;eller Dichtung inspi&shy;riert (vgl. <bib id='Drucker 1996a'></bib>: S. 58).
  
=====optional Beispiele=====
 
  
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
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==Visuelle Poesie im Compu&shy;terzeit&shy;alter==
  
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''Kinetische Poesie'' in vielfälti&shy;ger Form beweg&shy;licher, verän&shy;derli&shy;cher Buchsta&shy;ben- oder Wortfol&shy;gen findet sich nicht erst, seit es Compu&shy;ter gibt. Beispie&shy;le dafür sind filmi&shy;sche Reali&shy;satio&shy;nen, (Neon)Licht&shy;instal&shy;latio&shy;nen, Laufschrif&shy;ten und Projek&shy;tionen (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 104ff.). Auch die durch den Compu&shy;ter leicht hervor&shy;rufba&shy;re Zufalls&shy;kombi&shy;nato&shy;rik zur Gene&shy;rierung von visu&shy;eller Poesie findet sich schon in frühen Beispie&shy;len text&shy;permu&shy;tati&shy;ver Techni&shy;ken oder technisch ana&shy;loger Poesie-Auto&shy;maten (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 177ff.). Dennoch bietet die heuti&shy;ge Compu&shy;tertech&shy;nolo&shy;gie fraglos das weitaus größte Spektrum an medi&shy;aler Kombi&shy;nato&shy;rik: Durch die neuen Möglich&shy;keiten des Gebrauchs der Schrift in Compu&shy;terpro&shy;grammen bzw. im Inter&shy;net bieten sich kaum begrenz&shy;te Möglich&shy;keiten einer [[Animation|„ani&shy;mierten“]] bzw. [[Interaktives Bild|„ope&shy;rati&shy;ven“ visu&shy;ellen]] Poesie: Schrif&shy;ten/Tex&shy;te werden nicht nur filmisch in Bewe&shy;gung versetzt, sondern werden als ausführ&shy;bare Program&shy;me oder Links program&shy;miert (z.B. <bib id='Cramer 2011a'></bib>). Dencker unter&shy;scheidet insge&shy;samt elf Typen compu&shy;terge&shy;steuer&shy;ter kine&shy;tischer Poesie, die von ihm chrono&shy;logisch sortiert eine große Bandbrei&shy;te umfas&shy;sen: von ersten, noch linear struktu&shy;rierten Texten, die am Compu&shy;ter mit zufalls&shy;gesteu&shy;erten Program&shy;men erstellt wurden, über nicht-line&shy;are Hyper&shy;texte, [[Hypermedien|Hyper&shy;media]], Inter&shy;aktions- und Kolla&shy;bora&shy;tionstex&shy;te bis hin zu code-basier&shy;ten selbst&shy;agie&shy;renden Texten (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 265f.).
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— Eine Liste von Vertretern der Visuellen Poesie ist im [[Exkurs: Vertreter Visueller Poesie]] zusammengestellt.
  
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Aktuelle Version vom 16. Dezember 2019, 15:09 Uhr

Unterpunkt zu: Schriftbildlichkeit


Theoretischer Hintergrund: Schrift­gestalt und Schrift­bildlich­keit in lite­rari­schen Texten

Schriftliche Texte haben immer auch eine “Textge­stalt”, und als solche wirken sie immer auch bildlich bzw. schrift­bildlich in dem Sinne, dass sie nicht nur linear gele­sen, sondern auch auf einen Blick in ihrer Gestalt auf der Fläche ange­schaut bzw. erfasst werden. Wolfgang Raible spricht von der „Semio­tik der Textge­stalt“ und verweist darauf, dass die Zweidi­mensio­nali­tät der Schreib­fläche vielfäl­tig für die Struktu­rierung von Texten genutzt wird: etwa durch Über­schriften, Absät­ze, Ein­rückun­gen, Fuß­noten und End­noten (vgl. [Raible 1991a]Raible, Wolfgang (1991).
Die Semi­otik der Text­gestalt. Erschei­nungs­for­men und Folgen eines kultu­rellen Evo­lutions­prozes­ses. Heidel­berg: Uni­versi­tätsver­lag Winter.

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). Ande­re Autor­Innen sprechen allge­meiner von der „Sichtbar­keit der Schrift“ (vgl. [Strät­ling & Witte 2006a]Strätling, Susanne & Witte, Georg (2006).
Die Sicht­bar­keit der Schrift. München: Fink.

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). Diese Sichtbar­keit, die Gestalt­haftig­keit schriftli­cher Texte, kann in unter­schiedli­cher Weise gehand­habt und in verschie­denem Maße reflek­tiert werden. Dies trifft auch und insbe­sonde­re für Texte aus dem Bereich der Lite­ratur zu.
Die Sichtbarkeit der Schrift wird in den verschie­denen lite­rari­schen Genres unter­schiedlich stark ausge­beutet, eini­ge Genres konsti­tuieren sich über­haupt erst als solche über die Textge­stalt. Pola­schegg zum Beispiel macht auf die genu­ine Schrift­bild­lichkeit der Lyrik als lite­rari­scher Gattung aufmerk­sam, indem sie gegen die tradi­tionel­le Auffas­sung von der Lyrik als einer akus­tischen Kunst zur Geltung bringt, dass Gedich­te immer schon „auf einen Blick“, das heißt anhand ihrer schrift­bildli­chen Erschei­nung, als solche erkannt werden (vgl. [Pola­schegg 2011a]Polaschegg, Andrea (2011).
Lite­ratur auf einen Blick. Zur Schrift­bild­lichkeit der Lyrik.
In Schrift­bild­lich­keit. Wahr­nehm­bar­keit, Mate­riali­tät und Ope­rati­vität von Nota­tionen, 245-264.

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. So ist es vor allem die durch Zeilen­umbrü­che markier­te Vers­form, die dem Gedicht seinen unver­wechsel­baren visu­ellen Charak­ter gibt. Lyrik lebt von der spannungs­vollen Diffe­renz zwischen dem simul­tanen Sehen der Gestalt und der sukzes­siven Lektü­re der Schrift­zeichen. Auch Witte verweist auf die visu­elle Dimen­sion der Lyrik, die durch die graphisch markier­te Vers­form, das „Vers­bild“, gekenn­zeichnet ist (vgl. [Witte 2011a]Witte, Georg (2011).
Das “Zusam­men-Be­greifen” des Blicks: Vers und Schrift.
In Schrift­bild­lich­keit. Wahr­nehm­bar­keit, Mate­riali­tät und Ope­rati­vität von Nota­tionen, 265-286.

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). Die Bezeich­nung ‘Vers­bild’ impli­ziert für ihn dabei die spezi­fische (schrift­bildli­che) Sichtbar­keit einer komple­xen Form der verba­len Sequen­tiali­sierung, die zwischen Sehen und Lesen produk­tiv zu changie­ren ermög­licht, und z.B. einzel­ne Wörter eines Gedich­tes über Zeilen­umbrü­che „erra­tisiert“, „trans­gramma­tika­lisiert“ und diese in ganz neuen Konstel­lationen wahrnehm­bar werden lässt. Jedoch lässt sich auch für lite­rari­sche Prosa-Texte plausi­bel machen, dass Texte in ihrer Gestalt, und in diesem Sinne in ihrer (schrift-)bild­lichen Dimen­sion wahrge­nommen werden und wirken (können) (vgl. [Giertler 2011a]Giertler, Mareike (2011).
Lesen als Akt des Sehens der Schrift – Am Beispiel von Kafkas Betrach­tungen im Erst­druck. In Sprache und Lite­ratur, 42, 107, 25-36.

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). Auch Kalli­graphie und Typo­graphie sind Fel­der/Prak­tiken, in denen mit der Sicht­barkeit der Schrift bzw. mit der Textge­stalt gear­beitet wird.


Text als Bild: Visuelle Poesie

In ganz besonders intensiver, radika­ler und zugleich reflek­tierter Weise wurde und werden die Sichtbar­keit der Schrift und die Gestalt­haftig­keit schriftli­cher Texte in den unter­schiedli­chen Formen visu­eller Poesie genutzt bzw. ausge­stellt. »Visu­elle Poesie« ist in diesem Sinne als ein Sammel­begriff für alle Arten von Dichtung zu verste­hen, bei denen die visu­elle Präsen­tation eines Textes ein wesent­liches Element der künstle­rischen Konzep­tion darstellt, bei der der Schöpfer/die Schöpfe­rin des Textes also die (schrift-)bild­lichen Gestalt­quali­täten der Schrift bewusst und inten­siv nutzt. Im enge­ren Sinne verbun­den wird der Ausdruck ‘visu­elle Poesie’ meistens mit expe­rimen­tellen Arbei­ten der lite­rari­schen Avant­garden des 20. Jahrhun­derts: etwa dem Dada­ismus oder dem italie­nischen und russi­schen Futu­rismus in der ersten Jahrhun­derthälf­te sowie mit der lite­rari­schen Strömung der soge­nannten «Konkre­ten Poesie», die sich insbe­sonde­re im deutsch­sprachi­gen Raum ab den 1950er Jahren formier­te, wie aber auch mit der sowje­tischen Samis­dat-Lite­ratur.

Die visuelle Poesie in diesem (mit der Avant­garde-Lite­ratur verknüpf­ten enge­ren) Sinne muss wohl als eine spezi­fisch euro­päische Gegen­bewe­gung gegen das anson­sten im euro­päischen Kultur­kreis domi­nieren­de Lesbar­keits-Para­digma der Schrift, das mit einer Sichtbar­keitsver­gessen­heit einher­geht, verstan­den werden. Diese Sichtbar­keits- und Mate­riali­tätsver­gessen­heit in Bezug auf die Schrift hat es in außer­euro­päischen Schrift­kultu­ren in dieser Art vermut­lich nie gege­ben, da hier z.B. die Kalli­graphie eine viel größe­re Wert­schätzung genießt. Darü­ber hinaus ist zu bemer­ken, dass es Arte­fakte visu­eller Poesie auch in Euro­pa bereits seit der Anti­ke gege­ben hat. Man denke an anti­ke und ba­rocke Figu­renge­dichte (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011).
Opti­sche Poesie: Von den prähis­tori­schen Schrift­zeichen bis zu den digi­talen Expe­rimen­ten der Gegen­wart. Berlin, New York: de Gruyter.

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: S. 583ff.).

In der visuellen Poesie werden dabei ganz unter­schiedli­che schrift­bildli­che Gestalt­quali­täten von Texten erzeugt, entwe­der über die Hand­schrift, die Schreib­maschi­nenschrift oder über die Typo­graphie. Eine, aber eben nur eine Möglich­keit unter vielen ist dabei, dass der Text – wie im Fall der gerade erwähn­ten Figu­renge­dichte – so geschrie­ben oder gesetzt wird, dass die Gestalt­umris­se von raumzeit­lichen Gegen­ständen oder visu­ellen Symbo­len (die in bestimm­ter Weise mit dem Inhalt des geschrie­benen Textes spiele­risch korres­pondieren) an der Gestalt des Textes selber sichtbar werden. Diese Art Texte sind in ihrer buchstäb­lichen Figür­lichkeit dann in dersel­ben Weise als bildhaft-iko­nisch aufzu­fassen wie die figür­liche Zeichnung oder die gegen­ständli­che Male­rei.

Um auch die anderen möglichen visu­ellen Gestal­tungsas­pekte von lite­rari­schen Texten im allge­meinen – und dann eben in diesem Falle der visu­ellen Poesie – in den Blick zu bekom­men, ist vorge­schlagen worden, begriff­lich zwischen dem Gestalt­aspekt von Schriften und dem Bildas­pekt von Schriften zu diffe­renzie­ren und von Schriften als Bildern nur dann zu reden, wenn tatsäch­lich Figuren iko­nisch abge­bildet werden (vgl. [Pola­schegg 2011a]Polaschegg, Andrea (2011).
Lite­ratur auf einen Blick. Zur Schrift­bild­lichkeit der Lyrik.
In Schrift­bild­lich­keit. Wahr­nehm­bar­keit, Mate­riali­tät und Ope­rati­vität von Nota­tionen, 245-264.

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).
Was sind nun diese anderen – über die Figür­lichkeit hinaus­gehen­den – Gestal­tungsmög­lichkei­ten von Texten, die in der visu­ellen Poesie expe­rimen­tell und spiele­risch genutzt bzw. exem­plifi­ziert werden? Es finden sich Expe­rimen­te mit der räumli­chen Dimen­sion der Schrift, z.B. mit verschie­denen Schrift­größen oder -farben für Buchsta­ben oder Wörter, und Expe­rimen­te mit der räumli­chen Posi­tionie­rung der Buchsta­ben/Wor­te auf der Schreib­fläche, ihrem konstel­lati­ven (Re-)Ar­range­ment auf der Buch­seite. Darü­ber hinaus finden sich Versu­che, das Gesti­sche der jewei­ligen Schreib­handlung im Geschrie­benen als Spur sichtbar zu machen sowie zudem Hybrid­bildun­gen aus Schrift und Bild (wie bei den soge­nannten ‘Sprach­blättern’ von Carlfried­rich Claus), begriff­lich häufig als »skriptu­rale Male­rei« zusam­menge­fasst, bei der die Über­gänge zwischen Bild, Orna­ment und Schrift nicht eindeu­tig sind und meistens bewusst an der Schnitt­stelle von Lesbar­keit/Un­lesbar­keit ope­riert wird. Dabei wird beim Le­ser/Be­trachter ein Spiel von Seman­tisie­rung / Dese­manti­sierung / Rese­manti­sierung in Gang gesetzt. Für die Arbei­ten der russi­schen Avant­garde der 1910er und 20er Jahre hat Georg Witte eine Typo­logie schrift­bildli­cher Verfah­ren ent­wickelt (vgl. [Witte 2005a]Witte, Georg (2005).
Text­flächen und Flächen­texte. Das Schrift­sehen der lite­rari­schen Avant­garden.
In Schrift. Kultur­technik zwischen Auge, Hand und Maschi­ne, 375-396.

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).


Konkrete Poesie

Die Konkrete Poesie ist eine künstle­rische Strömung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun­derts, die sich im Anschluss an den Begriff bzw. die Bewe­gung der «Konkre­ten Kunst», vertre­ten vor allem durch den Schweizer Max Bill, seit den 1950er Jahren den mate­rialen Basis­elemen­ten der Poesie in ihren einer­seits visu­ellen und ande­rerseits akus­tischen Darstel­lungsme­dien zuwen­det. Wichti­ge deutsch­sprachi­ge Vertre­ter sind Eugen Gomrin­ger, Franz Mon, Helmut Heißen­büttel, Hansjörg Mayer, Max Bense und Claus Bremer, inter­natio­nal ist der Schwede Öyvind Fahl­ström zu nennen, der 1953 ein «Mani­fest für konkre­te Poesie» verfass­te und damit auch den Namen präg­te, die brasi­liani­sche Gruppe «Noigan­dres» sowie die Wiener Gruppe um H.C. Artmann. Die Aufmerk­samkeit dieser Autoren gilt den einzel­nen Buchsta­ben, Satzzei­chen und Wörtern im Geschrie­benen und den Lauten, (bzw. auch dem Klang der Stimme) im Gespro­chenen.

Im Visuellen soll dabei die experimentel­le graphi­sche Anord­nung der Wörter, Buch­staben und/oder Sätze neue „Konstel­latio­nen“ und damit auch neue – makro­typo­graphi­sche – Bedeu­tungsdi­mensio­nen eröff­nen. Mit dem Begriff der Konstel­lation greift Gomrin­ger in seiner program­mati­schen Schrift «vom vers zur konstel­lation» (1955 erstmals publi­ziert, im Folgen­den zitiert nach [Gomrin­ger 1997a]Gomringer, Ernst (1997).
Theorie der Konkre­ten Poesie, Texte und Mani­feste 1954-1997. Wien: Edi­tion Split­ter.

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) auf einen Begriff Mallar­més zurück und bezeich­net damit
die einfachste gestaltungsmöglich­keit der auf dem wort beru­henden dichtung. [...] sie erlaubt das spiel. sie erlaubt die reihen­bildung der wortbe­griffe a, b, c und deren mögli­che varia­tionen ([Gomrin­ger 1997a]Gomringer, Ernst (1997).
Theorie der Konkre­ten Poesie, Texte und Mani­feste 1954-1997. Wien: Edi­tion Split­ter.

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: S. 16).

Er bezieht sich also auf die Anordnung von verknapp­tem und syntak­tisch unver­bunde­nem Wortma­terial auf der weißen Papier­fläche inklu­sive der Zwischen- und Umge­bungsräu­me.

Ein weiteres Kennzeichen der ansonsten als künstle­rische Strömung durchaus hete­roge­nen Konkre­ten Poesie ist die akus­tische Dimen­sion ihrer Wortkunst: So werden die visu­ellen Konstel­latio­nen von eini­gen Auto­ren, etwa von Ernst Jandl, into­niert, wodurch allein durch die Proso­die eine Art Dialog (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011).
Opti­sche Poesie: Von den prähis­tori­schen Schrift­zeichen bis zu den digi­talen Expe­rimen­ten der Gegen­wart. Berlin, New York: de Gruyter.

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: S. 631) entste­hen kann. Die deutsch­sprachi­ge Strömung der Konkre­ten Poesie sowie die ihr am nächsten stehen­de brasi­liani­sche Künstler­gruppe Noigan­dres haben durch ihre Program­matik wie keine ande­ren eine selbstbe­wusste Iden­tität ent­wickelt, die bis heute zur Weiter­entwick­lung visu­eller Dichtung inspi­riert (vgl. [Drucker 1996a]Drucker, Johanna (1996).
Exper­imen­tal, Visual, and Con­crete Poetry: A Note on Histor­ical Context and Basic Concepts.
In Exper­imen­tal – Visual – Con­crete: Avant-garde Poetry since the 1960s, 39–61.

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: S. 58).


Visuelle Poesie im Compu­terzeit­alter

Kinetische Poesie in vielfälti­ger Form beweg­licher, verän­derli­cher Buchsta­ben- oder Wortfol­gen findet sich nicht erst, seit es Compu­ter gibt. Beispie­le dafür sind filmi­sche Reali­satio­nen, (Neon)Licht­instal­latio­nen, Laufschrif­ten und Projek­tionen (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011).
Opti­sche Poesie: Von den prähis­tori­schen Schrift­zeichen bis zu den digi­talen Expe­rimen­ten der Gegen­wart. Berlin, New York: de Gruyter.

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: S. 104ff.). Auch die durch den Compu­ter leicht hervor­rufba­re Zufalls­kombi­nato­rik zur Gene­rierung von visu­eller Poesie findet sich schon in frühen Beispie­len text­permu­tati­ver Techni­ken oder technisch ana­loger Poesie-Auto­maten (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011).
Opti­sche Poesie: Von den prähis­tori­schen Schrift­zeichen bis zu den digi­talen Expe­rimen­ten der Gegen­wart. Berlin, New York: de Gruyter.

  Eintrag in Sammlung zeigen
: S. 177ff.). Dennoch bietet die heuti­ge Compu­tertech­nolo­gie fraglos das weitaus größte Spektrum an medi­aler Kombi­nato­rik: Durch die neuen Möglich­keiten des Gebrauchs der Schrift in Compu­terpro­grammen bzw. im Inter­net bieten sich kaum begrenz­te Möglich­keiten einer „ani­mierten“ bzw. „ope­rati­ven“ visu­ellen Poesie: Schrif­ten/Tex­te werden nicht nur filmisch in Bewe­gung versetzt, sondern werden als ausführ­bare Program­me oder Links program­miert (z.B. [Cramer 2011a]Cramer, Florian (2001).
Netzkunst und konkrete Poesie..

  Eintrag in Sammlung zeigen
). Dencker unter­scheidet insge­samt elf Typen compu­terge­steuer­ter kine­tischer Poesie, die von ihm chrono­logisch sortiert eine große Bandbrei­te umfas­sen: von ersten, noch linear struktu­rierten Texten, die am Compu­ter mit zufalls­gesteu­erten Program­men erstellt wurden, über nicht-line­are Hyper­texte, Hyper­media, Inter­aktions- und Kolla­bora­tionstex­te bis hin zu code-basier­ten selbst­agie­renden Texten (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011).
Opti­sche Poesie: Von den prähis­tori­schen Schrift­zeichen bis zu den digi­talen Expe­rimen­ten der Gegen­wart. Berlin, New York: de Gruyter.

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: S. 265f.).

— Eine Liste von Vertretern der Visuellen Poesie ist im Exkurs: Vertreter Visueller Poesie zusammengestellt.

Anmerkungen
Literatur                             [Sammlung]

[Cramer 2011a]: Cramer, Florian (2001). Netzkunst und konkrete Poesie.
Webtext.
link: netzliteratur.net/cramer/netzkunst_konkrete_poesie.htm.

[Dencker 2011a]: Dencker, Klaus Peter (2011). Opti­sche Poesie: Von den prähis­tori­schen Schrift­zeichen bis zu den digi­talen Expe­rimen­ten der Gegen­wart. Berlin, New York: de Gruyter. [Drucker 1996a]: Drucker, Johanna (1996). Exper­imen­tal, Visual, and Con­crete Poetry: A Note on Histor­ical Context and Basic Concepts. In: Jackson, D.; Vos, E. & Drucker, J. (Hg.): Exper­imen­tal – Visual – Con­crete: Avant-garde Poetry since the 1960s. Amster­dam, Atlan­ta: Rodo­pi, S. 39–61. [Giertler 2011a]: Giertler, Mareike (2011). Lesen als Akt des Sehens der Schrift – Am Beispiel von Kafkas Betrach­tungen im Erst­druck. Sprache und Lite­ratur, Band: 42, Nummer: 107, S. 25-36. [Gomrin­ger 1997a]: Gomringer, Ernst (1997). Theorie der Konkre­ten Poesie, Texte und Mani­feste 1954-1997. Wien: Edi­tion Split­ter. [Pola­schegg 2011a]: Polaschegg, Andrea (2011). Lite­ratur auf einen Blick. Zur Schrift­bild­lichkeit der Lyrik. In: Krämer, S.; Cancik-Kirsch­baum, E. & Totzke, R. (Hg.): Schrift­bild­lich­keit. Wahr­nehm­bar­keit, Mate­riali­tät und Ope­rati­vität von Nota­tionen. Berlin: Aka­demie, S. 245-264. [Raible 1991a]: Raible, Wolfgang (1991). Die Semi­otik der Text­gestalt. Erschei­nungs­for­men und Folgen eines kultu­rellen Evo­lutions­prozes­ses. Heidel­berg: Uni­versi­tätsver­lag Winter. [Strät­ling & Witte 2006a]: Strätling, Susanne & Witte, Georg (Hg.) (2006). Die Sicht­bar­keit der Schrift. München: Fink. [Witte 2005a]: Witte, Georg (2005). Text­flächen und Flächen­texte. Das Schrift­sehen der lite­rari­schen Avant­garden. In: Grube, G.; Kogge, W. & Krämer, S. (Hg.): Schrift. Kultur­technik zwischen Auge, Hand und Maschi­ne. München: Fink, S. 375-396. [Witte 2011a]: Witte, Georg (2011). Das “Zusam­men-Be­greifen” des Blicks: Vers und Schrift. In: Krämer, S.; Cancik-Kirsch­baum, E. & Totzke, R. (Hg.): Schrift­bild­lich­keit. Wahr­nehm­bar­keit, Mate­riali­tät und Ope­rati­vität von Nota­tionen. Berlin: Aka­demie, S. 265-286.


Hilfe: Nicht angezeigte Literaturangaben

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra [27], Elisabeth Birk [21], Rainer Totzke [10] und Christoph Martin [8] — (Hinweis)

Zitierhinweis:

[Totzke & Mosbach 2013g-a]Vergleiche vollständigen Eintrag
in Literatursammlung
.

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Totzke, Rainer & Mosbach, Doris (2013). Text als Bild, konkrete Poesie. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.): Glossar der Bildphilosophie. (2012-2022).
Permalink.